Interview : Mit Köpfchen statt Oberarmen

Halt, nicht jeder kommt rein: Türsteher Ahmet Tok selektiert und dirigiert an der Tür die Gäste.
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Halt, nicht jeder kommt rein: Türsteher Ahmet Tok selektiert und dirigiert an der Tür die Gäste.

Türsteher Ahmet Tok über seinen Berufsalltag im Colosseum in Wilster, gefährliche Situationen an der Tür und berühmte Gäste.

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14. Mai 2018, 05:00 Uhr

In unsere Serie stellen wir Menschen vor, die nachts arbeiten. Heute: Der Türsteher Ahmet Tok, vom TSD Sicherheitsdienst ist unter anderem im Colosseum in Wilster tätig. Am wichtigsten ist es für ihn, „fair und sauber“ zu arbeiten. Südländer sei er selber, deshalb werden alle Gäste gleich behandelt.

Herr Tok, was macht einen guten Türsteher aus?
Ahmet Tok: Wer aussieht wie ein Brecher, muss kein guter Türsteher sein. Stattdessen braucht es drei bis vier Jahre, um gewisse Erfahrungen an der Tür zu sammeln. Dann hat der Türsteher einiges miterlebt und weiß, worauf er sich einstellen muss. Ein entscheidender Punkt ist außerdem, wie man sich an der Tür mit den Leuten gibt. Respekt erlangt man nicht mit dem Oberarm.

Sondern?
Mit Köpfchen. Und im Endeffekt durch die Erfahrung.

Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung sagen, ist auf der Schicht die größte Herausforderung?

Der schwierigste Punkt ist im Endeffekt die Ausweiskontrolle. Wir arbeiten immer in zwei Gruppen. Die eine arbeitet an der Tür und kontrolliert die Ausweise. Die andere Gruppe läuft drinnen rum und beobachtet das Umfeld.

Welche Probleme gibt es mit den Ausweisen?

Beim Alter wird viel geschoben. Wir versuchen dann einigermaßen aufzuklären. Wenn Zweifel aufkommen, guckt man eben auf der Rückseite – wie groß ist die Person, was für eine Augenfarbe hat sie. Und dann kann man ganz dumm fragen, wann die Person geboren ist. Wurde ein Ausweis weitergegeben, dann kann dieser bei der Polizei abgeholt werden. Ohne Ausweis geht gar nichts.

Was für Menschen versuchen das?

Von – bis. Wir haben nichts gegen Ausländer, wir lassen alle rein – aber es gibt eine wichtige Spielregel.

Welche ist das?
Man muss sich benehmen wie ein Gast. Frauen sind außerdem kein Freiwild, sondern werden mit Respekt behandelt. Wer das nicht tut, muss woanders hin.

Entstehen dadurch Konflikte?

75 Prozent der Hauereien entstehen durch weibliche Personen, denn Eifersucht spielt eine große Rolle. Die anderen 25 Prozent sind Pillepalle, mit Anrempeln und Ausländerstolz – das eskaliert schnell.

Was war das gefährlichste, was Ihnen bei einer Schicht passiert ist?
Ein Gast hatte eine Handgranate dabei.

Wie haben Sie da reagiert?

Bevor ich Türsteher geworden bin, war ich bei der Bundeswehr, deshalb war ich recht ruhig. Ich habe gecheckt, was vor und hinter mir ist – eine Stahltür und eine Person, die ich wegschubsen konnte – und dann habe ich mich dem Gast gewidmet. Dieser ist dann aber mit einem Taxi weg gefahren und die Polizei hat übernommen.

Was war dagegen der interessanteste Gast, der bei Ihnen an der Tür stand?

Der Bachelor Paul Janke war unter anderem mal bei mir. Rosen hatte er keine dabei.

Und wie verbringen Sie Ihren Feierabend nach solchen Begegnungen?

Im Colosseum sitzen wir meistens noch zusammen, trinken eine Cola und dann geht jeder seine Wege. Ich fahr nach Hause, trinke ein Feierabendbier und gehe schlafen.






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