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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 12:21 Uhr

Bester AZUBI : Mit viel Fleiß zum Bäckerberuf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

2008 kam Sergey Ginkel aus Russland nach Glückstadt, konnte kaum Deutsch. Jetzt ist der Lehrling aus der Biobäckerei Moin Landesbester.

von
erstellt am 07.Nov.2014 | 12:05 Uhr

Wenn am kommenden Montag in Lübeck die drei Industrie- und Handelskammern Schleswig-Holsteins die besten Auszubildenden und Lehrlinge dieses Jahres auszeichnen, ist auch ein Glückstädter dabei: Sergey Ginkel von der Biobäckerei Moin wird im Beisein von Ministerpräsident Torsten Albig als landesbester Bäckerlehrling geehrt. Zuvor war Ginkel bereits von der Bäckerinnung und der Handwerkskammer für seine besonders guten Leistungen während der Ausbildung ausgezeichnet worden.

Mit 32 Jahren ist Ginkel, der seine Lehre Ende August abgeschlossen hat, kein ganz typischer frisch gebackener Geselle. Er lebt erst seit Ende 2008 in Glückstadt. Als Spätaussiedler kam er aus Russland in die Elbestadt. „Der Rest meiner Familie war bereits nach Deutschland gezogen. Ich wollte nicht allein in Russland bleiben und kam nach, sobald ich konnte“, erzählt er. Zuvor hatte der 32-Jährige mehrere Jahre in der russischen Armee gedient und dort eine Ausbildung zum Mechaniker für Militärfahrzeuge gemacht. Eine weitere Besonderheit: Ginkel ist verheiratet und bereits Vater einer kleinen Tochter, die in Glückstadt in den Kindergarten geht.

Der Kontakt zur Bäckerei Moin kam über seine Mutter zustande, die dort bereits arbeitete. „Sie hat uns gefragt, ob ihr Sohn bei uns als Aushilfe anfangen kann“, berichtet Inhaber und Geschäftsführer Hans-Paul Mattke. Einige Monate arbeitete Ginkel dann im Betrieb. „Wir haben recht schnell gemerkt, dass er ein sehr fleißiger und schlauer Mitarbeiter ist. Deshalb haben wir ihm die Ausbildung angeboten.“ Weil ein Lehrlingsgehalt für den Familienvater nicht in Frage kam und Mattke überzeugt war, dass der 32-Jährige eine Verstärkung für sein Team darstellt, zahlte er ihm vom Beginn der Lehre an ein Gesellengehalt. Dass dies durchaus berechtigt war, stellte Ginkel schnell unter Beweis. „Für mich war Sergey schon nach knapp einem Jahr wie ein junger Geselle“, sagt Produktionsleiter Dirk Urban, der bei Moin für die Auszubildenden in der Produktion zuständig ist. „Von seinem Wissen und Können her, aber auch von der ganzen Arbeitseinstellung.“

Probleme bereiteten dem Lehrling am Anfang die fehlenden Deutschkenntnisse. „In der Berufschule war es sehr schwer zu Beginn“, sagt Ginkel. Vor allem die Fachkunde und das Fach Wirtschaft und Politik seien ohne ausreichende Sprachkenntnisse nur mit sehr viel Fleiß zu bewältigen gewesen. „Ich musste am Anfang sehr, sehr viel auswendig lernen für Prüfungen“, sagt Ginkel. Spaß brachte das nicht gerade, aber es musste ja sein. „Mathe war da weniger ein Problem“, sagt der Geselle augenzwinkernd. „Ich war überzeugt, dass er es schafft“, sagt Urban. Zur Unterstützung organisierte er für seinen Schützling die Teilnahme an einem Deutschkurs.

In der Backstube übernahm der Lehrling schnell wichtige Aufgaben: Er ist in der Produktion meistens für die Teigherstellung zuständig. „Einer von zwei Posten, die die Abläufe in einer Backstube steuern“, erklärt Urban. „Der andere ist der Kollege, der den Ofen bedient.“ Moin stellt mit insgesamt 30 Mitarbeitern in der Produktion ausschließlich Bio-Backwaren, vor allem Croissants, Laugengebäck und Baguettes für den Großhandel, her. „Der Biobetrieb stellt insgesamt höhere Ansprüche an die Mitarbeiter“, erklärt Produktionsleiter Urban. „Wir stellen alles selbst her und verwenden keine Vorprodukte wie viele konventionelle Betriebe. Dafür ist viel mehr Wissen notwendig. Qualifizierte Mitarbeiter sind daher für uns besonders wichtig.“

Hans-Paul Mattke möchte gern noch lange mit Sergey Ginkel arbeiten. „Wir sind rundherum zufrieden und stolz auf unseren Landessieger“, so Mattke. „Ich hoffe, dass Sergey noch lange bei uns bleibt und könnte mir auch gut vorstellen, dass er sich weiter fortbildet“, sagt er im Hinblick auf einen möglichen Meisterlehrgang in der Zukunft.



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