Mörderisches Talent für spannende Krimis

Schrieb drei erfolgreiche Krimis: Die Itzehoer Autorin Helga Riedel.
Schrieb drei erfolgreiche Krimis: Die Itzehoer Autorin Helga Riedel.

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08. August 2012, 03:59 Uhr

Itzehoe | Ohne Mord geht es in keinem ihrer Bücher. Dabei ist Helga Riedel eine freundliche, aufgeschlossene Person. "Aber das gehört halt dazu, wenn ich spannend schreiben will", sagt sie. Die 69-Jährige , die seit 1990 in Itzehoe lebt, hat Mitte der 80-er Jahre Erfolge als Krimiautorin gefeiert.

Als die Deutschlehrerin Ende der 70-er Jahre im Krankenhaus auf Föhr lag, las sie in der Zeitung von amerikanischen und englischen Krimis und dachte: "Wenn es kaum deutsche Krimiautorinnen gibt, schreibst du halt selbst einen Krimi!" Gelernt hat sie das nie. "Man hat es oder man hat es nicht", sagt Helga Riedel. Schon vorher hat sie selbst geschriebene Kurzgeschichten oder Gedichte in der "Literarischen Werkstatt Gelsenkirchen" vorgetragen und in diversen Büchern veröffentlicht.

Helga Riedel gab Deutschunterricht für Gastarbeiter auf Föhr, was sie auf die Idee zu ihrem ersten Krimi brachte. Die Geschichte um einen ermordeten türkischen Teilnehmer eines Sprachkurses hat sie innerhalb von drei Wochen im Krankenhaus im Bett geschrieben - handschriftlich, während ihre Mutter es für tippte.

Mit einem Trick wurde sie ihn beim rororo-thriller-Herausgeber Richard K. Flesch los: "Ich bin zu Rohwolt gefahren unter dem Vorwand, den Verlag besichtigen zu wollen. Da habe ich den Roman dem Verleger da gelassen." Nach fünf Wochen kam ein Anruf: "Alles klar, wir nehmen ihn!"

Ihr Erstling "Einer muss tot" au dem Jahr 1983 hatte 155 Seiten in einer Auflage von 22 000 Stück, wurde gut verkauft und verlangte nach einem Nachfolger. "Sie haben gesagt, ich solle etwas länger schreiben." Heraus gekommen ist ihr zweiter Krimi 1984 mit dem Titel "Wiedergänger". Ein friesischer Ausdruck für Tote, die als Geister wieder zurückkommen. Der hat 247 Seiten, und sie schrieb ihn zu Hause, "zehn Seiten am Tag." Es schloss sich auch noch ein dritter Krimi an: "Ausgesetzt" (1986) spielt 1963 vor der Kuba-Krise.

Helga Riedel hatte eine große Karriere als Krimiautorin vor sich. Kritiker lobten ihre "literarische Reife" und den "eigenständigen Stil". Für die ersten beiden ihrer drei Romane erhielt sie 1985 den ersten Deutschen Krimipreis. 1997 wurde "Wiedergänger" unter dem Titel "Tote leben länger" mit Helmut Zierl in der Hauptrolle verfilmt. "Der war gut, die Umsetzung hat mir gut gefallen", sagt sie. Auch für ein Buch der englischen Kriminalschriftstellerin Ruth Rendell hat Helga Riedel ein Nachwort geschrieben. Im Gegenzug schrieb diese ihr eine Widmung: "Für Helga Riedel, die wirklich versteht, was ich meine."

Dann ereilte Helga Riedel ein schweres Schicksal: Nach einem Autounfall lag sie monatelang im Koma. Heute schreibe sie nur noch für den Hausgebrauch, erzählt sie, jeden Vormittag bis Mittag, im Moment die Geschichte "Lasst Blumen sprechen". Das ist natürlich ein Krimi, in dem wieder eigene Erfahrungen eine Rolle spielen - und ohne Mord geht es nicht.

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