zur Navigation springen

Wirtschaft im Kreis Steinburg : Mit Mut zu flexiblen Arbeitsmodellen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Messe für beruflichen Wiedereinstieg in der Stadtbibliothek Itzehoe zeigt Perspektiven auf.

von
erstellt am 10.Nov.2017 | 11:42 Uhr

Ins Berufsleben einsteigen oder zurückkehren – welche Möglichkeiten gibt es ? Informationen aus verschiedensten Blickwinkeln gab dazu gestern die Messe „Leinen los“. Mit dem Verlauf zeigte sich Astrid Nielsen (Frau & Beruf) vom Organisationsteam zufrieden. Die Stadtbibliothek Itzehoe sei für eine solche Messe wunderbar geeignet. Dafür hatten die Veranstalter – die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Steinburg, die Bundesagentur für Arbeit Heide, das Jobcenter Steinburg und die Beratungsstelle Frau & Beruf – Themenschwerpunkte gesetzt. Nachdem Karin Lewandowski, Frauenbeauftragte der Stadt Itzehoe, Aussteller und Besucher begrüßt hatte, gaben Karen Ziemann (Jobcenter) und Andreas Böckmann (Arbeitsagentur) einen Überblick über den Arbeitsmarkt in Steinburg. Eine Gesprächsrunde mit Wiedereinsteigerinnen und Arbeitgebern führte später Wiebke Tischler, Gleichstellungsbeauftragte im Amt Kellinghusen.

Dazwischen konnten sich die Besucher bei Unternehmen, Bildungsträgern und Fachstellen rund um den beruflichen (Wieder-)Einstieg einen Überblick verschaffen. Auch der Austausch mit Frauen, die ihren Weg bereits gefunden haben, gehörte dazu. So wie Birgit Sievers, Heike Sierk, June Kohstall und Christin Rose. Die vier Frauen erzählten ihre Wiedereinstiegsgeschichten, und aus Arbeitgebersicht wurden Beschäftigungsmodelle erklärt. Die Zuhörerinnen staunten nicht schlecht, als Stefan Vergo, Geschäftsführer der Stadtwerke Heide, ein Personalkonzept vorstellte, das Teilzeit in verschiedenen „Bausteinen“ nach den Bedürfnissen der Angestellten umsetzt. „Der Bedarf ist einfach da, flexibel einsteigen zu können und dabei bleiben zu wollen. Und wir als Betrieb profitieren von hochmotivierten Frauen und Männern, von qualifizierten Fachkräften.“ Selbst im Schichtbereich bieten die Stadtwerke flexible Arbeitszeitmodelle. Wichtig sei dabei sowohl die Bereitschaft des Unternehmens als natürlich auch die Akzeptanz aller Mitarbeiter – und Vertrauen. Und das Modell funktioniere gut. Die Stadtwerke Heide fingen vor 20 Jahren an, sich dem Bedarf an Teilzeitarbeit zu stellen. Von der weiteren Entwicklung profitierten Birgit Sievers und Heike Sierk. Nach dem ersten Kind habe sie Teilzeit gearbeitet, mit dem zweiten wurde die Betreuungssituation schwieriger, so Sievers. Sie ist im Controlling tätig, bekam das Angebot ihres Arbeitgebers, im Home-Office zu arbeiten. „Und das geht heute noch wunderbar. Man muss sich disziplinieren, feste Zeiten haben – eben wie sonst auch im Büro.“ Heike Sierk hatte wegen der Kinder 13 Jahre pausiert. Dann war sie auf 450-Euro-Basis wieder bei den Stadtwerken angefangen, nach etwa vier oder fünf Monaten konnte sie in Teilzeit an die Kasse in der Dithmarscher Wasserwelt wechseln. „Da war ich ein Jahr lang. Mein Wunsch war es, wieder ins Büro zu kommen.“ Auch das ergab sich, jetzt arbeitet sie 19,5 Stunden die Woche.

In der Stadtbibliothek arbeiten auch viele Wiedereinsteigerinnen. „Es gibt unterschiedliche Arbeitszeitmodelle“, berichtete Leiterin Traute Jankowski-Seebandt. „Im öffentlichen Dienst ist es ein bisschen leichter, weil das Recht darauf besteht, Arbeitszeiten zu reduzieren und dann wieder auszuweiten“, räumte sie ein. Eine Wiedereinsteigerin „in ganz kleinen Schritten“ ist dort June Kohstall. Die Diplom-Bibliothekarin schilderte ihren beruflichen Neuanfang über Ehrenamt, Minijob, Deutschlehrerin als Quereinsteigerin hin zur Stadtbibliothek Itzehoe in diesem Jahr. Dass sogar der Wiedereinstieg mehrfach gelingen kann, berichtete Christin Rose. Sie hatte Friseurin gelernt. Dann entschloss sie sich, zur Kauffrau im Gesundheitswesen umzuschulen, arbeitete bei einer Krankenkasse. Nach der Geburt ihrer Tochter arbeitete sie als Bürokauffrau, war als Hauswirtschafterin auf einem Bauernhof tätig und wechselte schließlich zur Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe. Sie habe „gekämpft auf allen Ebenen“, zollte Wiebke Tischler der allein erziehenden Mutter Respekt. „Ich finde das einfach schön, dass das gelingen kann“, sagte sie und fragte alle Gesprächspartner nach ihren Tipps. Überwiegend galt der Rat, eigene Arbeitszeitmodelle überlegen, überzeugt und überzeugend auftreten, nie den Mut verlieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen