Schleswig-Holstein Musik Festival : Mit Tuba „Fanny“ und reichlich Humor

So locker gekleidet und barfuß, wie sich Andreas Hofmeir vor dem Konzert einem Kamerateam auf der Wiese vor der Kartoffelhalle präsentierte, ging er auch auf die Bühne – mit seiner Tuba „Fanny“.
So locker gekleidet und barfuß, wie sich Andreas Hofmeir vor dem Konzert einem Kamerateam auf der Wiese vor der Kartoffelhalle präsentierte, ging er auch auf die Bühne – mit seiner Tuba „Fanny“.

Ein ungewöhnlicher Ort – ein ungewöhnlicher Künstler: In der Kartoffelhalle in Hohenlockstedt tritt der bayrische Musik-Kabarettist Martin Andreas Hofmeir auf.

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31. Juli 2014, 16:56 Uhr

Da haben sich zwei gefunden: Die Hohenlockstedter Kartoffelhalle als rustikaler Spielort des Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) – und Martin Andreas Hofmeir als unvergleichlicher, bodenständiger Musiker. Dazwischen ein Publikum, das nicht recht wusste, was es erwartete. Und dann von dieser Performance eines Tuba-Virtuosen, der von einem brasilianischen Gitarristen ebenso virtuos begleitet wurde, rundum begeistert war.

Das besonders isolierte Bauwerk, das einst die Kartoffeln vor dem Frost schützte, sorgte nun an dem Hochsommerabend mit uriger Atmosphäre für ideal temperierte Bedingungen, tauschte man sich in der Pause bei Brezeln und Wein humorig aus. Genau genommen waren es an diesem Abend sogar Brezen, wie das geflochtene Brotwerk in Bayern heißt. Denn Bayern ist ein wesentlicher Faktor in Hofmeirs Musik-Kabarett-Programm. „Raten Sie mal, wer wer ist, ich bin der Brasilianer“, kam er mit rollendem R und blondem Zopf barfuß auf die Bühne, begleitet vom dunkelhaarigen Guto Brinholi.

Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite und ließ sie den ganzen Abend nicht mehr los. In engem Kontakt mit den rund 450 Besuchern mischte er Spaßgedichte über das Provinzdasein, Musiker-Alltags- und Reise-Erlebnisse, WG-Erfahrungen während des Berliner Musikstudiums und Kindheitsträume auf dem Weg zum Künstler. Dazwischen magische Musik: Jazz und Lieder, Tango, Klassik. Brinholi hat einige der Stücke und brasilianischen Liebeslieder komponiert, die sich wie ein „Running Gag“ durch das Programm zogen und melancholisch von der unerreichbaren Geliebten erzählten. Er zeigt auf der Gitarre das gleiche Können wie sein uriges Pendant, dem er bei den Witzen nur verschmitzt zulächelt: „Der Haken am Leben als Tubist“, grantelt Hofmeir. „Die Wirkung auf Frauen ist gleich Null.“ Aber die Verehrerinnen bedeuteten eh nur Stress, schielt der Bayer auf Guto: „So ein fescher Brasilianer mit Gitarre ist wie ein Keuschheitsgürtel für mich.“

Das Programm „Kein Aufwand“ kam so locker gemütlich daher, dass man Hofmeir fast hätte glauben können, warum er Tuba spielt: Mit dem Üben habe er es als Kind halt so gar nicht gehabt. Während sich ein Geiger in einem Stück beispielsweise mit 20 000 Tönen plage, kommen auf einen Tubisten nur acht. Das sei ein „Pro-Ton-Einkommen“ von 18,75 Euro im Gegensatz zu lächerlichen 1,5 Cent an der Geige….

Mittlerweile ist Hofmeir als Musiker äußerst vielseitig, ob als Solotubist, oder im Duo, als Ensemblemitglied der bayrischen Balkan-Brass-Band LaBrassBanda oder als Kabarettist. Er ist Professor am Mozarteum in Salzburg und erhielt 2013 den Echo-Klassik-Preis. Sein an Karl Valentin und Gerhard Polt geschulter derber Humor steht in spannungsvollem Gegensatz zu den Darbietungen mit einem Instrument, die ihresgleichen suchen: Der Tubist entlockt seiner „Fanny“, der Konzerttuba, Töne und Melodien, die man von diesem Instrument bislang noch nie wahrgenommen hat – und das mit Verve und zugleich Zartheit und Poesie, die man diesem Blech-Instrument eigentlich nicht zutraut. Kurzum: Ein unbeschreibliches Erlebnis.

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