Wilstermarsch : Mit Visionen ins neue Jahr

Eine Idee für die Wilstermarsch: Wassertaxis.
Eine Idee für die Wilstermarsch: Wassertaxis.

An guten Ideen, damit die Wilstermarsch eine Zukunft hat, mangelt es nicht: Die Palette reicht vom Wassertaxi und Kleingärten auf Hausbooten über Wohn- und Arbeitsinseln bis zum Energiemuseum.

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30. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Der Mann kann mit Visionen etwas anfangen: Bei einer ersten Informationsveranstaltung des KKW-Betreibers Preußen Elektra Anfang November in Brokdorf zog Landrat Torsten Wendt überraschend einen Bericht aus unserer Zeitung aus der Tasche. Darin hatte ein Glückstädter mit Blick auf den bald bevorstehenden Rückbau des Atommeilers die Schaffung eines großen Atom-Museums an der Unterelbe angeregt. Landrat Wendt griff die Idee gerne auf – und setzte sogar noch einen drauf. An dem Standort könnte nicht nur die Geschichte der Kernenergienutzung erzählt werden. Da der Kreis Steinburg ja im Begriff ist, die große Drehscheibe für die bundesdeutsche Energiewende zu werden, könnte man – so seine Idee – in Brokdorf das gesamte Thema umfassend darstellen. Steinburg und die gesamte Unterelbe hätten mit einem historischen Energiepark damit ein willkommenes Alleinstellungsmerkmal.

Um Visionen ging es auch bei einer Veranstaltung, die im November fast parallel im Amt Wilstermarsch stattfand. Hier trafen sich Akteure aus der Marsch zunächst hinter verschlossenen Türen, um sich Gedanken zu machen, wie die Region sich wohl im Jahre 2030 darstellen könnte. Die Ergebnisse wurden auf einem Info-Bild zusammengetragen, das seitdem im Flur des Amtsgebäudes hängt. Schon ein erster Blick offenbart: An guten Ideen und spannenden Ansätzen fehlt es nicht. Immer wieder fallen dabei Vorschläge rund um das Thema Wasser ins Auge, mit dem die Marsch ja reich gesegnet ist.

Kleingärten auf Hausbooten

Ein paar Beispiele: eine Kleingarten-Siedlung auf Hausbooten, ein Wasser-Taxi, genereller Ausbau der Wasser-Infrastruktur und ein gezielter Ausbau des touristischen Potenzials, ein Wasserwerk an Stör und Elbe, Gastronomie am Wasser und ein deutlich ausgebauter Bootsverleih. Vieles davon setzt allerdings voraus, dass die Wilster Au mit den Jahren nicht restlos verschlickt und damit für den Schiffsverkehr praktisch nicht mehr genutzt werden kann. Hier ringen die zuständigen Stellen und Verbände aus der Marsch seit Langem mit dem für die Wasserstraße noch immer zuständigen Land Schleswig-Holstein um eine möglichst nachhaltige Lösung. Im Kern geht es dabei natürlich um Geld. Das Land möchte die teure Unterhaltung am liebsten ganz loswerden.

Immer wieder wird aber auch eine weitere landschaftliche Besonderheit der Marsch in den Fokus gerückt: die fast schon unendliche Weite und die Möglichkeiten zum Entschleunigen. Auch hier sehen viele Akteure bislang wenig genutztes Potenzial, um die Marsch für die Menschen attraktiver zu machen. Immerhin: Nach den jüngsten Zahlen scheint es schon jetzt eine Trendwende bei der Entwicklung der Einwohnerzahlen zu geben. Amtsvorsteher Helmut Sievers teilte zum Jahresende mit, dass nach den letzten offiziellen Zahlen des statistischen Landesamtes die Bevölkerung in den amtsangehörigen Gemeinden um 21 Menschen gestiegen ist. In den 14 Kommunen lebten damit genau 6794 Einwohner. Noch größer sind die Zuwächse in der Stadt Wilster, deren Bevölkerung um 72 Einwohner auf 4426 anstieg. Ganz frisch sind die Zahlen mit dem Stichtag 30. Juni 2016 allerdings nicht. Die Statistik hinkt der tatsächlichen Entwicklung immer etwas hinterher.

Körper-Scanner für den Hosenkauf

Einen großen Schwerpunkt legten die Akteure bei ihren Zukunftsaussichten aber auch auf Leben und Arbeiten im ländlichen Raum. Mit der Digitalisierung eröffneten sich hier ganz neue Möglichkeiten. Auch könnten in alten Gebäuden Wohn- und Arbeitsinseln geschaffen werden – vielleicht auch verbunden mit gelegentlichen Liebhaber-Auktionen. Breitere Radwege, Windkraftspeicher, Freilicht-Festspiele, eine umfassende Vernetzung von Vereinen und Verbänden wurden als weitere Vorschläge notiert. Besonders innovativ: ein Ganzkörper-Scanner zum Erfassen von Kleidergrößen. Das dürfte vor allem vielen Männern den Hosenkauf deutlich erleichtern.

Weniger um Visionen als um handfeste Projekte geht es in der Stadt Wilster. Trotz chronisch leerer Kassen stehen der Kommune nämlich noch rund fünf Millionen Euro aus Städtebauförderungsmitteln zur Verfügung, für die es nur noch geeignete Projekte geben muss. Zumindest auf dem Papier liegen die aber schon vor. Mit Blick auf die Regularien zur Bereitstellung von Fördergeldern regte Roman Stöckmann zum Abschluss der jüngsten Ratsversammlung dringend an, dass die Stadt sich hier einmal Gedanken machen sollte: „Die Frage ist: Wie und wo sollen wir jetzt weitermachen? Da sollte man einmal über Konzepte nachdenken.“

Sanierungsmaßnahmen in der Innenstadt

Auf der Liste stehen unter anderem die funktionale Verbesserung des Marktplatzes sowie die grundlegende Erneuerung des Kohlmarkts, der Marquardstraße und von Teilen Op de Göten. Auch die Burger Straße könnte eine Auffrischung gebrauchen. Betroffen wären dabei allerdings auch viele private Anlieger, auf die im Zweifel dann nämlich Ausbaubeiträge zukämen.

„Von privat gibt es für Sanierungsvorhaben keine einzige Nachfrage“, meinte CDU-Fraktionschef Mark Dethlefs und trat erst einmal auf die Bremse: „Vielleicht ist das ein Thema für die neue Ratsversammlung.“ Die tritt nach den Wahlen am 6. Mai zusammen – und darf sich dann unter anderem mit der Umsetzung von Visionen zumindest bis zum Jahr 2023 befassen.

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