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Aus Glückstadt in die USA : Mormone auf Mission in Minnesota

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwei Jahre geht der 21-jährige Mormone Bryan Bast aus Glückstadt für seine Kirche auf Auslandsreise. Er freut sich schon sehr lange auf die Missionszeit - auch wenn Freizeit nicht auf dem Programm steht.

Er trägt weißes Hemd und hellblaue Krawatte, auf seinem Rucksack steht: „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ und in der Hand hält er das Buch Mormon. So ausgerüstet zog der 21-jährige Bryan Bast als Missionar durch Minnesota und Wisconsin in den Vereinigten Staaten. In seiner Kirche ist es üblich, dass junge Männer zwei Jahre auf Reisen gehen, um an fremden Orten das Evangelium zu verkünden. Das Vorbild seien die Apostel, die Jesus in alle Welt geschickt habe, erklärt Bast. „Wir sehen das fast als eine Pflicht.“

Schon Jahre, bevor es los ging, fieberte der junge Mann seiner Missionszeit entgegen. Verwandte und Freunde, die selbst in Schottland, in der Schweiz oder in Ecuador unterwegs waren, hatten ihm das Predigen in der Ferne bereits schmackhaft gemacht. Daneben reizte ihn die Verantwortung, die er für seine Kirche übernehmen durfte. Das nötige Kleingeld sparte er selbst an.

Mit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage – kurz Mormonen genannt – ist der gebürtige Elmshorner aufgewachsen. Als er sechs Jahre alt war, zog seine Familie nach Glückstadt und wurde Teil der dortigen Gemeinde, die 35 Mitglieder zählt. „Wir sind wie eine Familie“, sagt Bryan Bast, der lange eine Art Sekretär in der Gemeinde war und die Redner für die Versammlungen am Sonntag organisierte. Der Glaube bestimmt seinen Alltag: Jeden Tag betet er, liest in der Bibel und im Buch Mormon. Und so war sein größtes Erlebnis in den USA, nicht etwa eine touristische Attraktion oder eine rauschende Party, sondern die Taufe seiner Nachbarin, die nach vielen Gesprächen und viel Nachdenken zum Glauben gefunden hatte.

„Wir haben sehr viele Menschen belehrt“, beschreibt der Glückstädter, der auf seiner Mission stets mit einem Partner unterwegs war. Gemeinsam gingen sie von Haus zu Haus, führten Gespräche auf der Straße oder machten mit Interessenten feste Termine aus. Wichtigster Unterschied zu Deutschland: Die Mentalität. „Ein Nein hört man selten“, beschreibt Bast. Alle Leute seien sehr freundlich. Und: „In Deutschland ist die Frage, ob man überhaupt religiös ist, in Minnesota ist eher die Frage, welcher Kirche man angehört.“

Seine Arbeit war begleitet von einem strengen Tagesablauf, den der Mormone minutiös in seinem Kalender dokumentiert hat: Aufstehen um halb sieben, eine halbe Stunde Frühsport, am Vormittag Studium. Bis spät in den Abend standen meist Gesprächstermine auf dem Plan. Freizeit gab es nicht, lediglich einen wöchentlichen „Vorbereitungstag“, den Montag. Dann war Raum, um die Wäsche zu waschen oder Mails nach Hause zu schicken. Vergnügungstouren, Feiern oder Dates waren tabu. „Das lenkt ab“, sagt Bast, „daran sollen wir während der Mission keinen Gedanken verschwenden.“

Die Partnersuche sei nun neben der Ausbildung sein nächstes großes Ziel. Im Oktober will er ein BWL-Studium in Kiel beginnen. Er hofft auf viele neue Kontakte. Seine Hobbys Volleyball und Gitarrespielen könnten ihm behilflich sein. Nach wie vor trägt er meist Hemd, Krawatte und Stoffhose. Nach Ende der Mission müsste er das eigentlich nicht mehr. Aber er fühle sich immer noch am wohlsten darin.

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erstellt am 26.Sep.2013 | 17:00 Uhr

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