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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 21:25 Uhr

Mit Gastfreundschaft ins neue Jahr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Flüchtlinge feiern mit ihren Wilsteraner Gastgebern den Jahreswechsel nach dem iranischen Kalender

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2016 | 14:00 Uhr

Weltweit genießen Iraner hohes Ansehen, wenn es um Gastfreundschaft geht: „Der Gast ist ein Geschenk Gottes“, lautet ein frei übersetztes persisches Sprichwort. Einen kleinen und doch intensiven Einblick in diese Form der Gastfreundschaft erlebten jetzt zahlreiche Besucher des Gemeindehauses in der Sonninstraße.

Zu einer Begegnung der Kulturen unter der Leitung von Pastor Karl-Wilhelm Steenbuck und Sarour Sadat Kashanian hatte die Kirchengemeinde Wilster geladen. Doch für die aus dem Iran stammenden Neubürger war es wesentlich mehr als ein kultureller Austausch. „Der heutige Abend ist für uns Iraner etwas ganz besonderes. Heute feiern wir das persische Neujahrsfest Nouruz. Für uns beginnt das neue iranische Jahr 1395“, sagte Sarour Sadat Kashanian. Ein Brauchtum, das bereits seit über 3000 Jahren gepflegt wird und welches es somit schon vor der Entstehung des christlichen Glaubens gab.

„Nouruz ist mehr so etwas wie ein Naturfest und kann daher von jeder Religion gefeiert werden. Der Nouruz-Tag wurde 2009 von der UNESCO in der Liste der Menschheitskulturerbes aufgenommen“, so Karl-Wilhelm Steenbuck. Als der Pastor den persischen Abend klangvoll mit den iranischen Nationalhymnen einleitete, kullerte so manch eine Träne. „Es ist für mich das erste Neujahrsfest fern meiner Heimat“, äußerte Zahraa Rayzan sichtlich gerührt.

Wie in Deutschland, so wird auch im Iran der Jahreswechsel mit bestimmten Ritualen und nahestehenden Menschen gefeiert. Gleich mehrere in Wilster ansässige iranische Familien hatten sich sofort bereit erklärt, bei der Ausrichtung dieser Veranstaltung im Gemeindehaus zu helfen und ein großes traditionellen Neujahrsessen vorzubereiten.

„Wir haben in Wilster viele tolle Menschen kennen gelernt, die unglaublich hilfsbereit sind“, sagte Sarour Sadat Kashanian. Vor zwei Jahren floh die gebürtige Iranerin, die von allen Roja genannt wird, alleine nach Deutschland. „Das war für mich ein unglaublich schwieriger Schritt, denn ich habe nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Familie verlassen müssen“, so Roja.

Die Ausrichtung des persischen Abends im Gemeindehaus nutzte sie zum einen, um den Brauchtum des „Haft Sin“ vorzustellen. Dabei handelt es sich um ein Ritual, bei dem sieben Elemente auf einer Festtafel angerichtet werden, die mit dem persischen „S“ beginnen und eine tiefere Symbolik haben, die das Leben ehren. Zum anderen bedankte sie sich auch im Namen der iranischen Familien, die in Wilster Zuflucht gefunden haben, bei allen Helfern die ihnen in dieser schwierigen Zeit zur Seite gestanden haben und immer noch stehen.

Während Roja vor wenigen Tagen das langersehnte Bleiberecht erhalten hat und sie sich nun ein neues Leben in Hamburg aufbauen möchte, warten viele Familien noch erwartungsvoll auf die Bearbeitung ihres Asylantrags. Beim gemeinsamen Erfahrungsaustausch klagten insbesondere die deutschen Helfer über die zahlreichen Hürden, die vielen Flüchtlingen, die sich ernsthaft in die Gesellschaft integrieren möchten, immer wieder in den Weg gestellt werden.


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