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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 16:46 Uhr

Mit Organen Leben retten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Spendenbereitschaft der Deutschen rückläufig / Itzehoer Intensivmediziner informiert

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2014 | 13:48 Uhr


Im Klinikum Itzehoe wurden im Jahr 2013 keine Organe zur Transplantation entnommen, so Otto Kimminich, Oberarzt der Anästhesie und Beauftragter für Organspende. Durchschnittlich würden dort sonst jährlich drei bis vier Organe entnommen.

Den Rückgang der Spendebereitschaft in Deutschland um 13 Prozent in 2012 und noch einmal 14 Prozent in 2013 führt der Intensivmediziner auf den Organspendeskandal im Sommer 2012 zurück. Wichtig sei jetzt, „dass das Vertrauen in die Transplantationsmedizin von Seiten der Ärzteschaft wiederhergestellt wird“, betont Kimminich.

In Itzehoe hatten laut unserer Umfrage in der Innenstadt nur acht Prozent der Befragten einen Organspenderausweis. Viele fürchten, dass sie vorzeitig für tot erklärt werden, wenn sie potentielle Organspender sind. Diese Gefahr sieht Anne Grelck (21) aus Horst nicht: „Wenn man für hirntot erklärt wird, bestätigt dies immer noch ein weiterer Arzt und deswegen habe ich keine Angst.“ Dies bestätigt Otto Kimminich: „Zwei voneinander unabhängige Ärzte stellen den Hirntod fest.“ Sie dürften weder mit der Behandlung des potentiellen Organspenders zu tun haben, noch Intensivmediziner im Hause sein.

Wie auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auf Anfrage versichert, würden nur Organe von Gesunden entnommen. Liege beispielsweise eine HIV-Infektion oder Krebserkrankung vor, könnten die Organe nicht verwendet werden.

„Heutzutage gibt es keine Altersgrenze mehr“, so Kimminich und erläutert das gesetzlich vorgeschriebene Vorgehen. Potentielle Organspender würden bis zur Organentnahme intensivmedizinisch betreut, um die optimale Durchblutung der Organe zu gewährleisten. Er betont, „dass es auch dem Pflegepersonal oft schwer fällt, zu akzeptieren, dass der Patient jetzt tot ist“. Nachdem der Hirntod festgestellt wurde, werde Kontakt mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) aufgenommen und erste Daten abgeglichen.

Grundsätzlich sei die Organvergabe streng nach Warteliste geregelt. Ein Koordinator der DSO komme dann nach Itzehoe und prüfe vor Ort die medizinischen Daten, wie zum Beispiel die Gewebeverträglichkeit.

Sei ein passender Empfänger gefunden, reise ein Transplantationsteam des jeweiligen Universitätsklinikums mit speziellen Transplantationschirurgen an, das die Entnahme durchführe. „Das Krankenhaus Itzehoe stellt in diesen Fällen nur den Operationssaal und das Personal zur Verfügung“, erklärt der Oberarzt der Anästhesie. Zeitgleich werde der Empfänger im Transplantationszentrum für die Operation vorbereitet. Unmittelbar nach der Entnahme werde das Organ in einer speziellen Flüssigkeit gelagert und sofort per Flugzeug weitertransportiert, denn der Zeitfaktor spiele eine erhebliche Rolle: „Je länger das Organ außerhalb des Körpers ist, umso geringer ist der Erfolg der Transplantation“, führt Kimminich weiter aus.

Einen Zuwachs sieht der Beauftragte für Organspenden bundesweit bei den sogenannten Lebendspenden, bei denen meist ein Angehöriger ein Organ spende. Prominentes Beispiel sei Außenminister Steinmeier, der 2010 seiner Frau eine Niere gespendet habe. Aber das sei nicht ohne Risiko für den Spender, falls das verbliebene Organ später erkranke. „Zurzeit wird viel dazu geforscht, für wen das Risiko, mit nur einer Niere weiterzuleben, zu verantworten ist und für wen nicht“, sagte Kimminich.

Der größte Bedarf an Organen bestehe bei Nieren. Auch viele junge Menschen seien schon auf Organtransplantationen angewiesen, betonte Kimminich.

„Ich bin keine Ärztin oder Polizistin, die täglich Leben rettet, aber wenn jemand durch meinen Tod wieder sehen kann oder wieder Freude am Leben haben kann, warum sollte ich dann die Chance, ein Leben zu retten, vergeuden?“, sagte die potentielle Organspenderin Anne Grelck, die ihren Ausweis seit ihrem 16. Lebensjahr immer bei sich trägt.

Mögliche Organspender sollten ihre Verwandten davon in Kenntnis setzen, da im Falle eines Todes zuerst die Verwandten informiert würden. Trage der Patient seinen Organspendeausweis nicht bei sich, liegt die Entscheidung bei den Verwandten.

Organspendeausweise und weitere Informationen sind im Itzehoer Klinikum erhältlich, aber auch in fast allen Apotheken und bei den Krankenkassen.

Anna-Christine König, Finn
Dohrn, Dilek Gürlek, Oliver
Katterre und Alissa Stahmer,
Klasse HHSU1, Handelslehr-
anstalt Neumann, Itzehoe,
mit Lehrerin Antje Christians

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