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High Tech in Itzehoe : Mit Spezialwissen auf Wachstumskurs

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Auf dem Markt der Elektromobilität rechnet sich der Itzehoer Batterie-Hersteller Custom Cells große Chancen aus. Das Unternehmen will kräftig investieren.

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erstellt am 17.Okt.2017 | 05:56 Uhr

Der Itzehoer Batterie-Hersteller Custom Cells sieht in der beginnenden Veränderung der Autoindustrie weg vom Verbrennungsmotor großes Potenzial für seine Geschäftsfelder. Das Unternehmen hat neue strategische Partnerschaften mit Anlagenherstellern geschlossen und einen neuen Gesellschafter in Form der P3-Gruppe gefunden, um diese Entwicklung mitzugestalten. Ab 2018 soll am Standort an der Fraunhoferstraße im Innovationsraum ein hoher siebenstelliger Betrag in neue Produktionsanlagen investiert werden. „Wir sind, was die Nachfrage nach unseren Produkten angeht, an Grenzen gestoßen“, erklärt Geschäftsführer Leopold König. Die Autoindustrie werde in den kommenden Jahren Milliarden in die Elektromobilität stecken. „Wir sehen für uns große Chancen. Deshalb wollen wir weiter wachsen.“

Die Wachstumspläne stellte Custom Cells gemeinsam mit dem Fachbereich Integrierte Energiesysteme des Fraunhoferinstituts Isit anlässlich des Besuchs des Bundestagsabgeordneten Mark Helfrich (CDU) im Unternehmen vor. Die Zusammenarbeit zwischen Custom Cells und Isit sei eng, erklären König und Andreas Würsig, Fachbereichsleiter bei Fraunhofer. Custom Cells ist eine Ausgründung aus dem Forschungsinstitut, mehrere führende Mitarbeiter haben zunächst am Isit gearbeitet. „Unser Bereich ist die Forschung“, sagt Würsig. „Wir sind immer auf der Suche nach Innovationen.“ Energiespeicher-Technik zur Marktreife zu bringen, sei aber nicht Sache des Instituts. „Da setzen wir an“, erklärt König. „Wir können eine Schnittstelle sein für den oft schwierigen Übergang von der Forschung und Entwicklung zur industriellen Produktion.“

Custom Cells habe große Erfahrung darin, an die Anwendung angepasste Batterietechnologie zu liefern. Mehr als 600 Einzelprojekte habe das Unternehmen seit seiner Gründung erfolgreich abgeschlossen, sagt Technologieleiter Stefan Permien. „Wir wissen viel über die Kombination unterschiedlichster Materialien in den Elektroden. Das ist ein weltweit einzigartiges Spezialwissen.“ Als Beispiel nennt er die Stromversorgung in einem Bohrkopf in tausenden Metern Tiefe. „Dort sind marktübliche Akkus unbrauchbar wegen hoher Temperaturen. Auf der anderen Seite ist die Nutzung von nicht wieder aufladbaren Batterien problematisch, weil dadurch die Bohrzeiten verkürzt werden.“

Die Herstellung einer passenden Batteriezelle erfordere in Fällen wie diesem neben viel Wissen über den Materialmix auch ein gewisses Maß an Erfindergeist. „Es ist viel Empirie dabei. Mathematische Modelle sind nur begrenzt aussagekräftig“, sagt Permien. Es gelte daher, Prototypen zu produzieren, zu testen und mit den gewonnenen Erkenntnissen weiterzuarbeiten, bis die Anforderungen des Kunden erreicht werden. „Das können wir wesentlich schneller als große Hersteller – und damit auch wesentlich günstiger.“

Diese Entwicklung von Klein- und Mittelserien und Spezialformaten im Bereich der Elektroden und Zellen will Custom Cells ab 2018 ausbauen. Darüber hinaus soll auch das Angebot im Bereich der Beratung in Zukunft wachsen. „Wir machen seit längerem das, was der normale Markt nicht bietet“, erklärt König. Das dabei erworbene Wissen sei nun ein großer Vorteil, um als Dienstleister beispielsweise die Autoindustrie zu beraten und mit Prototypen und Kleinserien zu beliefern. „Die Hersteller werden auf unterschiedlichen Feldern auf Probleme stoßen, etwa bei Temperaturschwankungen, der Sicherheit oder der Frage, wie schnell Leistung abgegeben werden soll. Dabei können wir viel beitragen.“ Erreicht werden soll dies in Zusammenarbeit mit der Aachener Firmengruppe P3, die sich auf Unternehmensberatung im Ingenieursbereich spezialisiert hat und seit kurzem an Custom Cells beteiligt ist.

Dass eine mögliche Massenproduktion von Energiezellen für Autos in Zukunft in Itzehoe angesiedelt werden könne, sei aber unwahrscheinlich. „Das ist zumindest nicht unser Ziel als Unternehmen“, sagt König. Es gebe den Bedarf für eine Massenproduktion innerhalb der EU. Bisher kommen Speicherzellen vor allem aus Asien, doch sie von dort zu beziehen, würde für einen Millionenmarkt in der Autoproduktion unter anderem große Risiken durch Wechselkursschwankungen mit sich bringen und einen Teil der Wertschöpfung komplett ins Ausland verlagern. Bei einer Massenproduktion innerhalb der EU seien aber osteuropäische Länder klar im Vorteil durch das allgemeine Kostenniveau und die Rahmenbedingungen. Itzehoe könne ein wichtiger Standort für die Forschung und Entwicklung auch zukünftiger Generationen von Energiespeichern werden – da ist sich König mit Andreas Würsig vom Isit einig. Dazu soll in absehbarer Zeit ein Kompetenzzentrum für Solid-State-Batterien entstehen, die als die nächste wichtige Technologie für die Automobilbranche gelten. Neben Custom Cells seien auch andere Spezialunternehmen mit enger Verbindung zum Isit bereits vor Ort, sagt Würsig. Dies könne sich in Zukunft noch weiter entwickeln.

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