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Stiftung : Mit Hilfe zurück ins geregelte Leben

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sie hilft Straftätern bei der Rückkehr in die Gesellschaft: Der Preis der Stiftung Straffälligenhilfe wird im Rahmen der KrimiNordica am 2. November im theater itzehoe verliehen.

Ein Mensch ist auf die schiefe Bahn geraten, hat ein Verbrechen begangen. Er wird verurteilt und sitzt seine gerechte Strafe ab. Und dann? Was passiert, wenn sich die Gefängnistore für ihn wieder öffnen? Den Straffälligen erwarte das finanzielle Fiasko, weiß Dietmar Wullweber, Vizepräsident des Landgerichts Itzehoe. Durch die Kosten für das Verfahren, für den Verteidiger, eventuelle Ansprüche Dritter wie Schmerzensgeld oder Schadenersatzforderungen, stehe er vor dem Ruin. „Dann kommt er aus dem Vollzug, steht seinen Gläubigern gegenüber und muss aus der Arbeitslosigkeit heraus zurück ins Leben.“ Die Gefahr, dass sich ein Gefühl der Sinnlosigkeit einstellt, ist groß – der Rückfall droht.

Die Stiftung Straffälligenhilfe, dessen ehrenamtlicher Vorstand Wullweber seit dreieinhalb Jahren ist, will das verhindern. Die Stiftung wurde vor 31 Jahren mit Kapital des Landes gegründet – mit Blick auf den gesetzlich verankerten Auftrag der Resozialisierung von Straftätern und dem Gedanken, „dass man soziale Strafrechtspflege nur betreiben kann, wenn man straffällig gewordenen Menschen die Chance gibt, einen Wiederanfang in der Gesellschaft zu starten“, erklärt Wullweber. „Jeder, den wir in die Gesellschaft zurückholen können, ist ein Gewinn für die Gesellschaft.“

Straffällige in Schleswig-Holstein, die in wirtschaftliche Not geraten sind, werden finanziell unterstützt durch Darlehen. „Wir vergeben keine Almosen, sondern die Darlehen sind rückzahlbar in bezahlbaren Raten über eine Laufzeit von maximal fünf Jahren.“ Das Darlehen diene der Entschuldung oder werde für bestimmte Anlässe gezahlt, beispielsweise, um die Kaution für eine Wohnung leisten zu können oder den Führerschein zu machen und so die Job-Chancen zu erhöhen. „Damit werden die Opfer keineswegs vergessen“, betont Wullweber. Denn das Darlehen könne auch beim Täter-Opfer-Ausgleich helfen und dafür sorgen, dass das Opfer zeitnah entschädigt werden.

Seit 1995 wurden 469 Darlehen über insgesamt 771 000 Euro gewährt. Ende 2012 liefen doch 202 Darlehen, 61 neue Anträge wurden in 2012 bearbeitet. Die Summe für uneinbringliche Forderungen lag in diesem Jahr bei 416,86 Euro – die Ausfallquote sei sehr gering, betont Wullweber.

Die zweite Säule der Stiftung ist der Stiftungspreis „Arbeit für Straffällige“, der seit 2006 ausgelobt wird und mit 2500 Euro dotiert ist. Damit werden beispielhafte Aktivitäten ausgezeichnet, die Straffälligen den Weg in bezahlte Arbeit ebnen. Denn das Rückfallrisiko steige signifikant bei Straffälligen ohne Beschäftigung.

In diesem Jahr wird der Preis im Rahmen des Festivals „KrimiNordica“ bei der Gala zum NordMordAward am 2. November im theater itzehoe verliehen – von Justizministerin Anke Spoorendonk, die Kraft Amtes Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung ist. Die Verleihung sei eine Besonderheit, betont Wullweber. Erstmals verlasse man zu diesem Zweck Kiel und trage den Stiftungsgedanken „hinaus ins Land“. „Wir wollen die Stiftung mehr in die Öffentlichkeit bringen, die KrimiNordica ist eine gute Gelegenheit“, sagt Wullweber, der selbst für die zweite Besonderheit sorgt: Mit dem Itzehoer Landgerichts-Vizepräsidenten ist der Vorstand erstmals mit jemandem besetzt, der nicht aus Kiel stammt.

„Itzehoe muss Flagge zeigen“



Eine stattliche Anzahl von Prominenten aus Medien, Justiz und Politik hat sich angekündigt – von Ingo Naujoks über Manfred Degen bis zur Präsidentin des Oberlandesgerichts und dem Chefredakteur des sh:z. Sie alle kommen zur Verleihung des NordMordAward am 2. November, weil sie das Festival „KrimiNordica“ unterstützen wollen. Zwei NDR-Journalisten tragen – ohne Honorar – die Siegergeschichten am Abend der Verleihung des bisher größten Krimipreis des Nordens vor, untermalt von Musikcollagen des Hörspiel- und Filmmusik-Profis Hans Schüttler und mörderischen Musikstücken, die von lokalen Künstlern dargeboten werden.

„Kiel schaut auf uns, die Medien schauen auf uns, die Krimiszene hat uns erstmals auf dem Radar“, sagt Stadtmanagerin Lydia Keune-Sekula. „Jetzt fehlt nur noch ein richtig volles Haus! Unsere Stadt darf an dieser Stelle ruhig mal Flagge zeigen.“ Weit über die Hälfte des Theaters sei bereits ausgebucht. Um die „Strahlkraft“ als lebendiger Justiz- und Kulturstandort zu untermauern, wünscht sich Keune ein Theater, „das aus den Nähten platzt“, wie beim Jubiläumsfestakt. „Die sollen alle sehen, dass Itzehoe was drauf hat und stolz darauf ist.“

> Tickets für neun Euro beim Stadtmanagement (04821/949012-0).

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erstellt am 22.Okt.2013 | 05:00 Uhr

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