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Wirtschaft : Mit Qualität am Markt durchgesetzt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Ziegelwerk Blomesche Wildnis in Glückstadt ist das letzte Klinkerwerk in Schleswig-Holstein und unverändert in Familienhand. Inhaber Heinrich Pollmann stellt den Betrieb interessierten Besuchern vor.

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erstellt am 21.Mai.2014 | 05:00 Uhr

Sein Erfolgsgeheimnis ist einfach: „Man muss mit Herzblut dabei sein“, sagt Heinrich Pollmann, Chef des Familienbetriebs Ziegelwerk Blomesche Wildnis. Und, das sagt er seinen Besuchern auch: Es geht nicht ohne unbedingten Willen zur Qualität. So hat er sein Unternehmen in die Zukunft geführt. Stolz schiebt Pollmann nach: „Als ich hier vor 40 Jahren anfing, gab es in Schleswig-Holstein noch 28 Ziegelwerke. Heute gibt es nur noch uns.“

Was da auf den fünf Hektar Betriebsfläche gemacht wird, wie aus Ton die bekannten Glückstädter Klinker entstehen, konnten sich gestern Nachmittag die Teilnehmer einer Betriebsbesichtigung der egeb:Wirtschaftsförderung ansehen. Der Besuch im Ziegelwerk war offenbar heiß begehrt, die 30 Plätze seien innerhalb von vier Tagen ausgebucht gewesen, berichtete egeb-Geschäftsführerin Martina Hummel-Manzau. „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Unternehmen so präsentieren“, erklärte sie.

Der 1886 gegründete Familienbetrieb hat den Sprung in die Neuzeit geschafft. Pro Monat verlassen zwischen 700 000 und 800 000 Ziegel den 100 Meter langen Brennofen. Der laufe rund um die Uhr, berichtete Pollmann. Dennoch haben die 16 Produktionsmitarbeiter eine 38-Stunden-Woche. Ab Mittwoch wird die Produktion für das Wochenende vorbereitet. Die Ziegel warten in Trockenräumen darauf, dass sie der Ofen abruft – automatisch. Montags sind die Klinker fertig für den Versand. Dabei wird im Betrieb An der Chaussee nicht von der Stange geliefert. Denn das Ziegelwerk ist in den Architekturbüros dafür bekannt, unterschiedlichste Farbwünsche realisieren zu können – allein über die Temperatur des bis zu 1200 Grad heißen Brennofens und die Reduzierung von Luft im Ofen. Das entzieht dem roten Eisenoxid Sauerstoff, die Färbung des Ziegels wechselt ins Blaue.

Der Rohstoff kommt aus dem Kreis Steinburg, aus Elskop. Dort wird der Ton abgebaut. Hinzu kommt Ton aus dem Westerwald. Der, so Pollmann, sei dort eher ein Beiprodukt der Porzellanindustrie, die ihren Ton aus tieferen Erdschichten fördert. „Für uns ist das ganz wertvolles Material.“ Das wird mit dem Binnenschiff zum Glückstädter Hafen gebracht.

Das fertige Produkt lässt sich vielerorts in Augenschein nehmen. Auch in der Hamburger Hafencity. „Das Überseequartier ist mit unseren Ziegeln gebaut“, freut sich Heinrich Pollmann.

Es geht im Ziegelwerk noch eine Stufe individueller, als nur nach Wunsch gefärbte Klinker herzustellen. Denn das Können von Keramikingenieurin Bettina Falkenberg beschert dem Unternehmen eine weitere, spannende Aufgabe: Formsteine für die Restaurierung historischer Gebäude herstellen. Die Marineschule in Mürwik etwa wurde mit handgearbeiteten Glückstädter Klinkern saniert, die Marner Kirche bekam im vorigen Jahr spezielle Ziegel, derzeit arbeitet Bettina Falkenberg an Steinen für die Kirche im benachbarten Kronprinzenkoog. Auch die alte Kate in Oelixdorf wird mit Klinkern aus dem Hause Pollmann restauriert. Der Ruf des Unternehmens auf diesem Sektor hallt längst über die Landesgrenzen hinaus. Auch hierbei gilt Pollmanns Credo: Qualität zahlt sich aus.

Da immer mehr Altbauten energetisch saniert werden mithilfe von Vorbauisolierungen, sieht der Glückstädter Unternehmer einen weiteren Schwerpunkt: Klinker-Riemchen. Das sei ein interessanter Markt berichtete Pollmann. Allerdings könne dies nur ein Produkt sein, das lediglich einen bestimmten Anteil an der Fertigung habe. Aus den Augen verlieren möchte der auf Nischen spezialisierte Unternehmer dieses Segment aber nicht.

 

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