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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 18:21 Uhr

Denkmalschutz : Mühle erwacht aus Winterschlaf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jugendgruppe des Fördervereins packt beim ersten Einsatz kräftig mit an. Honigflether Bockmühle in Stördorf nimmt wieder den Betrieb auf.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2016 | 15:46 Uhr

Sie ist das Wahrzeichen der Wilstermarsch – und jetzt ist die Bockmühle aus dem Winterschlaf geholt worden, wobei Mitglieder der erst vor wenigen Jahren gegründeten Jugendgruppe des Fördervereins kräftig mit anpackten. Der tatkräftige Einsatz wurde schon auf der Zuwegung sichtbar. Während die Bürgermeister Claus Bracker und Helmut Sievers mit Schleppern Füllmaterial herbeischafften, schwangen Niklas Grünberg und Silas Kock die Schaufel.

An der Mühle selbst dirigierte Jugendgruppenleiter Peter Schütt „seine Jungs“. Die ließen sich von Mühlenwart Wolfgang Möller erst einmal in die Feinheiten der Mühlen-Mobilisierung einweisen. Das fing mit einem ordentlichen Abschmieren der beweglichen Teile an. Möller erklomm die Leiter mit einem Eimer voller Rindertalg und einer alten Abwaschbürste und quetschte sich durch die enge Luke. Auf Kommando wurden die Mühlenflügel Stück für Stück weiterbewegt, damit Möller an alle Zahnräder herankam. Nachdem die beweglichen Teile mit den zum Teil aus Holz gefertigten Zahnrädern gut eingeölt und gefettet waren, durfte der Mühlen-Nachwuchs auch an die Königsdisziplin. Wolfgang Möller zeigte noch einmal, worauf es ankam: „Das Segeltuch immer schön vor der Brust halten, damit man beide Hände zum Festhalten frei hat“, gab er wichtige Sicherheitstipps. Derweil verfolgte Peter Schütt die Aktivitäten mit besonderer Aufmerksamkeit. Er weiß wie gefährlich der Umgang mit der Bockmühle ist. Im Laufe der Jahrhunderte hatte es im damals allerdings fast täglichen Einsatz der Mühlenwarte immer wieder schwere, mitunter auch tödliche Unfälle gegeben. Ein unbedachter Schritt, eine unachtsame Bewegung, und die Flügel können zur größten Gefahr für Leib und Leben werden. „Jetzt lass mal einen von den Jungs rauf“, beschied Schütt den Mühlenwart, als dieser nach der ersten Besteigung wieder sicheren Boden unter den Füßen hatte. Timo Böge durfte ran, und er meisterte seine erste Kletterpartie mit Bravour. „Jetzt noch einen Mastwurf mit Slipsteg“, erläuterte Mühlenwart Möller noch, wie das ausgebreitete Segel fachmännisch festgebunden wird.

Bremse los. Auch mit nur zwei bespannten Flügeln drehte sich die Bockmühle auffallend schnell. Zum Schluss die befriedigende Feststellung: „Wasser läuft!“ Da hatten der Mühlenwart und die Jungs wohl alles richtig gemacht.

Zum ersten Mal in dieser Saison drehte sich die Mühle im Wind, um über ein ausgeklügeltes System einen Beitrag zur Entwässerung der Marsch zu leisten – was heute nur noch bei Vorführungen der Fall ist. Wenige Meter entfernt steht ein kleines Häuschen. Im Inneren eine kleine Elektropumpe, die wie überall in der Marsch die Mühlen längst ersetzt hat. Ohne die vor mehr als 50 Jahren von ihrem Standort in Dwerfeld nach Honigfleth gebrachte letzte Bockmühle ihrer Art wäre eine Besiedelung der Region gar nicht möglich gewesen. Holländische Einwanderer hatten hier einst ein System von Grüppen und Gräben angelegt. Für eine künstliche Entwässerung dienten Schöpfmühlen nach holländischem Vorbild. Weiterentwicklungen bescherten den Wilstermarsch-Bauern einen beachtlichen Wohlstand, weil sie endlich ihren besonders fruchtbaren Boden voll nutzen konnten. Noch vor 130 Jahren führte eine Bestandsliste der Windmühlengilde 284 Anlagen auf. 1940 waren es noch nur 40, elf Jahre später nur noch drei. Inzwischen sorgen mehr als 60 elektrische Schöpfwerke für weitgehend trockene Füße in der Wilstermarsch. Die historische Mühle dient noch Vorführzwecken – und der Erinnerung an frühere Zeiten. Bis zu 20 Mal im Jahr wird sie vom Mühlenwart in Gang gesetzt. Und wenn dann auch noch die ersten wissbegierigen Besucher kommen, ist Wolfgang Möller ganz in seinem Element.

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