Laiendarsteller aus Wilster : Mit Spaß, Zeit und Teamfähigkeit

Proben für den nächsten Auftritt:  Dietmar Ramm (r.) in der Rolle von Thomas, dem Sohn des Dr. Diaphorus in Molières „Der eingebildete Kranke“ – hier mit Volker Gravert als Béralde.
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Proben für den nächsten Auftritt: Dietmar Ramm (r.) in der Rolle von Thomas, dem Sohn des Dr. Diaphorus in Molières „Der eingebildete Kranke“ – hier mit Volker Gravert als Béralde.

Der aus Wilster stammende Laienschauspieler Dietmar Ramm steht seit fast 40 Jahren auf der Theaterbühne.

shz.de von
10. September 2018, 00:00 Uhr

Seine Theaterkarriere als Laienschauspieler begann 1979. In „Der eingebildete Kranke“, einer Komödie von Molière, steht der gebürtige Wilsteraner Dietmar Ramm jetzt in seinem 30. Stück auf der Bühne. Mit dem 56-Jährigen, der seit fünf Jahren Ensemble-Mitglied der Itzehoer Theatergruppe Augustoria ist, sprach unser Redaktionsmitglied Volker Mehmel.

Herr Ramm, Sie können als Laienschauspieler auf eine lange Karriere zurückblicken. Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Rolle?

Das war 1979 in dem Stück „Die Heiratsvermittlerin“ von Thornton Wilder. Ich habe einen Künstler namens Ambrose Kemper gespielt.

Wie sind Sie überhaupt zur Schauspielerei gekommen?

Der frühere Pastor meiner Heimatstadt, Uwe Haberland, der selbst sehr theaterbegeistert war, hat im Rahmen von kirchlicher Jugendarbeit eine Theatergruppe gegründet. Ich habe die beiden ersten Stücke vom Publikum aus gesehen und es hat mich gereizt, selbst einmal „auf den Brettern zu stehen, die die Welt bedeuten“. Dem Pastor ging es damals einfach darum, dass die Jugendlichen gemeinsam etwas machen. Wir waren alle so zwischen 12 und 20 Jahre alt.

Die ersten mehr als 30 Schauspieljahre haben Sie ja in Wilster verbracht.

Richtig, in den Jahren 1979 bis 2012 war ich Mitglied der Theatergruppe Wilster, eine tolle und wunderbare Zeit. Wir haben zunächst nur im Colosseum aufgeführt, ab 1985 sind wir mit unseren Stücken auch nach Itzehoe gegangen und haben dort zum Schluss das Theater Itzehoe jedes Jahr zweimal gefüllt. In Wilster hatten wir keinen Regisseur und keinen Theaterleiter. Wir haben alles selbst organisiert. Wir haben die Gruppe aufgrund der großen räumlichen Trennung der Mitspieler aufgelöst. Mit dem Stück „Kuddelmuddel“ war dann Schluss. Seit 2013 gehöre ich dem Ensemble der Augustoria an und freue mich, weiter dieses Hobby ausleben zu können.

Welcher Auftritt ist Ihnen denn in besonders guter Erinnerung?

Jedes Stück, jede Aufführung ist mit besonderen Erinnerungen verbunden. Da fällt es schwer etwas herauszuheben. Aber sicherlich zählt „Mein Freund Harvey“ zu den Besonderen. Hier hatte ich die Hauptrolle. Einen Müßiggänger, der einen imaginären mannsgroßen Hasen als Freund hat, den nur er sieht. Das hat bei uns zu Hause zu witzigen Situationen geführt, wenn zum Beispiel meine Frau sich aufs Sofa setzen wollte und Harvey dort bereits saß.

Gab es in all den Jahren auch mal einen echten Reinfall?

Ganz klar: Nein!

Wer sucht eigentlich die Stücke aus?

In Wilster war es die gesamte Gruppe, bei der Augustoria vornehmlich die Regisseurin.

Welche Rollen waren Ihnen besonders auf den Leib geschnitten?

Vielleicht der etwas versnobte britische Charakter...aber ich glaube, mal früher, mal später habe ich mich in jeden Charakter gut eingefunden.

In unserer Region gibt es ja vorwiegend plattdeutsche Theatergruppen. Sie sind ausschließlich hochdeutsch unterwegs.

Ich habe mich in hochdeutschen Theaterstücken immer aufgehobener gefühlt.

Mal grundsätzlich gefragt: Was muss man als Laienschauspieler mitbringen?

Sicherlich auch das, was einen professionellen Schauspieler ausmacht: die Fähigkeit, sich in einen anderen Charakter einzuleben und diesen auf der Bühne darzustellen. Und dann natürlich Spaß, Zeit und Teamfähigkeit.

Wie sieht es denn mit Nachwuchs für die Bühne aus?

Nachwuchs ist immer gern gesehen. Bei der Augustoria machen jetzt auch zwei Schülerinnen mit. Die sind mit viel Spaß und Freude dabei.

Was raten Sie jungen Leuten, wenn sie sich für das Schauspiel interessieren?

Einfach mal nachfragen oder selber machen.

Schauspielerei hat ja immer auch etwas mit Texte lernen zu tun. Fällt Ihnen das schwer oder haben Sie da einen besonderen Kniff?

Text zu lernen, ist mir nie schwer gefallen.

Und wie sieht es mit Lampenfieber aus?

Gehört auf jeden Fall dazu und ist der Respekt vor dem Publikum. Ein bisschen aufgeregt bin ich da schon. Bevor der Vorhang hoch geht, lustwandel ich immer ein bisschen im Theater herum.

Jetzt stehen Sie im „Eingebildeten Kranken“ auf der Bühne, einem Klassiker. Was darf das Publikum erwarten?

Es wird sicher nicht einfach, an den Erfolg des letzten Stückes „Pension Schöller“, mit dem wir es geschafft haben, viermal das Theater zu füllen, anzuschließen. Aber wir haben wieder intensiv geprobt und ich bin mir sicher, wir werden alles dafür tun, einen unterhaltsamen Abend zu bieten. Spannend ist die Frage, ob wir es schaffen, die Komik aus der Zeit Molière’s in die heutige Zeit zu transportieren.

Sind die Proben von der Länge und der Intensität her eigentlich sehr aufwändig?

Ich habe die Proben nie als lang und zeitaufwändig empfunden. Schon bei der Theatergruppe Wilster haben wir dabei oft so viel Spaß gehabt und manchmal vor Lachen das Proben vergessen. Und wenn man nach einer erfolgreichen Aufführung den Applaus und die positive Rückmeldung des Publikums erhält, ist sowieso jede Mühe vergessen, denn das ist ja unsere Gage. In Wilster haben wir uns ab Mitte Oktober einmal in der Woche getroffen. Knapp 30 Proben haben wir „gebraucht“. Bei der Augustoria ist das Proben intensiver, auch bedingt durch viele Einzelproben.

Welche Rolle würden Sie liebend gerne mal spielen?

Spontan füllt mir da keine Rolle ein. Ein Traum ist es aber, einmal in einem Film zusammen mit Jodie Foster vor der Kamera zu stehen. Aber das wird wohl ein Traum bleiben.

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