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Speeldeel : Mordpläne – dicke Luft im Altenheim

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Itzehoer Speeldeel startet mit „Minsch arger Di nich“ in die Spielzeit. In dem Stück proben Altenheim-Bewohner den Aufstand.

Spielzeitauftakt bei der Itzehoer Speeldeel. Speelbaas Regina Mehlmann inszenierte zum Einstieg in die Saison ein Stück mit zeitgemäßer Handlung: „Minsch arger Di nich!“ spielt in einem Altersheim. Das Bühnenbild (Heiko Buschow) zeigt einen Blick durch die große Terrassentür in den gepflegten Park der „Seniorenresidenz Sonnenblick“. Doch drinnen geht es weit weniger idyllisch zu.

Es herrscht dicke Luft. Die Bewohner planen den Aufstand. „Ich habe keine Lust, mich auf meine alten Tage noch schurigeln zu lassen“, gibt August von Rottow die Parole aus. Der Grund heißt Max. Der flegelhafte Pfleger schikaniert und kommandiert, serviert mürrisch ungenießbaren Kaffee, klaut Anna Klingenbergs Pralinen und stört nicht nur beim geliebten „Minsch arger Di nich“ das friedliche Miteinander. Ein unerträglicher Plagegeist. Der muss weg, beschließt die Runde. Aber wie? Schnell soll es gehen und unauffällig. Großer Kriegsrat. Vorschläge werden gemacht und verworfen. Die Lösung findet sich bei Agatha Christie: Gift. Zyankali wird besorgt…

„Eine fast kriminelle Komödie“ nennt das Autoren-Duo den Fünfakter. Ein professionell passendes Gespann: Florian Battermann, der den hochdeutschen Text schrieb, ist vielseitiger „Theatermacher“, von Heino Buerhoop, Polizeibeamter a. D., stammt die plattdeutsche Fassung. Krimi und Komödie verbinden sich in Regina Mehlmanns Regie zu einem amüsanten Abend – wobei das Komödiantische, Hercule Poirot zum Trotz, denn doch überwiegt. Die Inszenierung lässt es – man befindet sich schließlich unter Senioren – behutsam angehen. Keine großen Aktionen, gleichwohl steigt die Spannung bis hin zum überraschenden Schluss.

Die sechs Partien sind optimal besetzt. Allen voran glänzt Johann Trede als militärisch geschulter Rottow, der Abwehr und Angriff generalstabsmäßig organisiert und seine Truppe zum Siege führt – alles in herrlich unverfälschter ostpreußischer Mundart. Auch Käthe Paul und Anna Klingenberg zählen noch keineswegs zum alten Eisen. Im Gegenteil: Natascha Sieberg-Kempfe und Brigitte Ohm führen vor, welch kreative Energie auch (scheinbar) ältere Damen zu entwickeln vermögen. Das eher bedenkliche Element verkörpert nicht minder eindrucksvoll Rolf Dunkers Beckmann. Den fiesen Max gibt Carsten Dunker mit allen Nuancen der anspruchsvollen Rolle. Die Frische der Jugend in die Welt der Senioren bringt Speeldeel-Neuling Christina Steigers muntere Tina.

Viel Beifall im gut besetzten theater itzehoe. „Wi freut uns bannig“, hatte Regina Mehlmann das Premierenpublikum begrüßt.

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erstellt am 30.Sep.2013 | 05:00 Uhr

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