Frauennetzwerk : Mit „Kopf“ in die Kommunalpolitik

„Kopf“-Vorstand: (v.li.) Gerlinde Böttcher-Naudiet, Doris Ulka, Vorsitzende Sina Esselborn-Große, Ilona Adamski und Inken Carstensen-Herold. Es fehlt die Vize-Vorsitzende Marion Gaudlitz.
„Kopf“-Vorstand: (v.li.) Gerlinde Böttcher-Naudiet, Doris Ulka, Vorsitzende Sina Esselborn-Große, Ilona Adamski und Inken Carstensen-Herold. Es fehlt die Vize-Vorsitzende Marion Gaudlitz.

Das kommunalpolitische Frauennetzwerk im Kreis Steinburg („Kopf“) will Mut auf Politik machen. Ziel ist es, bei der nächsten Kommunalwahl mehr weibliche Abgeordnete in die Gemindeparlamente zu bringen.

shz.de von
24. Juli 2015, 04:54 Uhr

Frauen sind in der Kommunalpolitik deutlich unterrepräsentiert. Das sagen die Mitstreiterinnen von „Kopf“, dem kommunalpolitischen Frauennetz im Kreis Steinburg. Das zeigt aber auch ein Blick in die meisten Gemeindeparlamente, Ausschussbesetzungen und den Kreistag. Im höchsten Gremium des Kreises sitzen bei 45 Abgeordneten 13 Frauen – vier von der SPD, drei jeweils von der CDU und den Grünen, eine von den Linken und zwei ohne Parteizugehörigkeit, die allerdings der Piraten-Fraktion angehören.

Ebenso bunt wie im Kreistag ist auch „Kopf“ zusammengesetzt. „Wir sind absolut überparteilich“, unterstreicht Sina Esselborn-Große (SPD) die bei der jüngsten Sitzung Jutta Ohl als Vorsitzende abgelöst hat. „Uns eint das gleiche Anliegen“, macht denn auch Inken Carstensen-Herold (Bündnis 90/Grüne, Beisitzerin) deutlich. Und das bedeutet: „Wir möchten einfach mehr Frauen in die Kommunalpolitik bringen“, sagt Doris Ulka (CDU, Schriftführerin). „Und dazu gehört es vor allem, den Frauen, die grundsätzlich Interesse haben, Mut zu machen“, erklärt Gerlinde Böttcher-Naudiet (SPD, Beisitzerin).

In der Vergangenheit – und das sind inzwischen bereits elf Jahre – hat das Frauennetzwerk Vorträge angeboten, einen Politik-Check organisiert und Gespräche mit Frauen aus der „großen Politik“ veranstaltet. Auch dabei habe man stets auf Ausgewogenheit geachtet, so Schatzmeisterin Ilona Adamski (parteilos). Neben einer Unterstützung durch die Böll-Stiftung wird auch eine enge Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsbeauftragten Tinka Frahm (Kreis) und Wiebke Tischler (Amt Kellinghusen) gepflegt.

„Wir wollen zeigen, dass sich Frauen einmischen. Aber wir wollen auch zeigen, wie das geht“, erklärt Adamski. Darum habe man nicht nur immer wieder Politikerinnen eingeladen, die aus ihrer Arbeit und ihren persönlichen Erfahrungen berichten, sondern „Kopf“ will auch Hilfestellung geben. „Es gibt zum Beispiel oft die Aussage von jüngeren Frauen, dass es keine Kinderbetreuung gibt, wenn die Ausschüsse tagen“, sagt Esselborn-Große. Dabei könne die Gemeinde sogar zur Bezahlung eines Babysitters herangezogen werden. „Vielen fehlt einfach das Wissen.“

Mit einem Seminar über Rethorik und Kommunikation hat „Kopf“ im vergangenen Jahr bereits einen Anfang gemacht. „Da wollen wir anknüpfen und das wollen wir fortsetzen“, sagt Carstensen-Herold. Die Frauen sollen lernen, ihre Wünsche zu formulieren und durchzusetzen. „Es ist wichtig, dass die Frauen auch den Mut haben, in Ausschüsse zu gehen, die als Männerdomäne gelten“, meint Adamski. Wir wollen ein Forum einrichten, in dem sich die interessierten Frauen austauschen können, und wir wollen mit öffentlichen Veranstaltungen eine Reihe schaffen, die Mut auf Kommunalpolitik macht“, fasst Esselborn-Große zusammen. Dass „Kopf“ durchaus beitragen kann, Frauen in die Politik zu bringen oder sie auf dem Weg zu unterstützen zeigt Karin Thissen. Die Sozialdemokratin ist Mitglied bei „Kopf“ und sitzt inzwischen für ihre Partei im Bundestag.

Das nächste Ziel ist die Kommunalwahl in 2017. „Bis dahin ist noch ein wenig Zeit und vielleicht gelingt es uns ja, das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ein wenig zu recht zu rücken“, sagt Ilona Adamski. Wobei Männer auch bei „Kopf“ willkommen sind – als fördernde Mitglieder.

>Die Kopf-Vorsitzende Sina Esselborn-Große ist per E-Mail erreichbar: sina-grosse@t-online.de

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