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Flüchtlings-Hilfe : Mit Speed-Dating in die Arbeitswelt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine Projektwoche am Regionalen Bildungszentrum in Itzehoe soll Daz-Schülern helfen, passende Berufe zu finden – und beim Speed-Dating sollen erste Kontakte mit Firmen entstehen.

Sie haben die Herausforderung angenommen – und sind auf dem besten Weg, sich für einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu qualifizieren. Die 36 besten Schüler aus den Daz-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) am Regionalen Berufsbildungszentrum Steinburg werden im Sommer sicher ihren Hauptschulabschluss machen. Zudem werden sie das B1-Sprachniveau erreichen, das ihnen gute Deutschkenntnisse bescheinigt und wichtig für den beruflichen Start ist. Um für den gewappnet zu sein, absolvierten die jungen Männer und Frauen eine Berufsvorbereitungswoche. Ein Projekt am RBZ in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter, das vollen Einsatz aller Beteiligten forderte und auch zur Vorbereitung auf das am 9. Februar am RBZ geplante „Speed-Dating“ diente. Eine Veranstaltung, die Unternehmensvertreter und Flüchtlinge zusammenführen soll, um berufliche Integration möglich zu machen.

„Das war für die Schüler eine Woche, in der sie besonders hart an sich gearbeitet haben“, unterstreicht Reinhold Wenzlaff, Lehrer am RBZ. Sie seien von 8 bis 16 Uhr oder länger in der Schule gewesen, „mussten dafür teilweise um 5 Uhr aufstehen, um pünktlich hier zu sein“. Und dabei, so Wenzlaff weiter, haben die 18- bis 25-Jährigen „ein Höchstmaß an Motivation“ bewiesen. Das bestätigte auch Viola Früchtenicht-Schöning, freiberufliche Trainerin in der Erwachsenenbildung im Bereich Berufsorientierung. „Wichtig war es, die Selbstreflexion zu üben“, berichtete sie aus dem Unterricht. Es galt, eigene Stärken zu finden, um über den Interessenbereich den passenden Beruf zu finden. „Ich bin sehr positiv überrascht und angetan vom Wortschatz und von der Arbeitsmoral der Schüler“, so Früchtenicht-Schöning. „Sie sind sehr engagiert und wissbegierig.“ Aufgaben nachzuarbeiten, sei selbstverständlich. Beeindruckt zeigte sich die Trainerin ebenso von der Hilfsbereitschaft der jungen Männer und Frauen sowohl ihr gegenüber als auch untereinander. „Sie sind sehr offen, beteiligen sich sehr gut, leisten clevere Unterrichtsbeiträge und haben gute Ideen.“ Und so habe das kreative Arbeiten „sehr gut geklappt“.

Mit Karin Böcking und Nicole Kunstmann vom Jobcenter übten die Schüler Vorstellungsgespräche und bereiteten sich auf das „Speed-Dating“ vor. Auch Karin Böcking hob die Aufgeschlossenheit der Schüler hervor, die Bereitschaft, mitzumachen. „Sie waren in Rollenspielen sehr mutig, haben sich in die Situation reingefunden und sprechen erstaunlich gut Deutsch“, so Böcking. Der Umgang miteinander sei höflich und respektvoll. Es sei spürbar, dass sie ihre Chancen nutzen wollen.

Viola Früchtenicht-Schöning und Karin Böcking lobten beide die Unterstützung des RBZ-Teams mit Reinhold Wenzlaff, Marion Gaudlitz und Claudine Schulz-Czichon. „Für uns ist die Berufsvorbereitungswoche auch ein Experiment“, räumte Wenzlaff ein. Damit sei ein neuer Weg eingeschlagen worden, um die Zuwanderer auf die Berufswelt vorzubereiten, wozu neben dem Bewerbungstraining Verhaltensregeln und Wertevermittlung gehörten. Mit ins Projekt integriert war auch die Berufsberatung durch Deike Arp und Andreas Böckmann von der Arbeitsagentur, die den jungen Menschen berufliche Möglichkeiten aufzeigten. „Wir werden immer wieder von Schülern gefragt: ‚Was soll ich machen?‘“, erzählte Marion Gaudlitz aus dem schulischen Alltag. Mit der Projektwoche und der am Informationsveranstaltung am 9. Februar, um Schüler und Arbeitgeber einander näher zu bringen, wurde die Antwort auf diese Frage für viele in konkretere Richtungen gelenkt. Nicht zuletzt durch den Eignungstest, den alle Schüler beim berufspsychologischen Service der Arbeitsagentur durchliefen.

„Es war eine unwahrscheinlich tolle Zusammenarbeit von Jobcenter, Agentur für Arbeit und RBZ“, resümierte Reinhold Wenzlaff. „Ich glaube, das ist ein Modell, das wir in den nächsten Jahren öfter einsetzen werden.“ Von dem Informationsabend erhofft er sich, dass Arbeitgeber, die sich übrigens für die Veranstaltung noch anmelden können, Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplätze zur Verfügung stellen werden.

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erstellt am 02.Feb.2017 | 17:08 Uhr

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