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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 19:06 Uhr

eröffnung : Mords-Auftakt für KrimiNordica

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Itzehoer Krimi-Festival beginnt am Partnerstandort Wewelsfleth: Besucheransturm bei Abendwanderung und der offiziellen Eröffnung. Stadtmanagerin hofft auf weiterhin große Resonanz in dieser Woche.

Besser hätte es wohl kaum laufen können: „Es waren heute tolle Veranstaltungen, ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen würden“, sagte am Sonnabendabend Stadtmanagerin Lydia Keune-Sekula, Initiatorin der KrimiNordica, sichtlich erfreut. „Das ist ja erst der Anfang, das wünsche ich mir für die ganze Woche.“ Beim Auftakt in Wewelsfleth wurden die Akteure förmlich überrannt. Unerwartet viele Besucher – kleine und große – wollten dem „Mordgeflüster“ lauschen und in der Dunkelheit auf den Spuren des Marschenmörders Timm Thode durch Wewelsfleth wandern, bei herrlichen Witterungsverhältnissen.

Die mittelalterliche Theatertruppe „Teatro Spectaculo“ sorgte für einen spannenden, mit „Leichen“ gepflasterten Weg vom Sportboothafen zum Friedhof. Allerdings entwickelte es sich quasi zum Massen-Lauf, da jeder möglichst das gesprochene Wort mitbekommen wollte. Manchem blieb nur, die „Getöteten“ zu betrachten. Wer den Krimi „Marschenmörder“ von Werner Brorsen gelesen hatte, für den war es nicht schwer, die Handlungsstränge nachzuvollziehen, die die Magd Magda erzählte – nicht flüsternd natürlich, sondern eher zurufend, damit so viele wie möglich die Geschichte erfuhren.

Die Einleitung am Sportboothafen ließ gespannt warten auf das, was da kommen würde auf den Spuren des Mörders aus Beidenfleth/Groß Kampen vor 140 Jahren. Manches Mal kam schon ein „Gänsehaut-Gefühl“ auf, vor allem, wenn Timm Thode den Besuchern quasi über den Weg lief. „Was machst du, Timm?“, rief Magda ihm mehr als einmal zu, mit der Menge im Hintergrund beobachtend, wie Timm Thode sein erstes Opfer niederschlug: seinen Bruder Cornels. Weitere sollten folgen: Bis hin zum Friedhof wurde erzählt von den Morden an der gesamten Familie, Vater, Mutter, vier Brüder, Schwester und Küchenmagd Abel. Einige von ihnen lagen massakriert am Wegesrand. Untermalt von mittelalterlichen Weisen kam in der Dunkelheit schaurig-schöne Stimmung auf, zumindest für die, die alles vernehmen konnten.

Am Ende berichtete Magda von der Überführung Timm Thodes als Mörder, von seinem Gefängnisaufenhalt und seiner Hinrichtung vor etwa 140 Jahren. Viel Applaus gab es für die Darbietung, doch die Besucher mussten sich sputen. Denn die Kirche, in der die offizielle Eröffnung der KrimiNordica stattfand, war schon gut besetzt. Dicht gedrängt verfolgten die Zuschauer ein Programm voller Spannung und Humor.

Pastor Jens Siebmann begrüßte das Publikum. Warum die Veranstaltung in der Kirche stattfand, begründete er zum Einen schmunzelnd mit der „Nachbarschaft“ zum Haus der Lynn Harms, Protagonistin der Wewelsflether Krimi-Autorin Heike Denzau, direkt bei der Kirche am Friedhof. Und: „Wir befassen uns in der Kirche mit den Abgründen der Seele.“ Damit verwies der Pastor auf den ersten Mord: Kain erschlug Abel. Am Ende wünschte Siebmann den Besuchern, ihnen möge nichts von den gehörten Geschichten passieren und dass alle „das Böse, das jeder in sich hat, immer beherrschen“ könne.

Dazwischen lagen mörderische Krimis und sehr unterhaltsame Orgel- wie Gesangsstücke. Im Mittelpunkt standen drei Kurzgeschichten aus dem zur KrimiNordica erschienenen Buch „NordMord – die besten Kurzkrimis von der Waterkant“. Autorin Heike Denzau las ihren Beitrag „Adolf ist tot“, anschließend spielten Gabi Umlandt und Eggert Hoffmann „Störfall“ aus der Feder von Astrid Ann Jabusch, und Stefan Wolter präsentierte „Vigelinsche Zeiten für Mutter Clausen und la Famiglia“ (Autorin: Petra Jonas). Ein wahres Vergnügen, denn humoristisch wurde dabei den Zuschauern so einiges geboten.

Wahre Begeisterungsstürme riefen die dunklen Gestalten und Ladys vom Wewelsflether Gesangverein unter der Leitung von Hans-Otto Sönnichsen hervor: Mit „Kriminaltango“ und „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ sorgten sie für besondere Stimmung, die das Publikum unter Begleitung des Miss-Marple-Themas von Andreas Reinke an der Orgel mit hinaus in die Nacht nahm. Ebenso wie Lydia Keune-Sekula, die sich auch für alle weiteren Veranstaltung in Itzehoe und zum Abschluss den NordMordAward am kommenden Sonnabend ebenso möglichst viele begeisterte Besucher wünscht. Für den Sonnabend galt jedenfalls: „Ich bin absolut zufrieden.“

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erstellt am 28.Okt.2013 | 05:15 Uhr

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