Musikalische Geschenke für die Theater-Direktorin

Hier blättert die Chefin: Dr. Mechtild Hobl-Friedrich unterstützt Christian Wilm Müller. Foto: müller-tischer
Hier blättert die Chefin: Dr. Mechtild Hobl-Friedrich unterstützt Christian Wilm Müller. Foto: müller-tischer

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17. März 2011, 06:57 Uhr

Itzehoe | Beifallumrauscht endete das Konzert des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters unter Leitung von Mihkel Kütson vor dünn besetztem Haus. Zum bevor stehenden Abschied der Theater-Direktorin Dr. Mechtild Hobl-Friedrich hatten die Flensburger deren Wunsch nach selten gespielten Werken auf ganz besondere Weise erfüllt. In Ernst von Dohnányis Konzert für Klavier und Orchester (Nr. 2 h-Moll aus dem Jahr 1946/47) spielte Christian Wilm Müller den Solo-Part, seit 20 Jahren künstlerischer Freund der hiesigen Theater-Chefin und schon häufiger Gast in Itzehoes Theater.

Mit diesem sehr selten gespielten Konzert des Brahms- und Liszt-Epigonen von Dohnanyi bekräftigte auch das um seine Existenz bangende Orchester des Landestheaters seine Freundschaft zu Itzehoe. Dass Mihkel Kütson sein Orchester bei allen vier Programmstücken des Abends als einen hervorragenden Klangkörper vorstellte, dessen Verschwinden von der kulturellen Bildfläche des Landes einem Desaster gleichkäme, unterstrich die besondere Qualität dieses Konzertabends. Dieses Orchester ist und bleibt unverzichtbar.

Zu welch feinsinnigen Abstimmungen Kütson sein Orchester führte, wurde besonders an zwei Stellen dieses Abends deutlich. Im Finalsatz des Dohnányi-Konzerts schlug die Balance zwischen Solo-Instrument und Orchester kurz zugunsten des Orchesters aus, als in rhythmisch raffinierten Figuren jazzige Anklänge an Bernsteins "West Side Story" hörbar wurden. Die andere herausragende Stelle reflektierter künstlerischer Durchdringung hörte das Publikum in Felix Mendelssohn Bartholdys so genannter Reformationssinfonie

(d-Moll op. 107), als sich allmählich der Luther-Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" aus einer ganz sanft gespielten Solo-Flöte herausschälte. Aus dem zaghaften Bekenntnis eines Einzelnen entwickelte sich mit fulminanter Kraft eine Kirchen-Revolution (so der ursprüngliche Titel der Sinfonie des Protestanten Mendelssohn Bartholdy).

Auch der Auftritt der Sopranistin Sophie Witte und des Geigers Marcus Honegger in der Konzertarie "Infelice" (ebenfalls von Mendelssohn Bartholdy) genügte hohen Ansprüchen ebenso wie Carl Maria von Webers Rübezahl-Komposition "Der Beherrscher der Geister" (op. 27). Die scheidende Theaterdirektorin Itzehoes durfte sich reich und nachhaltig beschenkt fühlen.

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