prozess : Mord nach Party: Angeklagter schweigt

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21-Jähriger soll zwei Brüder im November 2013 mit Messer in den Hals gestochen haben. Ein Opfer starb vier Tage nach der Tat

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24. Juni 2014, 12:00 Uhr

Mord und Mordversuch wirft Staatsanwältin Sarah Führer dem 21-jährigen Alexej S. aus Lübeck vor. Seit gestern muss sich der in Untersuchungshaft sitzende gebürtige Russe am Landgericht Itzehoe vor der großen Strafkammer verantworten. Der Angeklagte schweigt bisher zum Tatvorwurf.

Am 24. November 2013 traf sich S. kurz vor 1 Uhr morgens mit den beiden Elmshorner Brüdern, 25 und 26 Jahre alt, auf einem Parkplatz in Kellinghusen. Die Brüder waren in Kellinghusen zu Gast auf einer Party, die sie für das Treffen extra verlassen hatten. Man trank ein gemeinsames Bier, als plötzlich der Angeklagte mit einem Messer zunächst den 26-Jährigen und danach den jüngeren Mann in den Hals stach. Der 26-Jährige starb vier Tage später im Krankenhaus. Das zweite Opfer konnte im letzten Moment seinen Hals leicht drehen, so dass der Stich Millimeter an lebenswichtigen Organen vorbei durch den Hals ging.

Der überlebende Bruder, mit dem Angeklagten entfernt verwandt, beschrieb vor Gericht lediglich den Tathergang, blieb aber zum Motiv jede Antwort schuldig. Das lieferte der Vater (51) der beiden Brüder, der auch in Elmshorn wohnt. Seit der Trennung von seiner Frau ist der 51-jährige Deutschrusse viel bei seiner Mutter in Kellinghusen. Auch in der Tatnacht war er dort und wenige Minuten nach der Messerstecherei am Tatort. Da lag sein älterer Sohn bereits bewusstlos in seinem Blut auf der Straße. Der Angeklagte hatte am Abend, knapp zwei Stunden vor der Tat, auch beim Vater angerufen, bat um Hilfe, wollte sich mit ihm treffen. Der 51-Jährige traute seinem Anliegen jedoch nicht und bügelte Alexej S. am Telefon ab. Monate vor der Tat soll der 51-Jährige ein Verhältnis mit der Mutter (43) des Angeklagten, die beide in Lübeck leben, gehabt haben. Deren Lebensgefährte (57) soll daraufhin den 51-Jährigen mehrfach mit dem Tod bedroht haben. Der 51-Jährige war sich vor Gericht sicher, dass das Motiv der Tat die Rache dafür war, dass er ein Verhältnis mit der Mutter des Angeklagten gehabt haben soll. Er bestritt jedoch ein sexuelles Verhältnis zu der Frau, gab aber zu, dass er sie in Lübeck besucht habe.

Die Frau dagegen gab gegenüber der Polizei an, ein Verhältnis zu dem 51-Jährigen gehabt zu haben. Vor Gericht berief sie sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, das ihr als Mutter des Angeklagten zusteht. Der Angeklagte hörte sich alles regungslos an, sagte kein Wort. Der Prozess wird am 30. Juni fortgesetzt.



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