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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 06:50 Uhr

FReizeit : Multitalente für Schwimmbad gesucht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fachangestellte für Bäderbetriebe fehlen in ganz Deutschland. Stadtwerke Itzehoe benötigen Auszubildenden.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 17:14 Uhr

Retten, Schwimmunterricht, aber auch Technik und Hygiene – Fachangestellte für Bäderbetriebe (umgangsprachlich oft Bademeister genannt) sind mit ihren unterschiedlichen Aufgaben wahre Multitalente im Schwimmbad. Trotz der vielfältigen Aufgaben herrscht in Deutschland und auch in Schleswig-Holstein aber ein deutlicher Mangel an Fachangestellten für Bäderbetriebe.

„Wir suchen in Schleswig-Holstein nach neuen Auszubildenden, in ganz Deutschland sind mehrere hundert Stellen für Schwimmmeister ausgeschrieben“, berichtet Uwe Janke, Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein und Hamburg vom Bundesverband Deutscher Schwimmmeister. In Baden-Württemberg sei der Fachkräftemangel „besonders schlimm“, einige kleinere Bäder mussten dort deshalb schon schließen. So kritisch sei die Lage in Schleswig-Holstein zwar noch nicht, „ein Mangel ist aber eindeutig vorhanden“, stellt Janke fest. Grund dafür sei, „dass wir in den letzten Jahren zu wenig ausgebildet haben.“ Svenja Wycisk, Leiterin der Personalabteilung der Stadtwerke Steinburg, die auch das Schwimmzentrum Itzehoe betreiben, kann dies bestätigen. „Im Vergleich zu den anderen Ausbildungen, die wir anbieten, ist bei den Fachangestellten für Bäderbetriebe weniger Interesse vorhanden“, weiß Wycisk. Das Schwimmzentrum Itzehoe ist der einzige Betrieb im Kreis Steinburg, der Fachangestellte für Bäderbetriebe ausbildet. Bisher habe man mit Ausnahme von einem Jahr immer beide Ausbildungsplätze belegen können. „In diesem Jahr hat eine Bewerberin kurzfristig wieder abgesagt, wir suchen also noch einen Auszubildenden“, sagt Wycisk.

Für Vasco Schröder ist das nicht ganz nachvollziehbar. Er hat seine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe vor zwei Jahren abgeschlossen und ist seitdem im Schwimmzentrum Itzehoe tätig. „Ich würde die Ausbildung auf jeden Fall wieder machen“, sagt der 21-Jährige Beidenflether. Nach einem Praktikum, das er noch während seiner Schulzeit im Schwimmzentrum absolviert hat, war Schröder klar, dass er die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe antreten möchte. „Der Beruf ist umfangreich, technisch, sportlich und man hat viel Kontakt zu Menschen – das gefällt mir“, erzählt Schröder. Im Januar hat er sogar ein Kind vor dem Ertrinken gerettet.

Schröder kennt aber auch die unangenehme Seite des Berufes. „In vielen Bädern gibt es im Sommer Urlaubssperren und man muss im Schichtdienst arbeiten, daran habe ich mich aber gewöhnt“, erklärt er.

In den letzten Jahren hat sich das Berufsfeld gewandelt, weiß Hans-Jürgen Weidlich, Leitender Badebetriebsleiter im Schwimmzentrum Itzehoe. „Früher war alles noch handwerklicher, ich habe damals noch sägen und schweißen gelernt, heute müssen die Auszubildenden im Stande sein, Kurse zu leiten und fünfjährigen Kindern genauso wie Erwachsenen, Schwimmen beizubringen.“ Das sei für viele Ausbildungssuchende ein Ausschlussgrund. Zusätzlich müssen noch alle Schwimmarten beherrscht werden, die Azubis lernen zu tauchen, erste Hilfe zu leisten und Menschen zu retten. Wer sich wirklich für den Beruf interessiere, sei meist nicht geeignet, bedauert Weidlich. Insbesondere beim Fachangestellten für Bäderbetriebe gäbe es außerdem noch das Vorurteil, dass „viele sagen, so wie die arbeiten, möchten sie ihren Urlaub verbringen, aber das ist eine Mär“, erzählt Weidlich. Fachangestellte für Bäderbetriebe und Meister für Bäderbetriebe tragen eine „sehr hohe Verantwortung“, findet der Badebetriebsleiter.

Der Beruf des Fachangestellten beziehungsweise nach der Meisterprüfung des Meisters für Bäderbetriebe, sei „einfach nicht attraktiv genug“, findet Weidlich und Uwe Janke stimmt zu. „Unsere Öffentlickeitsarbeit muss besser werden“, erklärt der Landesverbands-Vorsitzende. Denn „die Belastungen sind zwar hoch, aber es ist wirklich ein schöner Beruf“, findet Vasco Schröder.

Carolin Johannsen

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