Kommunalpolitik : Mittel gekürzt: Volkshochschule am Scheideweg

Die Austräger der Volkshochschule  mit Maren Sophie Winter und Hermann Luther.
Die Austräger der Volkshochschule mit Maren Sophie Winter und Hermann Luther.

VHS-Leitung sieht Zukunft des Bildungsangebots für Burg und St. Michel bedroht.

shz.de von
02. Januar 2015, 12:09 Uhr

Wird es 2016 noch eine Volkshochschule Burg/St. Michel geben  ? Die VHS steckt tief in der Krise, droht von den Kommunalpolitikern kaputt gespart zu werden. Wie jedes Jahr tragen in diesen Tagen 17 fleißige Helfer das Kursheft der VHS Burg/St. Michaelisdonn aus. Jedem Haushalt in den 14 Gemeinden des Amtes wird es zugestellt. Insgesamt werden 7800 Exemplare verteilt.

Wie lange es diesen Luxus noch geben wird, steht derzeit ebenso auf der Kippe, wie die VHS selbst. 4000 Euro kosten allein Druck und Verteilung des Kursheftes, Geld, das die VHS nicht mehr hat. Geld, das in diesem Jahr noch aus dem Restvermögen der VHS kommt.

,,Ich hafte nicht mit meinem Privatvermögen“, zieht Hermann Luther eine klare Grenze. Der 63-jährige Gymnasiallehrer leitet Burgs VHS seit 2001, seit 2009 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Maren Sophie Winter (43). Unter Luther und Winters Leitung bietet die VHS alljährlich über hundert Kurse an. Im Mittel nehmen 1200 Menschen aller Altersklassen das vielschichtige Angebot wahr.

Bis 2013 gab es neben den jährlich 4600 Euro Zuschuss vom Amt noch 3600 Euro aus den Gemeinden. Damit kam man so eben über die Runden. Dann strich Burg seinen kommunalen Zuschuss von 1500 Euro mit Jahresbeginn 2014 kurzerhand. Dann besannen sich Burgs Gemeindevertreter und gewährten immerhin 200 Euro. Im Laufe des Jahres wurden daraus nach langen Diskussionen aktuell 1100 Euro, die Burg der VHS an kommunalem Zuschuss gewährt.

Dem Burger Streichkonzert folgte das Donner auf dem Fuße. Dort kürzte man den Zuschuss von 2100 auf 1120 Euro. Momentan liegt der Donner Zuschuss sogar auf Eis, weil Winter und Luther aus beruflichen Gründen eine Sitzung des für die VHS auf dem Donn zuständigen Sport- und Kulturausschusses versäumten. Beide sind beruflich stark eingespannt, nutzen jedes Jahr etliche Urlaubstage für ihr ehrenamtliches Engagement in der VHS-Leitung und kämpfen seit Jahresbeginn um den Erhalt der VHS.

,,Jedesmal hab ich einen Seelenstriptease hingelegt“, erinnert sich Luther an so mache Sitzung, wo er um den Erhalt des Bildungsangebots kämpfte. ,,Selbst Kämmerer Marco Strufe fand außer den Druckkosten fürs Kursheft keine Stellschraube mehr, an der man drehen könnte zur Kostensenkung“, betont Luther.

Kursgebühren erhöhen geht nicht, dann wäre Burgs VHS nicht mehr konkurrenzfähig zu den Nachbarn in Brunsbüttel und Marne. Das Kursheft weglassen, träfe vor allem die älteren Nutzer der VHS. Obwohl sich inzwischen 70 Prozent der Nutzer online zu den Kursen anmelden, ,,haben viele das Kursheft gerne auf dem Küchentisch liegen, schauen schnell mal hinein, müssen dafür nicht extra den PC hochfahren“, weiß Winter.

,,Das Betteln ums Geld kostet uns soviel Nerven“, ärgert sich Luther. ,,Die sollen sagen: Wir wollen eine VHS ja oder nein. Die sollen froh sein, das hier zwei Idioten sitzen, die das machen, sonst kann ich mir auch wieder ein Pferd kaufen“, spricht Maren Sophie Winter Klartext.

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