Geschichte : Musik zum Holocaust-Gedenken

Laden zum Konzert mit Rezitation ein: (v.li.) Hartwig Barte-Hanssen, Geraldine Zeller, Gustav Hintz und Karl-Wilhelm Steenbuck.
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Laden zum Konzert mit Rezitation ein: (v.li.) Hartwig Barte-Hanssen, Geraldine Zeller, Gustav Hintz und Karl-Wilhelm Steenbuck.

Tiefgreifendes Konzert mit Rezitation am 25. Januar in der St. Bartholomäus-Kirche

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19. Januar 2015, 16:58 Uhr

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes. Seit 1996 ist auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog der 27. Januar zum gesetzlich verankerten Gedenktag der Bundesrepublik geworden, die Vereinten Nationen machten ihn 2005 zum internationalen Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus. Herzogs Intension „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen“ ist aktuell wieder von besonderer Bedeutung. Das Nachdenken über die Schrecken nationalsozialistischer Gewaltherrschaft wird bundesweit in Veranstaltungen gefordert – und dazu anregen will auch ein Konzert am Sonntag, 25. Januar, um 17 Uhr in der Kirchengemeinde Wilster. Unter dem Titel „Musik zum Holocaust-Gedenken“ erklingen Werke von Carlotta Ferrari, Felicitas Kukuck und eine Eigenkomposition von Kantor Hartwig Barte-Hanssen. Ausführende sind Geraldine Zeller (Sopran), Gustav Hintz (Querflöte), Hartwig Barte-Hanssen (Orgel) und Karl-Wilhelm Steenbuck (Rezitation).

„Nach den fröhlichen Konzerten in der Advents- und Weihnachtszeit folgt damit nun ein Konzert, das nachdenklicher ist“, so Hartwig Barte-Hanssen. „Es ist ein Konzert in Gedenken an die Opfer und gegen das Vergessen.“ Die Opfer, das seien Juden, Christen, Sinti und Roma genauso wie Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende gewesen. Es ist nicht das erste Konzert dieser Art, das die Akteure aufführen, in der Vergangenheit erlebten Konzertbesucher im Hamburger Michel und in Kaltenkirchen die musikalische Veranstaltung, die das Thema auf besondere Weise aufgreift.

Nach einem gemeinsamen Konzert mit Geraldine Zeller im November vergangenen Jahres in der St. Bartholomäus-Kirche entstand die Idee, gemeinsam die Musik zum Holocaust-Gedenken auch in Wilster zu Gehör zu bringen. Die Einleitung übernimmt Karl-Wilhelm Steenbuck. Das erste Werk von Komponistin Carlotta Ferrari, die heute in Amerika lebt, ist ein reines Orgelwerk über Edith Stein – „Poema Sinfonico“. Die deutsche Philosophin und Frauenrechtlerin Edith Stein war Jüdin, konvertierte 1922 zum katholischen Glauben und lebte als Nonne. Sie starb 1942 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Papst Johannes Paul II. sprach Teresia Benedicta – Edith Steins Ordensname – 1998 heilig.

Im Anschluss erklingen „Lieder von Selma Meerbaum-Eisinger“, komponiert von Felicitas Kukuck, Halbjüdin, die durch einen Trick seinerzeit dem Holocaust entkam. 1996 entstanden „Sieben Lieder“ für Frauenstimme und Klavier auf Gedichte eines Mädchens an ihren Freund, das Tagebuch von Selma Meerbaum-Eisinger, die 1942 als Achtzehnjährige in einem Konzentrationslager starb – und deren Gedichtbuch über eine Freundin den Weg nach Israel fand.

Der dritte Part des Konzerts wird mit dem Werk „Die Kinder von Auschwitz“ von Hartwig Barte-Hanssen gestaltet. Dazu inspiriert worden sei er durch seine vielen Konzertreisen in die polnische Hauptstadt Warschau, erzählt Barte-Hanssen. Das einstige Ghetto, der Blick heute auf die Tafel mit den Namen der gefallenen Kinder habe ihn tief bewegt. Deren Todesnot findet in der Komposition für Sopran, Flöte und Orgel – mit eigenen Texten des Komponisten – ihren Ausdruck, emotional tiefgreifend. „Es ist kein oberflächliches Stück.“ Bewegend auch für den Wilsteraner Gustav Hintz, Jahrgang 1935, für den die Geschichte Warschaus während des Zweiten Weltkrieges auch ein Teil seines Lebens war.

„Das Konzert stellt hohe Ansprüche an die Musiker und auch an die, die es hören“, sagt Hartwig Barte-Hanssen. Das bestätigt Sopranistin Geraldine Zeller. Für sie als Mutter sei es nicht einfach, den Schrei der Kinder in Todesnot nach Mama gesanglich zu interpretieren. Eine Herausforderung, die ihre Professionalität beweist. „Ich möchte, dass die Leute tief empfinden“, ergänzt Hartwig Barte-Hanssen. Denn die Botschaft, die dahinter steht, ist nicht allein das Erinnern, sondern auch „die Hoffnung, die bleibt“. Das drückt auch das Motiv des Konzert-Plakats aus: die rote Rose hinter dem Stacheldraht. Adaption zum Werk Carlotta Ferraris, das mit dem Lied „Es ist ein Ros’ entsprungen“ endet.  
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Der Eintritt zu der „Musik zum Holocaust“ ist frei, eine Kollekte wird erbeten.

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