Gedenken : Musik, die Hoffnung schuf

Freuen sich über viele Teilnehmer: Alina Vogt (l.) und Monja Niesemann, die den Tag mit Musik und Texten mit gestalteten.
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Freuen sich über viele Teilnehmer: Alina Vogt (l.) und Monja Niesemann, die den Tag mit Musik und Texten mit gestalteten.

Internationaler Weltfriedenstag erinnert in Kellinghusen an „Schallerabende“ in nationalsozialistischen Lagern.

shz.de von
02. September 2018, 14:48 Uhr

Ehrendes Gedenken zu Vortrag und Musik: Konzentrierte Ruhe, teilweise auch bedrückte bis feierliche Atmosphäre herrschten am Wochenende im Bürgerhaussaal in Kellinghusen. Bereits zum elften Mal wurde dort der Internationale Weltfriedenstag begangen, dieses Mal mit etwa 35 Teilnehmern.

Organisiert von der Initiative „Friedensstele – Stolpersteine“ und dem Kriminalpräventiven Rat der Stadt (KPR), führte der Lehrer Walter Vietzen durch das Thema. Unter dem diesjährigen Motto „Musik aus dem Lager“ beleuchtete er die „Schallerabende“ mit heimlichen Gesängen in den nationalsozialistischen Arbeits- und Vernichtungslagern – Lieder, die den Insassen Mut machten.

Nach seiner Begrüßung mit dem Gedicht „Sch’ma“ (vom italienischen Schriftsteller Primo Levi) schlug er eine weit reichende, multimediale Brücke in die Vergangenheit. Vietzen erläuterte in einer Powerpointpräsentation die „Schallerabende“ der „Hamburger Kumpels“ aus dem KZ Sachsenhausen, illustriert mit Original-Fotos und Auszügen der Liederbücher sowie Zeichnungen und versehen mit Hintergrundinformationen.

Im Zentrum stand ein heimlich geführtes Liederbuch, gemalt von Studenten, die bei einer Scharlach-Epidemie in Quarantäne gekommen waren. Das illustrierte Faksimile eines der Liederhefte hat Vietzen von dem KZ-Überlebenden Fritz Bringmann (verstorben 2011) aus Kellinghusen erhalten, der die Schallerabende als Zeitzeuge mit 17 Jahren erlebte und den Gesang nachträglich mit ehemaligen Kameraden aufnahm.

Dabei hatte auch der Lagerälteste Harry Naujoks über die Entstehungsgeschichte der Lieder berichtet. So erhielten die Zuhörer einen lebendigen Eindruck von dem widerständischen Geist, der den Liedern inne wohnt. „In einer Zeit mit großen Opfern wurde durch die Schallerlieder das Band der Lagergemeinschaft fester geknüpft, es gab keine Unterschiede von Rasse, Weltanschauung und Nationalität“, erläuterte Naujoks in der Aufzeichnung.

Es wurden weitere Lieder vorgetragen, und Alina Vogt, 16-jährige Schülerin einer 11. Klasse an der Gemeinschaftsschule in Kellinghusen, sang zwischendurch ebenfalls einige der Lieder live. Zu einem die ehemaligen Lagerinsassen ehrenden Abschluss kam es dann, als die Gäste gemeinsam das Lied „Moorsoldaten“ anstimmten, sich dafür von ihren Plätzen erhoben.

Mitorganisatorin Monja Niesemann war froh: „Ich bin überrascht, wie viele Plätze besetzt sind“, sagte sie, und lobte: „Walter Vietzen kann mitreißend reden. Da er einige der Personen persönlich gekannt hat, entsteht eine große Nähe zu ihnen.“

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