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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 13:52 Uhr

Mörderisches zwischen den Gängen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hamburger Schauspieltruppe tischt in Brokdorf vergnügliches Krimidinner auf

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Im Saal herrscht eine Mischung aus Ausgelassenheit und konzentrierter Spannung. Kein Wunder, denn im Hotel „Elbblick“ (Hotel Sell) in Brokdorf ging es um die spannende Frage, ob der Gärtner nun der Mörder – oder doch vielleicht das Opfer ist. Hier wurde den Gästen die Kriminalkomödie „Gärtner sterben stets im Herbst“, eine Kombination aus Krimi und Komödie, als „perfektes Theaterdinner“ inklusive Mehrgänge-Menü aufgetischt. Und das kam an. 70 Gäste wollten nicht nur ihren Hunger auf Kulinarisches, sondern auch ihren Durst nach spannenden Geschichten stillen.

Das Hamburger „Theater Krimödie“ präsentierte die Kriminalkomödie von Rainer-Volker Larm als Schwank in drei Akten, in den es sowohl das Publikum als auch das zwischendurch reichhaltig servierte Essen einbezog. Der auf diese Weise auf dreieinhalb Stunden ausgedehnte Abend mundete den Zuschauern und wurde recht kurzweilig.

Bereits zum vierten Mal spielte die Theatertruppe an dieser Stelle, bislang immer im Herbst und vor vollem Saal. Und auch jetzt bot es Spannendes, das oft zum Lachen anregte. Das lag wohl an der ausgewogenen Mischung von makaberer Handlung und slapstickartig eingestreutem Witz der Schauspieler.

Das ältere Ehepaar Elisabeth (gespielt von Eva Langer) und Timotheus (Werner Becker), das in einem englischen Herrenhaus lebt, stellt wie jedes Jahr einen Gärtner (Jonathan, Thomas Schirano) für diverse Arbeiten ein. Schon beim Bewerbungsgespräch kommt diesem – wie dem Publikum – das Ganze aber etwas spanisch vor, vielleicht auch wegen der mit schwarzem Trauerflor versehenen „Ahnengalerie“ seiner Vorgänger an der Wand. Denn im Herbst müssten die beiden ihn eigentlich wieder entlassen, weil es im Winter keine Arbeit mehr für ihn hat. In Ermangelung eines Sozialplans – brachten sie alle seine Vorgänger kurzerhand um.

Dreieinhalb Stunden lang machten sich die Schauspieler nun einen sichtlichen Spaß daraus, die Spannung genüsslich in die Länge zu ziehen und dies mit diversen Pointen zu garnieren. In drei Blöcke unterteilt, wurde in zwei halbstündigen Unterbrechungen genüsslich ein von der Hotelküche zubereitetes Mehrgänge-Menü verspeist. Der Vertriebsleiter der Schauspieltruppe, Thomas Gartmann, erläuterte: „Auf diese Weise können sich die Zuhörer untereinander kennen lernen und haben genug Zeit, über das Stück zu diskutieren.“

Die professionellen Schauspieler taten alles, um das Publikum in die Handlung einzubeziehen, schritten durch die Zuschauerreihen und verteilten das Geschehen auf den gesamten Saal. Der sei dazu laut der Schauspieler gut geeignet, da die Gänge nicht zu eng sind. „Hier kann man komprimierter über größere Distanzen spielen.“ Situationskomik ergab sich von selbst. „Wir reagieren, indem wir improvisieren.“

Das Publikum machte da gerne mit. „Sie sind gut dabei. Das macht Spaß und motiviert“, so Thomas Gartmann. Auf den Tischen lagen Bewertungskarten sowohl für Speisen und Getränke als auch für das Stück. Die Zuschauer sollten die Frage beantworten, wie dies bei ihnen ankam und konnten es auf einer Punkteskala einstufen. „Wir verlosen eine Flasche Sekt, können das hinterher auswerten und für weitere Aufführungen verwenden.“

Adriane Sell, Schwester von Inhaber Christian Sell, war vom Gezeigten angetan: „Es ist immer lustig und macht Spaß. Wir arbeiten gerne mit der Gruppe zusammen“, sagte sie. „Einige Besucher sind auch schon mehrmals dabei gewesen.“ So etwa Hans-Jürgen und Clara Cobau aus Brokdorf. „Wir gehen gerne etwas essen und auch des öfteren ins Theater“, erzählte Hans-Jürgen Cobau. „Wir hatten früher sogar ein Theater-Abo in Düsseldorf.“ Nachdem sie auf das Krimi-Dinner aufmerksam geworden sind, seien sie Stammgäste geworden, hätten keine einzige Vorstellung versäumt. „Wir sind auch für die nächste Aufführung im Februar schon wieder angemeldet“, so Clara Cobau. Denn: „Das ist Schauspiel zum Anfassen. Die Akteure gehen in ihrer Rolle auf, und sie machen es spannend.“ Das gefiel ihr. „Bis zum Schluss weiß man nicht, wer der Mörder ist. Man liegt oft völlig daneben“, ergänzte Hans-Jürgen Cobau. „Und das Essen ist auch immer vorzüglich.“

So könne man sich auch das nächste Stück in einem Vierteljahr schmecken lassen. Im Februar gibt es dann eine als Krimi gebotene Schlagerrevue.

>Nächster Termin „Krimi-Dinner“ im Hotel Sell: Freitag, 12. Februar, 19 Uhr: Schlagerrevue „Hossa – oder als Robert Lembke nicht kam“ (mit Schlagern der 70er Jahre, Zeitgeschehen mit Nachrichtensprechen und Familienleben am Sonnabend); Vorverkauf nur im Hotel, die Karten kosten 59 Euro.

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