Kunst und Kultur : Musikalischer Salonabend am historischen Flügel

 Sjia Ma (l.) und Siying Qin spielten auf dem Hammerflügel.
Sjia Ma (l.) und Siying Qin spielten auf dem Hammerflügel.

Ein Klavierabend in der Villa Westphal bildete quasi den AUftakt: Ab Dienstag entscheidet die Kellinghusens Politik über eine Lehr- und Forschungsstätte für Musik, Kunst und Kultur.

shz.de von
03. September 2018, 16:30 Uhr

Zarte Klavierklänge aus der Villa Westphal versetzen einen Augenblick in die Zeiten vor 150 Jahren als der Erbauer, Lederfabrikant Heinrich Westphal, dort Gesellschaften gab. Mit einem musikalischen Salonabend belebten die aktuellen Hausherren Erik Feller und Andreas Schumacher die in Vergessenheit geratene Tradition. Erste Töne am historischen Rousselot-Flügel schlugen die Pianistinnen Siying Qin und Sjia Ma an. Erklingen sollten im Rahmen des Hauskonzerts ausgewählte Werke von Bach und Chopin. Das berüchtigte Lampenfieber vor dem Spiel hatte bei den Diplom- und Master-Studentinnen der Hochschule für Musik und Theater Hamburg keine Chance. Alle Aufmerksamkeit galt dem historischen Instrument mit seinem besonderen Klang. Selten gebe es Gelegenheit, auf solchen Unikaten zu musizieren, erklärt Siying Qin. „Es ist faszinierend zu hören, wie die Stücke auf Instrumenten klingen, für die sie ursprünglich geschrieben wurden.“

Gelegenheit dazu bot sich den vielfach ausgezeichneten Musikerinnen und ihrem Professor Hubert Rutkowski in der Störstadt bereits vor einigen Monaten im Rathaus beim Museumsfest „Ton in Ton“. Im Rahmen eines Wandelkonzerts kamen dort unterschiedliche historische Tasteninstrumente aus der Sammlung Eric Fellers zu Gehör. In den Räumen des denkmalgeschützten ehemaligen Verwaltungssitzes standen Clavichord, Tafelklavier, Spinett und Hammerflügel zum Musizieren bereit.

Hintergrund der Veranstaltung war die Idee eines gemeinsamen Museums für Kellinghusener Fayencen und historische Tasteninstrumente. Die Sammlung Fellers umfasst mehr als 300 Tasteninstrumente von frühester Bauzeit um 1500 bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Einzigartigkeit bescheinigte ihr der von Stadtseite zu Rate gezogene Fachmann Olaf Kirsch, Leiter der Sammlung Musikinstrumente im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Großes Interesse an der Museumsvision mit dem Titel „Kellinghusener Musikkultur“ zeigte sogleich die Hochschule für Musik und Theater. Beim Ortstermin mit Bürgermeister Axel Pietsch lobte Professor Frank Böhme die Möglichkeit vor den Toren der Hansestadt in höchsten Tönen. Werde die Idee umgesetzt, stünde einer Zusammenarbeit mit der Hochschule nichts entgegen. Die Veranstaltung des Wandelkonzerts im Rathaus sollte vor allem auch den Bürgern der Stadt einen Eindruck von der möglicherweise neuen kulturellen Einrichtung vermitteln. Eine von Stadtmanager Sven Erik Gondlach erarbeite „Ton in Ton“-Umfrage bescheinigte: Die Besucher bewerten das Projekt positiv und sehen es sogar als einmalige Chance für die Stadt.

Ob in das Rathaus eine „vitale Lehr- und Forschungsstätte für Musik, Kunst und Kultur mit musealem Charakter“ einziehen wird, müssen die Stadtpolitiker in der Ratsversammlung entscheiden. Auf der Tagesordnung steht das Thema „Kellinghusener Musikkultur“ zunächst im Ausschuss für Kultur- und Wirtschaft heute um 19 Uhr, im Amtsgebäude.

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