Wirtschaft in der Region : Moderne Strichtechnik aus Fitzbek

Geschäftsführer Helmut Winter (re.) und Frank Lohse, in Fitzbek zuständig für den technischen Verkauf, auf einer modernen Markiermaschine „Made ein Fitzbek“.
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Geschäftsführer Helmut Winter (re.) und Frank Lohse, in Fitzbek zuständig für den technischen Verkauf, auf einer modernen Markiermaschine „Made ein Fitzbek“.

Die Firma Winter Grün stellt moderne Straßenmarkiermaschinen her – und spielt auf dem Weltmarkt ganz oben mit. Die Maschinen werden komplett am Standort in Fitzbek gefertigt.

shz.de von
20. Januar 2015, 17:04 Uhr

Sie huschen im Augenwinkel vorbei, weiße Schatten am Rande des Blickfelds. Nur flüchtig nimmt der Autofahrer sie wahr – aber jeder kennt sie. Und ohne sie würde auf den Straßen das Chaos herrschen. Fahrbahnmarkierungen sorgen weltweit für Ordnung. Egal ob Rechts- oder Linksverkehr: die Linien in Weiß oder Gelb sorgen dafür, dass jeder Verkehrsteilnehmer weiß, wo er hingehört. Und einen großen Anteil daran hat ein Unternehmen aus Fitzbek.

Winter Grün ist nach eigenen Angaben „Ihr kompetenter Partner für Straßenmarkiertechnik“ – und das fällt nicht schwer zu glauben. Durch den Zusammenschluss der in Fitzbek ansässigen Firma Winter mit dem Unternehmen Grün aus Siegen im Jahr 2005 ist einer der beiden Marktführer in Deutschland entstanden. Und auch weltweit ist der Markt eng – und Winter Grün spielt dabei ganz oben mit, wie Frank Lohse versichert. „Made in Germany hat nach wie vor einen guten Ruf, Qualität ist sehr gefragt. Und die richtige Strichtechnik kann eben nicht jeder“, erklärt Lohse, der am Standort Fitzbek für den technischen Verkauf zuständig ist.

In der kleinen Gemeinde mit weniger als 400 Einwohnern produzieren 20 Mitarbeiter die komplette Technik für die Straßenmarkierfahrzeuge – von den kleinen Handwagen über die mittelgroßen Maschinen mit Wechselmodulen bis hin zu den nach Kundenwunsch gefertigten Lkw und selbstfahrende Maschinen für größere Distanzen. Bei den großen Fahrzeugen wird auf vorhandene Lkw-Chassis zurückgegriffen. „Ansonsten wird hier jedes Stück Metall von uns selbst gefertigt“, sagt Lohse. Auch die elektronische Technik für die automatische Dokumentation wird fast ausschließlich selbst hergestellt.

Für maßgefertigtes Zuliefermaterial kooperiert Winter Grün mit Firmen aus der Region. So stammen zugeschnittene Bleche beispielsweise von PBE Electronic aus Elmshorn, aber auch mit Dummer Technik aus Hingstheide, HK Hydraulik-Kontor aus Elmshorn und Hansa-flex Hydraulik aus Dägeling werden Geschäftsbeziehungen gepflegt.

Durch die Fusion von Grün und Winter, so Lohse, hätten sich die Kompetenzen ausgezeichnet ergänzt. Während Grün seine Stärken in der Kaltplastik habe, würde Winter bei Thermoplastik und den Grundkonstruktionen sein ganzes Know-how einbringen können. Und dabei gehe es keineswegs einfach nur darum, einen Farbstrich auf die Straße zu malen. Es gibt unter anderem Thermo- und Kaltspritzplastik, Farbe, und Folie. Und über allem steht die, vor allem für Kunden, interessante Frage: Wie viel Meter Strich bekomme ich für mein Geld?

Der Preis kann je nach Qualität, Haltbarkeit und eingebrachtem Material von 12 Cent bis zu einigen Euro variieren. Wichtig ist dabei vor allem die Sichtbarkeit in der Dunkelheit und bei Nässe. „Auf einem glatten Strich wird das Licht der Fahrzeuge schlecht reflektiert“, erklärt Frank Lohse. Deshalb habe man angefangen eine Struktur aufzubringen. So ragt immer ein Teil der Markierung ein wenig aus dem Wasserfilm heraus und reflektiert das Licht. Heute werden meist Glasperlen in die Fahrbahnmarkierung eingearbeitet, die ebenfalls ein wenig herausragen. Aber, „das Material wird teurer und die Maschinen anspruchsvoller“, sagt Lohse. Inzwischen werden bereits Versuche mit Keramik unternommen die unter Wasser leuchtet. „Aber das ist sehr teuer“, so Lohse.

Das Geräusch, das durch die Struktur entsteht, wurde eine Zeit lang als positiv empfunden, es warnte den Autofahrer, wenn er zu weit an der Seite fuhr. „Heute ist die Geräuschentwicklung fast schon wieder störend, vor allem in der Nähe von Wohnbebauung“, berichtet der Markierungsexperte. Deshalb teste man verschiedene Abstände. So könne man die Frequenz verändern und dadurch akzeptabler machen.

Dass für jedes Material, was in Deutschland auf die Straße kommt, eine Zulassung notwendig ist, versteht sich fast von selbst. Etwa vier Millionen Überrollungen muss das Material über sich ergehen lassen, bevor es verwendet werden darf.

In anderen Ländern gelten andere Vorschriften, und für alle müssen die Maschinen vorbereitet sein – ob in Russland oder im arabischen Raum. Denn die Maschinen aus Fitzbek fahren weltweit. Und weltweit sind nicht nur die Markierungsmaschinen gefragt, sondern auch der Service. Das zeigt sich auch immer wieder bei der Hausmesse, die in Fitzbek regelmäßig veranstaltet wird. Mehr als 250 Besucher aus drei Kontinenten kamen zur jüngsten Veranstaltung wieder auf das Betriebsgelände der Firma Winter Grün. „Das sind Experten aus aller Welt“, berichtet Frank Lohse stolz, Menschen, die nicht einfach nur weiße Striche aus dem Augenwinkel wahrnehmen. Für die ist eine Straßenmarkierung mehr als eine Linie – und sie wissen die Qualität aus Fitzbek zu schätzen.

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