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Westküstenklinikum : Modellprojekt kurzfristig gestoppt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ringen um die Klinik-Finanzierung: Die AOK Nordwest verschiebt die Entscheidung über eine Beteiligung am Zukunftskonzept für das WKK Brunsbüttel.

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erstellt am 09.Apr.2014 | 12:00 Uhr

In letzter Minute gescheitert ist ein Modell zur Klinikfinanzierung zwischen dem Brunsbütteler Westküstenklinikum (WKK) und den Krankenkassen: Gestern verweigerte der Vorstandsvorsitzende der AOK Nordwest, Martin Litsch, seine Unterschrift unter einen entsprechenden Vertrag. Dabei schien alles in trockenen Tüchern, denn die Deutsche Angestelltenkrankenkasse (DAK) hatte bereits für den Verband der Ersatzkassen unterschrieben und die schleswig-holsteinischen Mitglieder der AOK hatten ihre Zustimmung signalisiert.

Vorangegangen waren monatelange Verhandlungen zwischen Krankenkassen, Klinikum sowie der Kassenärztlichen Vereinigung über ein bundesweit einmaliges Zukunftsmodell für das WKK. Hintergrund ist die schlechte finanzielle Situation des Krankenhauses in der Schleusenstadt. Das WKK hatte bereits für sich einen so genannten Sicherstellungszuschlag von den Kassen erstritten. Einen Ausweg bot der Umbau des Hauses zu einer Art Polyklinik mit niedergelassenen Fachärzten. Das sollte den von den Kassen ungeliebten Zuschlag überflüssig machen. Das vor dem Schleswiger Verwaltungsgericht anhängige Verfahren über den Sicherstellungszuschlag wurde bis 31. März ausgesetzt. Bis dahin musste Klinikchef Harald Stender ein Konzept vorweisen.

Das sah folgendermaßen aus: Das Projekt sollte einerseits die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung aufbrechen und zusätzlich fachärztliche Kompetenz in die Schleusenstadt bringen, andererseits aber auch kostengünstigere Strukturen ermöglichen. „Wir hatten die Chance, ein zukunftsweisendes Projekt umzusetzen, das wegweisend für viele ähnliche Regionen in Deutschland gewesen wäre. Wir wollten dabei das regionale Gesundheitswesen umgestalten und zukunftsfähig machen. Doch diese Chance ist jetzt zunächst vertan und ich wage keine Prognose, wie es da weitergeht“, erklärte Stender gestern.

Auch Dithmarschens Landrat Dr. Jörn Klimant, Aufsichtsratsvorsitzender der Westküstenkliniken in Brunsbüttel und Heide, reagierte ratlos: „Es ist mir vollkommen unverständlich, warum Herr Litsch in Schleswig-Holstein einen solchen Vertrag mit uns aushandeln lässt und dann die Zusage von Dortmund aus wieder zurücknimmt.“

Jens Kuschel, Pressesprecher der AOK Nordwest, bestreitet, dass nun das Tuch zerschnitten sei. „Wir sind alle auf einem guten Weg, das weiß auch Herr Stender.“ Kuschel geht davon aus, dass der Vertrag über das Zukunftsmodell im Juli geschlossen werden kann. Bis dahin allerdings müsse das WKK noch „Zahlen, Daten, Fakten liefern“. Das sei bei einem gemeinsamen Gespräch am 1. April mit Staatssekretärin Anette Langner aus dem Kieler Sozialministerium so vereinbart worden. „Wir können dem Westküstenklinikum keinen Blankoscheck ausstellen.“ Unverändert gelte: „Wir sind festen Willens, ein für alle tragbares Konzept zu erstellen.“

Martin Litsch betont ebenfalls: „Wenn alle Akteure das Ziel weiter gemeinsam verfolgen, dann werden wir eine neue Versorgungsform entwickeln können, die für die Menschen in der Region auch künftig eine moderne, wohnortnahe, qualitativ hochwertige und bezahlbare Versorgung bietet.“

Nicht nachvollziehbar sei es, warum Harald Stender nun ein Scheitern der Gespräche verkünde, heißt es in einer Erklärung der Krankenkassen. „Damit gefährdet die Klinikleitung nicht nur die Zukunft ihres eigenen Standorts Brunsbüttel und damit auch die Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch die medizinische Versorgung der Bevölkerung“, warnt Ralf Hermes, Vorstand der IKK Nord.

Für Klinikchef Stender geht es um das Überleben des Krankenhauses in der Schleusenstadt. Denn anders als den benachbarten Kliniken in Itzehoe und Heide fehle Brunsbüttel Hinterland. Gerade in der chirurgischen Versorgung könnten keine wirtschaftlich sinnvollen Fallzahlen entstehen.

Landrat Dr. Klimant: „Wir wollten durch ein Zukunftsmodell für die medizinische Versorgung ländlicher Räume für Planungssicherheit sorgen. Das war besonders für die gesamte Belegschaft des Westküstenklinikums wichtig. Jetzt droht stattdessen ein unter Umständen langjähriger Rechtsstreit. Und das haben unsere Mitarbeiter nicht verdient.“

Nun sind offenbar wieder die Juristen am Zug. Für 2011 hatte das WKK einen Millionenbetrag aus dem Topf der Kassen zugesprochen bekommen. Für 2012 und 2013 werden jetzt verstärkt Sprüche der Schiedsstellen von Seiten des WKK angestrebt. Das ruhend gestellte Verfahren für 2012 ist bereits wieder aufgenommen worden. Und für 2013 und 2014 wird das schleswig-holsteinische Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung, das den Sicherstellungszuschlag verfügt hatte, erneut um Anweisung des Zuschlags gebeten. In der Hauptsache steht zudem ein Gerichtsentscheid am Verwaltungsgericht Schleswig am 15. Mai an.

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