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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 17:20 Uhr

Ausstellung : Motivsuche auf hoher See

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburger Maler Karl (1864-1943) Leipold malte Skizzen am liebsten an Bord. Ausstellung im Detlefsen-Museum zeigt Werke des Künstlers.

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erstellt am 04.Feb.2014 | 17:08 Uhr

Er war einer der interessanten Maler im Kreis Steinburg: Karl Leipold (1864-1943). In diesem Jahr wäre er 150 Jahre alt geworden. Deshalb gibt es ihm zu Ehren ab 6. Juli eine Ausstellung mit seinen Werken im Detlefsen-Museum. Gezeigt werden auch Fotografien des Leipoldschen Hauses in Störort, die die Atmosphäre und den Charme dieses Ortes widerspiegeln. Und zu sehen sind Unikate aus dem Nachlass: die chinesische Teekanne des Künstlers aus rotem Ton, sein Reiseteegeschirr, seine Mokkamühle, originale Möbelstücke und vieles mehr aus dem Bestand des Künstlerhaushaltes in Störort.

Ein Verehrer von Karl Leipold ist Hans-Peter Widderich. Der Glückstädter Kunstkenner hat sich 40 Jahre lang auf eine spannende Spurensuche des Landschaftsmalers begeben. Viele interessante Menschen in ganz Deutschland lernte er auf diesem Wege kennen, die sich der Kunst widmeten und widmen. Seinen ersten Vortrag über den Maler hielt er bereits 1975 vor der Detlefsen-Gesellschaft. Zeitgleich organisierte er im Brockdorff-Palais die erste Ausstellung. Die zweite folgte 1989 im Prinzesshof in Itzehoe, die Wolfgang und Edith Reschke mitinitiierten.

Jetzt freut sich Hans-Peter Widderich darauf, dass Leipold wieder in Glückstadt präsentiert wird. Denn er weiß, dass auch andere begeistert sind von diesem Maler, von dem gesagt wird: Seine Farbkompositionen sind Spiegel seiner Empfindungen.

Dass Karl Leipold ab 1899 in Störort leben und malen konnte, verdankte er einem Gönner aus Hamburg. Dieser finanzierte den Hauskauf, indem er viele Bilder des Künstlers kaufte. Leipold entdeckte das Haus 1898 auf der Warft im Wewelsfleth Vorland: „Bei Sturmflut fehlen ja meist nur 1 bis 2 Fuß, bis das Wasser ins Haus strömt – und dann ist das Haus eine Insel in der See von Hamburg bis zum Atlantik.“ Der Künstler, der einst seine Eltern vor die Wahl stellte: Ich werde Seemann oder Maler, fühlte sich hier zu Hause. Das Gebäude wurde später im Rahmen des Baues des Störsperrwerkes abgerissen.

Ursprünglich kam Karl Leipold aus Duisburg. Er studierte in Düsseldorf, München und Paris und ließ sich zunächst in der bayrischen Hauptstadt nieder. Es folgten Stationen in Ammersee, Emden, Cuxhaven und dann Störort in der Wilstermarsch. Störort nannte Leipold gegenüber seinem Glückstädter Künstlerkollegen und Freund Hermann Wehrmann (1897-1977) „die Heimat meiner künstlerischen Entwicklung“.

Drei Schaffensperioden zeichnen ihn aus: Den großartigen naturalistisch-realistischen Darstellungen mit Impressionen von Land und Wasser folgten Arbeiten voller Fantasie. Leipold hatte in den 1920er Jahren seinen Malstil bereits vollendet und behielt ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1942 bei.

Charakteristisches Merkmal war seine Farbpalette, die unendlich fein durchnuanciert war. Hans-Peter Widderich: „Sein erstes Bild, mit dem Leipold 1893 an die Öffentlichkeit trat, stellte ein Schiff in rauer See dar. Das über die Kaimauer spritzende Wasser und der Rock der Titel gebenden Figur im Vordergrund verdeutlichen starken Wind oder Sturm. Erschrocken hebt sie den rechten Arm an das Gesicht und blickt sorgenvoll zum Schiff. Sie fürchtet, Schiff und Besatzung, darunter vielleicht ihr Liebster, könnte Ungemach geschehen. Das Bild erzählt eine Geschichte.“ Zu Leipolds Lebzeiten hingt das Bild „Bange Ahnung“ im Haus in Störort, heute hängt es im Büro des Detlefsen-Museums. Der Maler führte sich mit diesem Bild als Marinemaler ein. Der Marinemalerei, eine Untergattung der Landschaftsmalerei mit Darstellungen zum Thema Meer, Küste und Hafen, blieb Leipold sein Leben lang verbunden.

Den Maler bezeichnet Widderich als einen „quirligen Sucher“. Ein Künstler, der weite Schiffsreisen als Seemann unternahm, um Skizzen an Bord zu fertigen. Doch das ländliche Störort war sein Lebensmittelpunkt. „Er hatte einen starken Drang zur Einsamkeit“, sagt Widderich. „Dort hatte er sein Gehöft mit eigenem Hafen und eigner Jolle.“ Seine Frau Pauline musste als „Schiffsjunge“ immer mitsegeln. Notfalls musste sie sogar dafür die halbfertig gekochte Suppe auf dem Herd stehen lassen. Ab 1900 hatten der Künstler und seine Frau zudem eine Wohnung in Hamburg. Später dann auch noch Domizile in Berlin und Würzburg. Weitere Schaffensperioden stammen unter anderem von Reisen nach Venedig. Durch seine vielen Recherchen und Gespräche mit anderen Leipold-Kennern weiß Widderich auch einiges über den Charakter des herausragenden Malers: „Er war egozentrisch.“ Er sei aber auf der anderen Seite auch ein gelöster, freundlicher, quirliger, aber auch manchmal ruppiger Mensch gewesen.

Dem Künstlerhaus ist indirekt ein Denkmal in einem Film gesetzt. 1935 hatte das Ehepaar Leipold Filmleute der UFA zu Gast im Haus. Gedreht wurde auf dem Leipoldschen Grundstück der Film „Einer zuviel an Bord“ mit Grethe Weiser. Darüber gab es Berichte in der Wilsterschen Zeitung. Widderichs persönliches Fazit: „Ein Leben ohne Leipold ist möglich, aber sinnlos.“

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