Prozess am Landgericht Itzehoe : Mord in Dammfleth: Tochter erzählte weiterem Freund von der Tat

Am Landgericht in Itzehoe geht der Prozess am 30. September weiter.
Am Landgericht in Itzehoe geht der Prozess am 30. September weiter.

Die ältere Tochter des angeklagten Paares gilt als potenzielle Mittäterin. Nun sagte ein weiterer Freund von ihr aus.

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17. September 2019, 17:23 Uhr

Dammfleth/Itzehoe | Ende April 2017 wurde Miroslav P. auf dem Reiterhof in Dammfleth ermordet, eine Woche später meldete ihn seine Lebensgefährtin und Mutter seiner zwei Töchter als vermisst. Anfang März 2019 entdeckte nach entscheidenden Hinweisen des Ex-Freundes der älteren Tochter die Polizei die Leichenteile des Mordopfers auf dem Grundstück. Der Tat angeklagt sind die damalige Lebensgefährtin Jessica M. und deren Liebhaber Yasar S..

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Seit vergangener Woche steht auch die ältere Tochter Sophie M. unter Tatverdacht, sitzt in Untersuchungshaft – nachdem ihr Ex-Freund als Hauptbelastungszeuge im Prozess vor dem Landgericht Itzehoe ausgesagt hatte. Am Dienstag war ein weiterer Freund der 16-Jährigen im Zeugenstand. Nach Aussage des 19-Jährigen verstärkt sich der Verdacht, dass Sophie M. beteiligt war.

Ihm hatte sie sich schon kurz nach der Tat anvertraut – doch damals schenkte er ihren Erzählungen eigenen Angaben zur Folge keinen Glauben, erklärte er. Etwa eine Woche nach dem Leichenfund war er zur Polizei gegangen, um das, was sie ihm seinerzeit anvertraut hatte, auszusagen.

Ich habe nie groß mitbekommen, dass es mit dem Vater Stress gab. Zeuge im Mordprozess
 

Er habe Sophie M. Monate vor der Tat in der Schule kennen gelernt. Sie sei damals mit jemandem aus seiner Klasse zusammen gewesen. Er habe sie ein paar Mal auch nach der Schule auf dem Hof in Dammfleth besucht. Dem Vater, Mordopfer Miroslav P., sei er dabei nie begegnet. Nur der Mutter, der Angeklagten Jessica M. Das Familienleben dort habe er als ruhig und glücklich erlebt.

Tochter habe einen "skurrilen Eindruck" gemacht.

Sein Verhältnis zu ihr beschrieb er als normal freundschaftlich, manchmal hätten sie was miteinander unternommen. Nur einmal seien sie sich anfangs näher gekommen, aber da sei sie auch schon mit dem heutigen Hauptbelastungszeugen zusammen gewesen. Der sei für ihn ein Schulbekannter, kein engerer Freund. In der Schule hätten sie sich öfters auf dem Pausenhof getroffen; an besagtem Tag als sie ihm erstmals von der Tat berichten wollte, hätten sie abseits des Schulhofes miteinander gesprochen.

Sie habe einen skurrilen Eindruck gemacht, habe gesagt, sie könne nicht laut reden, weil sie übers Handy abgehört würde. Das sei Ende April/Anfang Mai gewesen. Flüsternd habe sie ihm erzählt, dass der Angeklagte Yasar S. vor der Tat Drogen genommen habe. Nicht ganz sicher war sich der Zeuge, ob die damals 14-Jährige und ihre Mutter den Vater gemeinsam in Sophie M.s Kinderzimmer gelockt hätten. „Aber ich glaube, Sophie war dabei.“

Alles habe vor ihren Augen stattgefunden. Erzählt habe sie, dass sich Yasar S. hinter dem Kleiderschrank versteckt und dann Miroslav erschossen habe. „Ich wollte da nicht so groß was mit zu tun haben“, sagte der 19-Jährige. Zumal er die Geschichte nicht glauben konnte. Ihrer Bitte, davon niemandem etwas zu erzählen, kam er aber nach. Über Motiv, beziehungsweise vorhergehende Pläne für die Tat wisse er nichts. Der Kontakt zu Sophie M. wurde aber immer weniger.

Als er dann im März dieses Jahres von dem Leichenfund in Dammfleth gehört und gelesen hatte, habe er sich an die Geschichte erinnert, und sich Vorwürfe gemacht, dass er sie seinerzeit nicht ernst genommen habe. „Es hätte alles früher vorbei sein können“, meinte er. Seine Aussage machte dazu er am Mitte März bei der Polizei.

Der Prozess wird am Montag, 30. September, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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