Abfallentsorgung : Müllgebühr: Schuldzuweisung empört Entsorger

Tonnen von Restmüll, Biomüll und Papierabfall fallen jährlich im Kreis an.
Tonnen von Restmüll, Biomüll und Papierabfall fallen jährlich im Kreis an.

Von Seiten des Kreises wird auch die Insolvenz der Entsorgungsfirma Bischof als Grund für Steigende Gebühren angeführt. Das wollen die Firmenbetreiber nicht unkommentiert stehen lassen.

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03. Dezember 2017, 12:10 Uhr

Gernot Walter und seine Töchter Kathy und Nadine sind darüber empört, dass wiederholt seitens des Kreises die Insolvenz ihrer Entsorgungsfirma Georg Bischof als Grund für die Erhöhung der Müllgebühren angeführt werde.

„Nicht die Insolvenz der Firma Georg Bischof führt zum überhöhten Anstieg der Müllgebühren für die Bürger im Kreis Steinburg, sondern die unrechtmäßige Kündigung des Entsorgungsvertrages durch den Kreis Steinburg“, betont Nadine Walter gegenüber unserer Zeitung. „Diese Kündigung begründete erst die Insolvenz der Firma“, sagt sie, und ihr Vater erklärt: „Wir haben jetzt keinen Euro mehr, haben alles in die Firma gesteckt.“

Kathy Walter macht deutlich, dass es sich vor der Kündigung um eine Insolvenz in Eigenverwaltung gehandelt habe. Eine Möglichkeit, die nur Firmen eingeräumt werde, die durchaus die Chance hätten, sich selbstständig aus der prekären Finanzlage zu befreien. Stattdessen, so Familie Walter, habe der Kreis dafür gesorgt, dass die Kremperheider Firma „platt gemacht wurde“. Zwar habe Gernot Walter den Firmensitz nach Bochum verlegt, wo am Amtsgericht die Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt worden war, aber, so versichert er, mit der Abwicklung wäre der Sitz umgehend wieder nach Kremperheide zurückverlegt worden. Und das wäre etwa zu dieser Zeit der Fall gewesen. Doch die Vertragskündigung habe alles zunichte gemacht.


Unterstützung wäre möglich gewesen

Dabei hätte der Kreis die Lage des Unternehmens zuvor durchaus unterstützen können, meinen Vater und Töchter. Nadine Walter: „Anstatt die 4000 Bio-Gefäße, welche nicht zuvor in der Ausschreibung erwähnt waren, plus die während der Vertragslaufzeit zusätzlich aufgetellten Biogefäße angemessen zu vergüten, wurde der Vertrag trotz vollumfänglicher Erfüllung der Firma Bischof seitens des Kreises Steinburg zum 30. Juni 2017 gekündigt.“ Was an die Firma Bischof zusätzlich für die Arbeit der Müllwerker hätte gezahlt werden müssen, wäre ein Bruchteil dessen gewesen, womit die Bürger nun belastet werden. Hinzu kam, dass durch die erhöhte Tonnage die Firma Vertragsstrafen zahlen musste, weil die Fahrzeuge zu schwer an der Verwertungsanlage in Lübeck eintragen. „Uns wurde keine Möglichkeit eingeräumt, Bioabfall zwischenzulagern“, führt Kathy Walter aus. Der jetzige Entsorger aber dürfe das in Tornesch.

Nadine Walter untermauert das Gesagte mit Zahlen: „Der Firma Bischof hätte eine zusätzliche Vergütung von 450 000 Euro pro Jahr absolut gereicht.“ Dies hätte eine minimale Gebührenerhöhung im Bioabfallbereich für die Bürger bedeutet, unterstreicht Kathy Walter. Stattdessen seien zwei Unternehmen für Restmüll, Biomüll und Papierabfall beauftragt worden, die den Auftrag für mehr als doppelt so hohe Kosten als die Firma Bischof fahren würden. Diese hätte inklusive der Zusatzvergütung die Abfuhr für 1,6 Millionen Euro geleistet. Die vorherige Kalkulation habe anhand der zu der Zeit vorliegenden Abfuhrzahlen bei 1,2 Millionen Euro gelegen.

Die Bürger stünden nun „vor einer unverhältnismäßig hohen Gebühr“, und das sei , ebenso wie die Insolvenz dafür verantwortlich zu machen, ungerecht. „Dagegen sollten sich die Bürger wehren“, so Nadine Walter. Die Anglegenheit werde ein gerichtliches Nachspiel haben. Die Insolvenzverwalterin sei in der Klagevorbereitung, Familie Walter hat Anzeige „wegen Betrugs und Amtsanmaßung“ erstattet.

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