Mit Wind von achtern in Pension

Cocktail „Abendfrieden“ für Hans-Joachim Sohrt und Ehefrau Anja – kreiert von den Schüler aus dem „Produktiven Lernen“.
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Cocktail „Abendfrieden“ für Hans-Joachim Sohrt und Ehefrau Anja – kreiert von den Schüler aus dem „Produktiven Lernen“.

Hans-Joachim Sohrt nach 19 Jahren als Leiter der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld verabschiedet

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05. Juli 2018, 05:00 Uhr

Auf dem Boden, an der Wand hängend: überall Papierschiffchen im Pädagogischen Zentrum am Lehmwohld. Denn hier wird ein Segler verabschiedet: Hans-Joachim Sohrt, seit knapp 19 Jahren Leiter der Gemeinschaftsschule, geht in den Ruhestand.

„Another Brick In The Wall“ singt der Chor, begleitet von der Schulband, zum Einstieg. Zuvor hat sein Vertreter André Harz den bald 64-Jährigen gewürdigt: Sohrt sei nicht nur Schulleiter, sondern auch „ganz begeisterter Lehrer“, „größtmöglicher Teamplayer“ und immer bemüht um Transparenz. Aus einer dreizügigen Realschule wurde in seiner Zeit als Rektor eine Gemeinschaftsschule. „Immer, wenn es Konsolidierung hätte geben sollen, war schon wieder Innovation angesagt“, so Harz. Eine davon: das Produktive Lernen an der Außenstelle in Heiligenstedten. Dessen Schüler überraschen Sohrt und seine Frau Anja mit einem dank Trockeneis grün brodelnden Cocktail. Der Name: „Abendfrieden“.

„Sie haben es geschafft“, sagt Schulrat Odert Schwarz, der die Entlassungsurkunde überreicht. Sohrt sei ein Rektor der klaren Worte und habe sich „vehement eingesetzt für schulische Belange“.

Davon kann nach dem Auftritt des Heiligenstedtener Grundschulchors Bürgermeister Andreas Koeppen ein Liedchen singen. Einen „starken Kämpfer“ nennt er Sohrt, der sich mit „klaren, eindeutigen Worten“ im Rathaus meldete, wenn er es für nötig hielt. Manch Ungemach kam auch aus höheren Ebenen der Politik: „Wie wäre es mal mit dem Thema Schulfrieden?“, fragt Koeppen. Trotz nicht immer glücklicher Rahmenbedingungen habe Sohrt eine „sehr erfolgreiche Schule geschaffen“. Diese sei weit vorn, wenn es darum gehe, auf Stärken und Schwächen individuell einzugehen.

„Gute Schule machen“, das war Sohrts Ziel. Dabei gelte es auch, die eigene Einrichtung mit spitzer Zunge zu verteidigen. Gebaut wurde in seiner Zeit reichlich – doch dass mehr Platz nötig ist, darauf weist er zum Abschied gern noch einmal hin. Eine schnellere Digitalisierung wünscht sich Elternbeiratsvorsitzender Hans Christian Andersen, der Sohrt ebenso dankt wie Jan Möller vom Förderverein der Schule.

„Nu geit dat mit Wind von achtern in Pension“, sagt Lehrerin Sabine Beume. Das Kollegium singt für Sohrt, dessen Segelboot in Strande liegt, das passende Lied: „Ab Sonntag will der Hajo nur noch segeln gehen.“ Und der Hajo greift zum Taschentuch.

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