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Heider Brandstifter : Morgen wird das Urteil erwartet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brandserie richtetet in Heide Schäden in Millionenhöhe an. Zwei der Angeklagten waren Mitglied der Heider Feuerwehr. Jetzt stehen sie vor Gericht.

14 Brände legt Staatsanwältin Stephanie Poensgen den vier jungen Männern im Alter von 17 bis 19 Jahren zur Last. Der Schaden geht in die Millionen, auf sieben Millionen Euro bezifferte Heides Bürgermeister Ulf Stecher allein den Schaden der Stadt durch die Zerstörung der Turnhalle am Schulzentrum Heide Ost. Stecher verfolgte den gestrigen Auftakt am Meldorfer Amtsgericht. Dort müssen sich die vier Angeklagten, zwei von ihnen Mitglieder der Heider Feuerwehr, vor dem von Richter Dr. Knuth Güniker geleiteten Jugendschöffengericht verantworten. Die beiden jüngsten Angeklagten, beide 17 Jahre, sitzen seit Ende der vom 29.  Juli bis 8. Oktober 2014 währenden Brandserie in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Neumünster ein. Sie wurden in Handschellen in den Saal geführt, auch für Ihre Eltern ein belastendes Erlebnis.

Das öffentliche Interesse an dem Verfahren ist groß. Rund 30 Zuschauer verfolgten den Prozessauftakt. Die Staatsanwältin verlas die Anklage: Der Haupttäter (17) war an allen Brandlegungen beteiligt, die drei Mitangeklagten in wechselnder Beteiligung dabei, ebenso wie fünf weitere Personen, die sich möglicherweise ebenfalls noch strafrechtlich werden verantworten müssen.

Da keines der von den Tätern angesteckten Objekte dem Wohnen diente, ist lediglich einfache Brandstiftung, sowie im Falle der abgefackelten Papiercontainer nur Sachbeschädigung angeklagt. Zweiter großer Brand war ein landwirtschaftliches Gebäude mit riesigem Strohlager. Der Schaden erreichte auch dort eine Million Euro.

Angefangen hatte alles Ende Juli mit einem Papiercontainer am „Marktkauf“-Verbrauchermarkt. Doch die Jungen legten schnell nach, allein am 4.August entzündeten sie vier Feuer in einer Nacht. Teuerstes Feuer der Nacht war ein Autohaus am Süderdamm, Schaden 60  000 Euro. Tatorte waren neben der Kreisstadt auch Weddingstedt und Süderheistedt. In Weddingstedt brannte die Waldhütte des MTV Heide nieder, in Süderheistedt ein Stallgebäude.

Die Festnahme der Täter aber erfolgte erst nach dem Großbrand der Turnhalle, wo wieder zahlreiche Wehren aus dem Umland beim Löschen halfen. Ein ganz harter Schlag war für die Heider Wehr die Tatsache, dass zwei der Täter aus ihren Reihen stammen. Bürgermeister Stecher stellte sich gestern einmal mehr vor seine Wehr: ,,Die Feuerwehr ist nicht in Sippenhaft für die schwarzen Schafe zu nehmen.“ Eines dieser beiden schwarzen Schafe (19) verzog inzwischen nach Tornesch. ,,Drei der Angeklagten kannte ich vom Sehen her“, sagte Stecher und fügte hinzu: ,,Auf mich haben sie gewirkt wie unreife Kinder, die jetzt in der Realität angekommen sind.“ Indirekt empfahl Stecher den drei noch in Heide lebenden Angeklagten dem Beispiel des Ältesten zu folgen, denn: ,,Ein Neuanfang kann an einem anderen Ort sicher besser stattfinden.“ Vor allem, da viele Heider, besonders Schüler die Folgen der Brandserie noch täglich spüren, wenn Busse sie zu anderen Turnhallen bringen. Die MTV-Trampolinsparte konnte sogar komplett einpacken. Ihr Sportgerät fiel den Flammen zum Opfer und andere Hallen sind für Ihren Sport nicht hoch genug. Und auch die Verwaltung ist bis heute belastet durch die Brandserie. ,,Es gibt Leute bei mir, die machen seither nichts anderes“, so Stecher zu den Folgen der Brände. ,,Wir sind seitens der Stadt dabei, Druck zu machen auf die Versicherungen“, berichtete der Verwaltungschef weiter.

Tatopfer wie der betroffene Landwirt oder die Schulleitung wurden gestern als Zeugen nicht gehört. Die Täter sind offenbar voll geständig. Das signalisierte auch die Zeugenliste, die lediglich aus dem psychiatrischen Gutachter Dr. med Günter Hinrichs bestand. Der Kieler Kinder- und Jugendpsychiater warf in der Verhandlung hinter verschlossenen Türen seinen professionellen Blick auf die vier Brandstifter-Seelen. Die jungen Männer erwartet wohl eine Bewährungsstrafe, kombiniert mit einem engmaschigen Hilfsangebot, zum Beispiel durch Jugendamt, Gericht- und Bewährungshilfe. Zeigen wird sich das morgen, wo das Urteil bereits erwartet wird.

Mit einem üblen Gerücht räumte Bürgermeister Stecher gestern am Rande der Verhandlung auf. Einer der Brandstifter soll Arztsohn sein. ,,Dieser Arztsohn war nicht beteiligt“, stellte Stecher klar. Das sei ein böses Gerücht gewesen, verbreitet auf Facebook durch eine Klassenkameradin des Jungen.

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