Muss der Weihnachtsmarkt sterben?

Sehen sich alte Zeitungsberichte über die ersten Weihnachtsmärkte an: Meike und Hartmut Zimmer.
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Sehen sich alte Zeitungsberichte über die ersten Weihnachtsmärkte an: Meike und Hartmut Zimmer.

Meike und Hartmut Zimmer aus Kollmar suchen dringend Nachfolger für die Traditions-Veranstaltung am ersten Adventssonntag

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29. Juli 2015, 17:03 Uhr

Seite um Seite blättert Meike Zimmer ihren großen Aktenordner voller Zeitungsartikel, Aufstellpläne und Anträge zum Kollmaraner Weihnachtsmarkt durch. „Es war immer sehr schön“, sagt sie traurig. „Der Männer- und der Schulchor haben gesungen, das ganze Dorf hat sich getroffen und wir haben immer 400 bis 800 Euro für einen guten Zweck eingenommen.“

Seit 20 Jahren findet der Weihnachtsmarkt an jedem ersten Adventssonntag auf dem Buswendeplatz statt. Wie es derzeit aussieht, ist es damit jetzt vorbei. Meike Zimmer und ihr Ehemann Hartmut, die all die Jahre für den Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes die Organisation übernommen haben, wollen die Aufgabe in jüngere Hände abgeben. Aber nachdem sie bereits seit zwei Jahren auf der Suche nach Nachfolgern sind, haben sie die Hoffnung fast aufgegeben. „Zwischenzeitlich dachten wir, unsere stellvertretende Vorsitzende würde den Weihnachtsmarkt übernehmen“, erzählt Meike Zimmer. „Aber jetzt zieht sie nach Horst um und wenn sie geht, bröckelt auch der Einsatz ihrer Mitstreiter.“

Dabei wäre Meike Zimmer durchaus bereit „den ganzen Papierkram“ rund um Versicherungen und Anträge weiterhin zu übernehmen. Aber es fehlen Leute für die „körperlichen Arbeiten“: Aufbauen, Abbauen, Pfütten zubereiten, Getränke ausschenken und vieles mehr – „das sind drei Tage Arbeit“, sagt Hartmut Zimmer. Alle DRK-Mitglieder, die bislang die Organisation und den Aufbau des Weihnachtsmarkts übernommen haben, seien mittlerweile Rentner und weit über 70 Jahre alt. „Das wird irgendwann einfach zu viel. Außerdem will ich auch mal nach dem Glühweintrinken am Abend einfach nur nach Hause gehen und nicht mehr beim Abbauen helfen müssen.“ Am Anfang wären Hartmut Zimmer und die anderen Aktiven gerne bereit, ihren Nachfolgern zur Hand zu gehen. „Das müssen ja nicht unbedingt DRK-Mitglieder sein“, sagt Meike Zimmer. „Wir bräuchten einen Verein mit jüngeren Leuten, zum Beispiel den Sportverein. Wichtig wäre mir nur, dass der Erlös weiterhin an einen guten Zweck gespendet werden würde.“ Einige der bisherigen Weihnachtsmarktstände würden mit dem Organisations-Team vom DRK wegfallen, andere würden sicherlich dabeibleiben, wenn jemand nur das Heft in die Hand nehmen würde, glaubt Zimmer.

Für sie ist der mögliche Wegfall des Weihnachtsmarktes Teil eines größeren Problems. „Fast alle Vereine haben in Kollmar haben zu wenig junge Mitglieder. Hier in Kollmar ist immer weniger los.“ Natürlich gebe es in der Region Weihnachtsmärkte ohne Ende. „Aber unserer war etwas Besonderes – so richtig kommodig, da trafen sich alle.“ So ganz haben Meike und Hartmut Zimmer die Hoffnung auf eine Rettung des Weihnachtsmarkts noch nicht aufgegeben. „Vielleicht findet sich ja doch noch jemand. Allerdings sollte derjenige nicht zu spät sein. Sechs Wochen vorher muss man den Weihnachtsmarkt spätestens bei der Gemeinde anmelden.“

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