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Itzehoer Buchhändler : Mit Service gegen Internetriesen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Onlinehändler, E-Books, Nutzerbewertungen – die Konkurrenz für Buchhändler im Internet steigt. Itzehoer Buchläden kontern mit Service und Sonderaktionen .

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2013 | 05:00 Uhr

Die Regale sind bis an die Decke mit Büchern gefüllt. Die Farben der Umschläge bedecken die Wände wie ein großer bunter Vorhang. Es riecht nach einer Mischung aus Papier und Farbe – nach Büchern eben. Die Buchhandlung „Bücher-Känguruh“ ist der Arbeitsplatz von Andreas Meurer. 1985 hat der gelernte Buchhändler das Geschäft in der Feldschmiede übernommen. Von E-Books und Online-Buchläden war damals noch keine Rede – doch mittlerweile wächst im Internet die Konkurrenz für den klassischen Buchhandel.

Sorgen macht sich Andreas Meurer trotzdem nicht. „Uns geht es gut“, sagt er. Konkurrenzdruck von Firmen wie Amazon spüre er kaum – und weiß auch, warum: „Jedes Buch, das wir verkaufen, kennen wir auch.“ Nur so sei eine individuelle Beratung gewährleistet. Und genau sie führt die Kunden immer wieder in sein Geschäft. „Ich habe viele Stammkunden und kenne zum Teil auch ihre Namen und Lesegewohnheiten“, erzählt Andreas Meurer. Diesen Kontakt schätzen die Kunden.

Das merkt auch Björn Gerbers. Nach vier Monaten Pause hat er sein Geschäft in der Steinburg wieder „sporadisch“ geöffnet. „Ich habe es einfach nicht ertragen, die Steinburg ständig geschlossen zu sehen“, erklärt er seine Entscheidung. Denn aus wirtschaftlicher Sicht war die Schließung notwendig. „Ich habe in den letzten drei Jahren so viel Geld verloren, dass ich keine andere Chance hatte, als den Laden zu schließen.“ Seine Stammkunden danken ihm die Wiedereröffnung heute. Der Grund ist für Gerbers klar: „Wir haben hochqualifiziertes Personal, von dem sich die Kunden gut bedient fühlen. Sie mögen den Kontakt von Mensch zu Mensch.“

Ähnliche Erfahrungen macht auch Regine Wenzel, Leiterin der Heymann-Filiale im Holstein-Center. „Unsere Kunden mögen das persönliche Gespräch. Hier haben sie einen Ansprechpartner, der bei Reklamationen greifbar ist.“ Auch würden die Empfehlungen der Mitarbeiter mehr geschätzt als Bewertungen im Internet. Dort wisse man nie, wer hinter einer Meinung steckt. Dennoch sei die Konkurrenz des Internethandels in der Filiale spürbar. „Es kommen insgesamt weniger Kunden, die auch weniger kaufen“, sagt Regine Wenzel. Ist ein Buch nicht vorrätig, weichen viele auf den Onlinehandel aus, anstatt sich das Buch vor Ort zu bestellen.

Die Reaktion der Buchhandlungen: Eigene Bestellsysteme auf ihren Internetseiten. Gegen Branchenriesen wie Amazon habe er jedoch keine Chance, sagt Meurer. „Die haben einfach viel mehr Geld, das sie in ihr Marketing stecken können.“ Trotzdem sieht er das Online-Angebot als Teil des Kundenservice. Auch E-Books gehören zum Sortiment – obwohl er die eigentlich ablehnt. „Ich als Händler verdiene daran keinen Cent, aber es gehört eben dazu“, sagt er. Dass langfristig nur noch gescrollt statt geblättert wird, kann er sich nicht vorstellen. „Es fehlt einfach dieses Haptische, das Buchgefühl.“ Das bestätigt auch Björn Gerbers, auf dessen Internetseite kaum
E-Books gekauft werden. Das kann jedoch auch daran liegen, dass manche Lesegeräte nur mit E-Books bestimmter Anbieter funktionieren.

Regine Wenzel sieht das
E-Book als zusätzliches Angebot. „Das kann sich aber schnell ändern, wenn die Preise von E-Books mal deutlich unter denen von Büchern liegen.“ Auch sie erkennt Vorteile in der elektronischen Alternative: „Ich kann verstehen, dass man in den Urlaub lieber einen E-Reader mitnimmt, als mehrere Bücher mitzuschleppen.“ Für Andreas Meurer ist das kein Argument: „Der Durchschnittslesende schafft im Urlaub doch sowieso maximal zwei Bücher.“

Einig sind sich beide, dass das Überleben der Bücher auch eine Generationenfrage ist. Auf den Trend zum elektronischen Buch reagieren die Buchhändler darum mit Aktionen, die sich speziell an junge Menschen richten: Bei Heymann wird es demnächst erstmals eine elternfreie Zone geben, einen Buchvorstellungsabend nur für Jugendliche, vom Bücher-Känguruh gibt es immer wieder Büchertische in Schulen und Kindergärten, auch der FerienLeseClub wird unterstützt.

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