Glückstadt : Musik mit Leidenschaft zelebriert

Hochbegabte Musiker waren mit dem Artemis Quartett im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals in Glückstadt zu Gast (v.li.): Vineta Sareika, Anthea Kreston, Eckart Runge und Gregor Sigl.
Hochbegabte Musiker waren mit dem Artemis Quartett im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals in Glückstadt zu Gast (v.li.): Vineta Sareika, Anthea Kreston, Eckart Runge und Gregor Sigl.

Stehender Applaus für die Musik des Artemis Quartett in der Stadtkirche.

shz.de von
13. August 2018, 05:00 Uhr

Das Artemis Quartett verzauberte im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals (SHMF) in der Stadtkirche die Besucher. Gegründet 1989 an der Musikhochschule Lübeck, gehört das Streichquartett mittlerweile zu den renommiertesten seiner Art weltweit. „Wir erwarten also sozusagen norddeutsche Verwandte“, scherzte Pastor Thomas Christian Schröder, der die Besucher in der voll besetzten Stadtkirche zuvor begrüßte.

Zahlreiche Preise erspielte sich das Artemis Quartett in mehr als 20 Jahren musikalischer Karriere. Vineta Sareika und Anthea Kreston an den Violinen, Gregor Sigl an der Viola und Eckart Runge am Violoncello begeisterten auch ihr Publikum in Glückstadt. Sehr lebhaft und mit viel Leidenschaft zelebrierten die vier Streicher das Konzert. Harmonisch aufeinander abgestimmt, warfen sie einander die Melodien zu, lächelnd, voller Freude an der Musik der drei Komponisten Ludwig van Beethoven, Béla Bartók und Robert Schumann, die sie für das Konzert ausgewählt hatten.

Die oft schnell wechselnden Stimmungen in Beethovens Streichquartett in D-Dur op. 18 Nr. 3, von fröhlich beschwingt über spannungsgeladen dramatisch bis hin zu melancholisch, arbeiteten sie spielerisch schon im ersten Satz heraus. Immer wieder bauten sie auch in den folgenden Sätzen den Spannungsbogen bis ins Hochdramatische auf, um anschließend wieder in fröhlichere Melodien einzustimmen. Dieses Wechselspiel der Gefühle scheint Beethoven besonders viel Freude bereitet zu haben.

Ganz anders war das Streichquartett bei Béla Bartók. Die Musik erschien in einigen Passagen fast dissonant, wurde jedoch von einer feinen, hintergründigen Harmonie zusammengehalten. Der vergleichsweise junge Komponist (1881 – 1945) forderte die Instrumente und ihre Spieler bis aufs Äußerste. Sein zweites Streichquartett, das in Glückstadt zu Gehör kam, komponierte er während des Ersten Weltkrieges. Zum Kriegsdienst untauglich und wegen der fehlenden Möglichkeit zum Reisen zur Untätigkeit verdammt, komponierte er, was ihn bewegte.


Musik wühlt die Zuhörer auf

Wenn diese Kompositionen dann von so erfahrenen und begabten Musikern wie dem Artemis Quartett interpretiert wird, dann erwächst daraus Musik, die aufwühlt und gleichzeitig zu Herzen geht. Das Publikum war begeistert. Nur vier Streicher standen auf der Bühne, doch passagenweise glaubten die Zuhörer fast, ein ganzes Orchester spielen zu hören. Nur langsam löste sich nach Bartóks Stück die Anspannung aus den hochkonzentrierten Musikern. Tosender Applaus füllte die Kirche.

Zum Abschluss gab es noch das beliebte Streichquartett A-Dur op. 41 Nr. 3 von Robert Schumann. In nahezu jeder Passage spürte der Zuhörer die Liebe Schumanns zu seiner Frau Clara, für die er dieses Quartett als Geburtstagsgeschenk in nur drei Wochen schuf. Hier gingen die Musiker vollends in der Musik auf. Hingebungsvoll ließen sie ihre Instrumente erklingen, spielten voller Enthusiasmus und Liebe zur Musik. Vor allem Cellist Eckart Runge genoss scheinbar jede Minute des Zusammenspiels. Lächelnd ermunterte er immer wieder seine Mitspieler und diese gaben das Lächeln gern zurück. Vollkommene Harmonie im Zusammenspiel und unbändige Freude an der Musik machten Schumanns Werk zum Höhepunkt des Abends. Mit einem furiosen Finalsatz endete auch dieses Stück schließlich.

Ausdauernd und teils stehend applaudierte das begeisterte Publikum. Unter Bravo-Rufen gingen die Musiker von der Bühne, jedoch nicht, ohne noch eine Zugabe gegeben zu haben.

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