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Arbeitsmarkt in Steinburg : Mit zweiter Ausbildung zum Traumjob

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sabrina Fedder ist mit 27 Jahren noch einmal beruflich neu durchgestartet und schult im Fachbetrieb von Carsten Kiesow zur Malerin um.

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erstellt am 14.Sep.2017 | 14:00 Uhr

Sie ist sich sicher, genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben: Sabrina Fedder (28) aus Wilster hatte direkt nach der Schule eine Lehre zur Verkäuferin gemacht, war lange arbeitslos – und startet nun mit einer neuen Ausbildung zur Malerin im Malerbetrieb Kiesow in Hohenlockstedt beruflich neu durch. Zwei Jahre dauert die Umschulung, seit August 2016 lernt sie das Handwerk, das ihr jetzt so viel Spaß macht, dass sie schon weiß: „Ich möchte mich auch weiterbilden.“ Sie könnte sich sogar vorstellen, noch die Meisterschule zu besuchen. Dass Sabrina Fedder ihre berufliche Zukunft anpackt, sieht die Agentur für Arbeit als ein gutes Beispiel für neue Perspektiven durch Qualifikation.

„Wir alle wissen, wie wichtig eine abgeschlossene Ausbildung für eine gesicherte Zukunft ist“, erklärte Ronald Geist, Leiter der Heider Arbeitsagentur, im Pressegespräch. Neue regionale Daten bestätigten dies „nochmal sehr deutlich“. Wer keine Ausbildung habe, habe es auf dem Arbeitsmarkt deutlich schwerer. Dazu muss man auch wissen, dass bereits wer vier Jahre lang nicht in seinem einst erlernten Beruf gearbeitet hat, wieder als ungelernt gilt. Bislang sei der Chancenvergleich nur auf Bundesebene statistisch belegbar gewesen. Nun gebe es erstmals auch Zahlen auf regionaler Ebene. Ungelernte seien in Steinburg und Dithmarschen etwa sechsmal so häufig arbeitslos wie Fachkräfte. Auf die Qualifizierung bezogen liege die Arbeitslosenquote bei Hilfskräften bei 25,7 Prozent, die der Fachkräfte gerade einmal bei 4,3 Prozent und die von Akademikern sogar nur bei 2,1 Prozent. „Wir fördern daher gezielt Arbeitslose, die ihren Berufsabschluss nachholen wollen. Seit 2013 waren dies für Steinburg und Dithmarschen 658 Personen“, so Geist. Vor vier Jahren wurden erstmals bundesweit Begleitprojekte angeboten, seit Sommer vergangenen Jahres gibt es die Initiative Zukunftsstart. Zielgruppe sind dabei nicht die ganz jungen Leute, sondern Arbeitslose zwischen 25 und etwa 35 Jahren. Die Arbeitsagentur leistet die finanzielle Unterstützung. Denn gerade der geldliche Aspekt sei oft Grund für Arbeitslose gewesen, eine Umschulung abzubrechen oder gar nicht erst anzutreten. Während der Umschulung erhalten die Auszubildenden zwar weiterhin das Arbeitslosengeld und eine Ausbildungsvergütung, doch um den bisherigen Lebensstandard zu halten, reiche das nicht aus. Um die Situation zu verbessern, zahle die Arbeitsagentur seit August 2016 zusätzlich eine Weiterbildungsprämie. Nach Bestehen der Zwischenprüfung gibt es 1000 Euro und nach der bestandenen Abschlussprüfung nochmal 1500 Euro. Ronald Geist bekräftig: „Eine Umschulung lohnt sich. Außer der Tatsache, dass Fachkräfte seltener arbeitslos sind, verdienen sie auch deutlich mehr.“ Etwa 220  000 Euro über das gesamte Arbeitsleben gerechnet, fügt der Leiter der Arbeitsagentur hinzu.

Diese Rechnung hatte Sabrina Fedder nicht extra aufgemacht. Für sie war es vielmehr der Wunsch, etwas Neues zu lernen. Ihren ursprünglichen Ausbildungsberuf mochte sie nicht. Schon während der Ausbildungszeit habe sie gemerkt, dass Verkäuferin ihr nicht lag. Sie machte Aushilfsjobs, immer wieder war sie für ein paar Monate arbeitslos. Zuletzt war sie drei Jahre bei der Post tätig, ihr Vertrag wurde nicht weiter verlängert. Beim Arbeitsamt wurde sie darauf angesprochen, ob sie nicht eine Umschulung machen wollte. Sie überlegte, wo ihre Stärken liegen. „Ich habe schon immer gerne gezeichnet, habe mein Zimmer selbst gestaltet.“ Ihr großes Hobby sind Mangas. Aber sie würde auch gerne mit Holz arbeiten. So reifte der Entschluss, entweder Tischlerin oder Malerin zu werden. Sabrina Fedder schrieb für beide Berufsrichtungen jeweils sieben Bewerbungen. Dann absolvierte sie im Malereibetrieb Kiesow in Hohenlockstedt ein Praktikum. „Wir haben gleich gemerkt, dass das schon das Richtige ist, auch vom Menschlichen her passt Sabrina in unser Team“, erzählt ihr Chef Carsten Kiesow. Und so hat Sabrina Fedder mit 27 Jahren ihren Ausbildungsvertrag unterschrieben.

Dass sie ein Jahr verkürzt auf die Gesellenprüfung hinarbeitet, empfindet sie nicht als Belastung. „Das Lernen fällt mir sogar leichter als früher“, sagt sie. „Ich habe noch nie so gute Zeugnisse gehabt.“ Sie sei viel ernsthafter bei der Sache. Die Zwischenprüfung hat sie geschafft, jetzt stehen im zweiten Ausbildungsjahr verstärkt Lehrgänge an. Im Juli nächsten Jahres folgt die Gesellenprüfung. Und mit dem Background hat sie dann gute berufliche Perspektiven, bescheinigt ihr Carsten Kiesow, der neun Gesellen und zwei Auszubildende beschäftigt. „Momentan sind die Aussichten hervorragend“, fügt er hinzu.

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