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Musikfestival: Elbipolis begeistert in der Elbestadt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sehr feine, erlesene Musik gab es in diesem Jahr im Rahmen des Schleswig Holstein Musik Festivals in der Glückstädter Stadtkirche zu hören. Zu Gast war das Elbipolis Barockorchester aus Hamburg unter der Leitung von Jürgen Groß. Der ist vielen Glückstädtern seit 2011 bekannt, als er die Leitung der hiesigen Musikschule übernahm.

„Musik am Zarenhof“, so hatte das Barockorchester sein Glückstädter Konzert betitelt. Und so versuchten die Musiker die Verbindung herzustellen zwischen dem diesjährigen Festivalschwerpunkt Tschaikowsky und einem Barockorchester. Zur Zeit des Zaren Peters des Großen und seiner Gattin Katharina etablierten sich auf Einladung Katharinas viele italienische Musiker am Zarenhof. Diese gaben jungen russischen Musikern Unterricht und so kam Peter Tschaikowsky in Kontakt mit der italienischen Musik, die seinen Stil später stark beeinflusste. Elbipolis hatte sich folglich für das Konzert in Glückstadt Werke verschiedener italienischer Komponisten ins Programm geschrieben.

Sehr kraftvoll und lebhaft führte Jürgen Groß sein Orchester durch den Abend. In kleiner Besetzung mit vier Streichern und einem Cembalo erzeugten die Musiker in der Stadtkirche eine enthusiastische Stimmung, die das Publikum immer wieder zu Beifallsstürmen hinriss. Nach einem lebhaften, lauten Anfangsstück, der Sinfonia a 4 in G-Dur von Baldassare Galuppi, folgten leisere Töne in einem Cembalosolo. Es erklang das Esempio in G-Moll aus „Regole per bene accompagnare“ von Giovanni Paisiello. Der Klang des feinen Instruments erfüllte die Kirche mit sanfter Melodie. Meisterhaft zeigte sich Jörg Jacobi am Cembalo, der seinem Instrument zauberhafte Töne entlockte.

Dafür zog sich das Cembalo beim nächsten Stück gänzlich zurück. Die Fuga a quattro Es-Dur aus „Regole armoniche“ von Vincenzo Manfredini begann sanft, gipfelte in einem kurzen aber kraftvollen Crescendo, um schließlich wieder weich auszuklingen. Vor der Pause gab es dann noch ein Werk von Galuppi, das Concerto a quattro Nr. 4 in C-Moll, das im ersten Teil melancholisch begann, dann jedoch lebensfroh und in raschem Tempo das Publikum auf den Höhepunkt hinführte.

Hochachtung gebührt James Bush am Cello, der sein Instrument ohne Dorn, also ohne Bodenkontakt spielte. Er hielt das Cello die ganze Zeit in engem Körperkontakt – fest zwischen den Schenkeln eingespannt. In einer Passage eines ein russischen Volksliedes von Iwan Chandoschkin lieferte er sich ein interessantes Intermezzo mit den Geigen, bei dem er sein Instrument nur zupfte. Es folgten noch zwei Stücke von Araja und ein weiteres von Galuppi, der den Konzertabend dominiert. Und während draußen die Nacht hereinbrach, erklatschten sich die Zuhörer in der Kirche zwei Zugaben. Ein erstklassiges Konzert von einem hervorragenden Ensemble – sicher einer der Höhepunkte des Musikjahres in Glückstadt.



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erstellt am 23.Aug.2015 | 16:08 Uhr

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