Musiktalent aus der Schleusenstadt

Im Musikunterricht: Jason Adolph spielt auf der Gitarre eine komplexe Melodie, Musiklehrer Uwe Eschner (li.) unterstützt sein Können.
Im Musikunterricht: Jason Adolph spielt auf der Gitarre eine komplexe Melodie, Musiklehrer Uwe Eschner (li.) unterstützt sein Können.

13-Jähriger Gitarrist aus Brunsbüttel tritt ab heute beim 52. Bundeswettbwerb von „Jugend musiziert“ in Hamburg an

shz.de von
22. Mai 2015, 11:27 Uhr

Wenn Jason Adolph zur Gitarre greift, spannt sich sein ganzer Körper. Je nachdem welche Stimmung ein Lied transportieren soll, ändert sich auch seine Körperhaltung. „Würde ich die Augen schließen, ich würde nicht denken, dass da ein 13-Jähriger spielt“, sagt Musiklehrer Uwe Eschner. Er unterrichtet den Junggitarristen aus Brunsbüttel, der als einer von 93 Jugendlichen aus Schleswig-Holstein von heute bis zum 28 . Mai beim diesjährigen Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ in Hamburg antritt.

In der Dithmarscher Musikschule in Meldorf studiert Jason Adolph die Stücke ein, die er in Hamburg vorspielen möchte. In den Noten auf dem Notenständer sind viele Notizen in bunten Farben über und zwischen den Notenlinien. Jason sitzt auf einem Hocker, scheint im Spiel in eine andere Welt abzutauchen, während der Hocker im Takt mitwippt.

Auf das Vorspiel in Hamburg freut er sich schon: „Mir macht es Spaß vorzuspielen und es ist interessant, was die Jury sagt.“ Fünf Jury-Mitglieder, darunter vier Hochschulprofessuren, werden dann beurteilen, wie die Qualität seiner Musik zu bewerten ist.

Das Vorspielen an sich ist für Jason nicht neu. Schon sieben Mal hat er im Landeswettbewerb bei „Jugend musiziert“ teilgenommen, auch zusammen mit seiner Schwester, die wie er gern musiziert. Jason kommt aus einer „Musikerfamilie“, wie es sein Gitarrenlehrer nennt. Alle seine drei Geschwister können selbst Musik machen. Ihre Eltern unterstützen dabei. Doch bei einem Bundeswettbewerb mitzumachen, das ist für den Nachwuchsmusiker neu. Etwas aufgeregt sei er schon, gesteht er.

Jason übt täglich eine Stunde, vor dem Wettbewerb durchaus auch mehr. Aus der Musikschule bekommt er die Tipps zum Üben mit. Seine Mutter hilft ihm, die Ratschläge umzusetzen.

Die Gitarre als Instrument hat sich Jason selbst ausgesucht. Außerdem spielt er Schlagzeug, den Einstieg in die Musik hat er mit der Querflöte gefunden. Die Gitarre spielt er erst knappe vier Jahre. „Für eine Bundeswettbewerbteilnahme ist das wenig“, sagt Eschner, der weiß wie viel Können dahinter steckt: Die Klangfarbe der Melodie gestalten und gleichzeitig im Bass-Bereich eine Begleitung ergänzen – das geistig zu überblicken sei für einen 13-Jährigen eine enorme Herausforderung, betont Uwe Eschner. „Jetzt kommt eine sehr aufgewühlende Stelle. Alleine, dass das beim Zuhörer ankommt...“, sagt er anerkennend. Jason spielt und verzieht leicht die Lippen, wenn er sich doch einmal in der Seite vergreift oder ein Ton nicht ganz perfekt ist.

Was er spielt, klingt tief emotional und melodisch. Es ist die Musik eines derzeit viel gespielten zeitgenössischen Komponisten aus Argentinien., Máximo Diego Pujol. Wie er es schafft, die Stimmung im Lied zu transportieren, kann Jason selbst nicht sagen. „Ich denke mir die Griffbilder“, sagt er mit bescheidener Art. Und Eschner ergänzt: „Leute, die es in der Musik weit bringen, haben ein intuitives Gespür“. Das Programm für das Vorspiel hat Jason selbst zusammen gestellt und den argentinischen Komponisten ausgewählt, „weil die Musik so cool ist“. Damit hat er auch den Geschmack von Eschner getroffen. Beide spielen zusammen. Es ist als würden sie das Tempo mit Blickkontakt absprechen. Jason gibt seiner Gitarre einen Klaps, der Lehrer klatsch zeitgleich in die Hände. Zusammen schließen sie das Musikstück ab.


>Der 52. Bundeswettbewerb wird an 25 Spielstätten in Hamburg ausgetragen. Die Vorspiele sind öffentlich, http://www.jugend-musiziert.org

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