Erste Tour führt um die Ostsee : Mit „Lotta“ auf schneller Fahrt

Am Langen Rack: Dörte und Karl-Heinz Faust auf der „Lotta“
Am Langen Rack: Dörte und Karl-Heinz Faust auf der „Lotta“

Karl-Heinz und Dörte Faust sind begeisterte Segler und haben sich einen Lebenstraum erfüllt. Mit einer größeren Yacht stechen sie nun von Wilster aus in See.

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03. November 2013, 17:00 Uhr

33 Jahre lang – von 1979 bis 2012 – befuhren Karl-Heinz und Dörte Faust mit der „Nis Puck“ die Gewässer von Elbe, Nord- und Ostsee sowie den Tidenfluss Stör und legten dabei rund 50 000 Seemeilen zurück. 33 Jahre lang war das Lange Rack – zwischen Kasenort und Beidenfleth an der Stör in Groß Kampen gelegen – der Heimathafen des 10,75 Meter langen Segelbootes. Trotz der guten Dienste, die die „Nis Puck“ in all den Jahren bei Fahrten bis England und Schottland oder hoch nach Bergen in Norwegen, hinein in die Ostsee bis Stockholm und weiter bis zu den finnischen Åland Inseln geleistet hatte: Der Traum von Karl-Heinz Faust war immer, ein moderneres Schiff zu haben.

Als sich dann vor Jahresfrist nach dem Verkauf der „Nis Puck“ die Gelegenheit bot, den Wunsch in die Tat umzusetzen, reiste das in der Seglervereinigung Wilster organisierte Ehepaar zusammen mit Sportsfreund Wilfried Ohliger an den Limfjord und erwarb dort seinen Traum: „Die ‚Lotta’ haben wir dann später mit Christian Niefert von Skive aus über die Ostsee und den Nord-Ostsee-Kanal ans Lange Rack gebracht“, erzählt Karl-Heinz Faust von der Überführung der 11,98 Meter langen Dehler-Yacht mit 88 Quadratmeter Segelfläche.

Miterlebt haben ab Brunsbüttel aber auch noch andere diese Tour. Dörte Faust: „An der Brunsbütteler Schleuse haben Seglerfreunde von der Stör mit ihren Booten auf uns gewartet, um gemeinsam mit uns das letzte Streckenstück bis Groß Kampen zurück zu legen.“

Der Wunsch zum Wechsel erwuchs auch unter dem Gesichtspunkt, dass Karl-Heinz und Dörte Faust eine Yacht haben wollten, die schneller als die im Jahre 1979 von der Feltz-Werft in Finkenwerder gebaute „Nis Puck“ mit ihren 65 Quadratmeter Segelfläche segelt. Aufgrund des guten Yardstick-Wertes gepaart mit seglerischem Können gewann das Ehepaar Faust auf der „Nis Puck“ zwar mehrmals bei der Störregatta das „Grüne Band der Stör“ für den Schnellsten nach berechneter Zeit, doch mit modernen Schiffen konnte es hinsichtlich der absoluten Schnelligkeit nicht mithalten. „Bei Regatten oder an normalen Wochenenden hinter anderen hinterherzufahren, das nervte auf Dauer doch“, bekräftigt Dörte Faust die Entscheidung für den Schiffswechsel. Und dass mit der „Lotta“ in punkto Leistungsfähigkeit dann auch das Richtige unternommen worden war, bestätigte sich für die neuen Eigner bereits während der Überführungsfahrt: „Andere sagten uns, dass wir mit der ‚Lotta’ keine Regatta gewinnen werden, aber trotz der alten Segel, mit denen unser neues Schiff damals noch ausgestattet war, zeigte das Boot, welches Geschwindigkeitspozential in ihm steckt“, blickt Dörte Faust zurück.

Dass die „Lotta“ einen guten Schnitt fahren kann, bestätigte sich für das Ehepaar Faust dann bei der Störregatta Ende September. Mit neuen Segeln bestückt, landete es in der Wertung „Blaues Band der Stör“ (Schnellster nach gesegelter Zeit) hinter der „X-Tours“ von Andreas Dahm und Sabine Maas an zweiter Stelle – 30 Schiffsbesatzungen hatten sich an der Traditionsregatta beteiligt. Was jetzt noch an Speed fehlt, erklärt Karl-Heinz Faust so: „Die ‚Lotta’ hat jetzt neue Segel, darauf und auf die Handhabung des Schiffes muss ich mich in der kommenden Zeit noch besser einstellen.“

Ihre Bewährungsprobe hatte „Lotta“ aber bereits vor der jüngsten Störregatta bestanden: Von Anfang Juni bis Mitte August segelte Karl-Heinz Faust mit wechselnden Crews rund um die Ostsee und steuerte dabei von Deutschland aus Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Finnland, Schweden und Dänemark an. Allerdings, so Dörte Faust: „Häfen, die wir mit der ‚Nis Puck’ noch problemlos anlaufen konnten, blieben uns mit der ‚Lotta’ verwehrt. Ihr Tiefgang mit zwei Metern liegt über dem der ‚Nis Puck’. “ Insgesamt, so erinnert sich Karl-Heinz Faust, sei die Tour rund um die Ostsee „sehr entspannt“ gewesen. Einzige unangenehme Erfahrung – die Fahrt durch das russische Hoheitsgebiet: „Die Russen haben ihr gesamtes Hoheitsgebiet auf der Ostsee zum Schießgebiet deklariert, aber niemand konnte mir unterwegs sagen, ob und wann sie schießen. Auf jeden fall durften wird nicht in die Zwölf-Meilen-Zone hinein, denn sonst hätten sie uns aufgebracht.“ Als die „Lotta“ dann zusammen mit drei anderen angemeldeten Yachten von Hela aus in Richtung Klaipeda fuhr und zwischenzeitlich an die russische Grenze kam, lag voraus ein russisches Kriegsschiff. „Die Russen zwangen uns, vor ihrem Schiff herumzufahren, und sie sind auch rückwärts gefahren, um uns zu behindern. Da wurde ich richtig nervös.“ Vollends irritiert war Karl-Heinz Faust aber, als dann auch noch ein zweites Kriegsschiff auftauchte. „Es blieb zwei bis drei Stunden neben uns, und russische Marinesoldaten beobachteten uns während der Fahrt bei Windstärke sechs.“ Ein Trost: Die Russen schossen nicht.





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