Brunsbüttels Koogstrasse : Mittlerer Abschnitt soll attraktiver werden

Konnte den Leerstand nicht mehr sehen: Jürgen Patzkes Lebensgefährtin verkauft seit dem ersten Advent Flohmarktartikel.
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Konnte den Leerstand nicht mehr sehen: Jürgen Patzkes Lebensgefährtin verkauft seit dem ersten Advent Flohmarktartikel.

Seit langem führen der mittlere und obere Abschnitt der Koogstraße ein Schattendasein. Den Einzelhandel zieht es in unteren Teil. Mit kreativen Ideen soll das anders werden.

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14. Dezember 2014, 08:21 Uhr

Verstaubte Fensterfronten und mit Packpapier verhangene Schaufenster, so sieht gefühlt jeder   zweite Laden in der oberen bis mittleren Koogstraße aus. Dekorierte Ladenauslage, die zum Weihnachtsbummel einladen, bilden eine Seltenheit. Umso mehr überrascht ein Zettel im Schaufenster der Koogstraße 38: „Neueröffnung am 16 Dezember, 12 Uhr, Games Wante“ ist darauf    zu lesen. Das Schaufenster ist abgeklebt, was dahinter ist, nicht zu erkennen.

Mario Paulsen (32) macht dort einen Computerspiel-Laden auf. Er zieht aus der Koogstraße 60 um und profitiert von günstigeren Mietpreisen in dem eher unbeliebten Gebiet. Von 43 Quadratmetern kann sich der Existenzgründer auf 103 Quadratmeter Ladenfläche vergrößern und so seine Ware besser unterbringen. Vor gut einem Jahr hat er sein Gewerbe in der Koogstraße aufgemacht. Nun braucht er mehr Platz für eine größere Auswahl. Spiele für Kinder, aber auch solche, die erst ab 18 Jahren frei gegeben sind, finden sich in seinem Sortiment.

„Ich habe eine Marktlücke gefunden. In Brunsbüttel gibt es keine Spielplätze“, erklärt er, warum es gerade Kinder und Jugendliche in seinen Laden zieht und warum er glaubt, dass sein Geschäft auch weiter oben in der Koogstraße laufen wird. Für die jüngeren Kinder möchte Paulsen in den neuen Räumen eine gesonderte Kinder-Ecke einrichten, mit Tisch und Stühlen und Spielangebot.

Mit der Entscheidung, von der mittleren in Richtung obere Koogstraße zu ziehen, bewegt sich der Betreiber von „Games Wante“ gegen den Trend: Jürgen Patzke (73) und seine Lebensgefährtin Ursula Piaszeck (78) versuchen seit gut einem Jahr mit Maklerin Christina Schäfer (Immobilien Werth) zwei leerstehende Ladenräume in der Koogstraße 56 neu zu vermieten. Seinen vorherigen Mieter hat Patzke gefragt: „Warum gehen sie eigentlich hier raus?“ Die Aussicht auf mehr Kaufkraft in der unteren Koogstraße habe den Ausschlag gegeben.

„Hier kann sich nur Gewerbe halten, wo Leute direkt hingehen, wie der Schuster oder der Akustiker“, pflichtet ihm die Maklerin bei, die auch besonders im Internet eine große Konkurrenz für die kleinen Läden sieht. Es fehle ein größerer Laden, ein Kundenmagnet, von dem auch die Geschäfte rund herum profitierten. Ihre Idee: Spielwarenfachgeschäft.

Im Schnitt melden sich zwei Interessenten im Vierteljahr bei Christina Schäfer, die sich für ein Objekt in der Koogstraße interessieren – meist Kleinunternehmer und Existenzgründer.

290 Euro für 45 Quadratmeter inklusive aller Kosten bis auf Heizung und Strom, 195 Euro für 36 Quadratmeter und 360 Euro für Geschäftsräume mit 56 Quadratmetern Ladenfläche hat sie derzeit im Angebot. „Es liegt gar nicht unbedingt an den Mietpreisen“, glaubt die Maklerin. „Ich war selbst am überlegen, ob ich das Ladenlokal in der Koogstraße 56 mieten soll. Mein Chef hat gesagt: ‚Nein, wenn dann in der unteren Koogstraße.‘“ Das was fehlt sei die Laufkundschaft. Parkplätze seien zwar vorhanden, doch ihre Lage ungünstig. Insofern gebe es eine eindeutige Tendenz: „Wenn unten etwas frei wird, gehen die Läden nach unten“, so die Maklerin. Ihr eigenes Büro richtet sie gerade in der Koogstraße 100 ein.

Jürgen Patzke arrangiert sich mit der Situation, greift nach jedem Strohhalm und investiert. Wer genau hinsieht, erkennt: Vor dem Laden seiner Lebensgefährtin ist der Gehweg anders gepflastert als bei den Nachbarn rechts und links. Vor gut fünf Jahren habe er freiwillig die Verschönerungsmaßnahme mitgetragen. Nun hofft er, dass die mittlere Koogstraße bei den Planungen zur Umgestaltung der oberen Koogstraße nicht aus dem Blick gerät. Seiner Lebensgefährtin mit Tochter hat der Ladenleerstand derweil zu einem neuen Hobby verholfen. Damit die leeren Schaufenster weniger abschreckend sind, haben sie mit Flohmarktartikeln dekoriert, die sie dort nun auch verkaufen.

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