Tanzgruppe 60+ : Mit viel Schwung ins neue Jahr

Die Frauen aus dem Kreis Steinburg sind wie losgelöst beim Tanzen.
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Die Frauen aus dem Kreis Steinburg sind wie losgelöst beim Tanzen.

Im Kulturhaus in Wilster tanzen, singen und schauspielern Frauen über 60 Jahre. Sie wollen mit Rapmusik und Freestyletanz auf Tournee gehen.

shz.de von
04. Januar 2018, 05:01 Uhr

Eindringlich klopft der Rhythmus gegen die Wände des Kulturhauses. Plötzlich stürmen zwölf Frauen die Tanzfläche, schwingen ihre Hüfte und bewegen sich im Takt der Musik. Es sind Damen über 60 Jahre, die gemeinsam singen, tanzen und schauspielern, um für eine Auftrittsreihe im Kulturhaus zu proben.

„Jetzt tanzt wie Tiere“, ruft Kulturhaus-Chef Anton Brade den Frauen auf der Tanzfläche zu. Beim Adler reißen die Tänzerinnen die Arme in die Luft. „Nun die Schlange“, gibt Brade das nächste Tier an und die Frauen bewegen sich geschmeidig über das Parkett. Sie gehen hoch und runter, heben die Arme und lassen ihre Schultern kreisen. Keinem scheint es peinlich zu sein.

Die Frauen feiern und tanzen wie in einem Club. „Gib alles, Heidi“, ruft eine Dame. Und gibt damit das Mantra des einzigartigen Musikprojekts wieder. Frauen über 60 trafen sich die letzten Wochen und Monate, um gemeinsam aktiv zu werden. Sieben Mal hat sich „die Gang“ zusammen gefunden und verschiedenen Techniken in Tanz, Gesang und Schauspiel erprobt. Beim Battle, einer Art Tanz - Wettbewerb, bei dem zwei Frauen gegeneinander antreten, feuern sich die Damen an. Mutig springen zwei von ihnen in die Mitte und sind kampfeslustig. Sie hüpfen und machen große Bewegungen. „Auf der Bühne sind wir die Größten und Stärksten. Das war aber nur die Aufwärmübung“, sagt Brade. Neben den Spaßübungen macht die Gruppe auch Atmen- und Gesangsübungen. Alle atmen tief ein und wieder aus, bis keine Luft mehr in der Lunge ist.

Danach beschreibt Brade den Damen, wie man einen kräftigen Ton produzieren kann. Der Mund müsse wie beim Gähnen geöffnet werden. Mit dieser Basis schnappt sich eine Teilnehmerin die Wilstersche Zeitung und singt: „Mit Uhren muss man zärtlich sein.“ Und alle stimmen mit ein, beim Überschriften singen. „So kann man eben auch Musik machen“, sagt Brade. Jeder der Ü60-Damen singt anders: wie ein Marktschreier oder melodisch. Sie lassen sich auf den Moment ein und entdecken neben ihrer eigenen Stimme auch das Improvisationstheater für sich. In der Gruppe wurden zwei Figuren entwickelt, Elsbeth und Armanda, die von den Teilnehmerinnen abwechselnd gespielt werden. Elsbeth hat drei Putzjobs und schon einen ganz roten Kopf, denn sie regt sich wahnsinnig über ihre Arbeit auf. Dann reißt sie das Mikro aus dem Ständer und singt: „Ich bin nicht zufrieden“, während die anderen im Hintergrund mit den Fingern schnipsen.

„Elsbeth hat die Schnauze voll“, sagt Brade. Neben dem Thema Wut wird in Verbindung mit der Figur Armanda die Einsamkeit auf die Bühne gebracht. Die Damen legen ihre eigene Welt in Armandas und geben ihre Gefühle wieder. „Stell dich nicht so an, andere sind doch auch alleine“, singen sie im Chor. Dann ist Stille. „So einen Moment muss man auch aushalten können. Wir wandeln ernste Themen in eine positive Kraft um“, sagt Brade. Dann stellt sich jedes Mitglied einzeln vor. „Das ist die Monica aus Itzehoe“, gibt die „Queen of Rap“ zum Besten. Brade habe die Gruppe inspiriert und weiter gebracht, sagt sie später. Einfach nochmal was ganz Neues auszuprobieren, ist für die Frauen reizvoll gewesen, so die 65-jährige Heidi Winther.

In der nächsten Kursphase werden neben ihm auch Fachleute einer Breakdance Akademie anwesend sein und die Damen coachen. Im weiteren Programm wolle der Kulturhaus-Chef die Damen nochmal herausfordern, denn in ihnen würde noch eine ganze Menge stecken. „Ruhestand gibt es nicht. Es ist Unruhestand“, sagt er. Ab Februar trainieren sie für den großen Auftritt. Drei von ihnen sollen ein Theaterstück einüben und dieses an 20 Tagen im Kulturhaus zum Besten geben. Die anderen werden als Zweitbesetzung eingesetzt oder bilden eine Liveband. „Vielleicht schaffen wir es ja bis ins Tivoli“, hofft Brade.

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