Energiewende : Mit frischem Wind aus tiefem Tal

Im vergangenen September wurde der im Kreis Ostholstein gelegene Windpark Schönwalde-Altenkrempe in Betrieb genommen.
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Im vergangenen September wurde der im Kreis Ostholstein gelegene Windpark Schönwalde-Altenkrempe in Betrieb genommen.

Genossenschaft Prokon Regenerative Energien zieht in Itzehoe zufrieden Bilanz und blickt optimistisch in die Zukunft.

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27. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Professionelle Arbeit. Eine „angenehme Rendite“. Und dazu: „Ein bisschen was fürs Herz.“ Die Mischung macht’s bei Prokon, findet Vorstand Henning von Stechow. „Die genossenschaftliche Idee hat sehr segensreich gewirkt, um Kunden, Mitarbeiter und Partner mitzunehmen.“ Das tiefe Tal der Insolvenz des Windkraftunternehmens ist Geschichte. Aus ihr ging die Genossenschaft Prokon Regenerative Energien hervor – und diese blickt laut von Stechow auf ein „außergewöhnlich erfolgreiches Jahr“ zurück.

2016 seien neue Anlagen mit einer Leistung von 130 Megawatt genehmigt worden, ein Rekord. 101 Megawatt davon und fünf neue Windparks wurden bereits in diesem Jahr umgesetzt, zuletzt der Windpark Fleetmark II in Sachsen-Anhalt. Seit dem Start im Juli 2015 sei die Genossenschaft allein in diesem Bereich, auch dank des Einsatzes leistungsstärkerer Rotoren, um mehr als 20 Prozent gewachsen. Die Projektentwicklung und der Betrieb seien die Erfolgsgaranten, denn dort sei die Erfahrung aus vielen Jahren verankert, sagt von Stechow.

50 bis 100 neu installierte Megawatt sollten es sein in einem Jahr. Das machen die neuen Vorgaben erst einmal schwieriger: Im Optionsverfahren bekommen die günstigsten Bieter den Vorzug, wenn die Bundesnetzagentur vier Mal im Jahr je 700 Megawatt ausschreibt. Es gebe bundesweit viel mehr Projekte als Ausschreibungsvolumen, so Vorstand Heiko Wuttke. Bezogen auf den Gesamtmarkt stellt er fest: „Es wird eine Delle geben.“ Denn die Vergütung ist gegenüber früheren Zeiten auf rund die Hälfte gesunken.

Eine Herausforderung sei es ganz sicher, ergänzt von Stechow. Aber: „Es ist richtig, auf diese Weise einen Beitrag zur gesteigerten gesellschaftlichen Akzeptanz der Windkraft zu leisten. Je weniger Subventionen wir vom Staat bekommen, desto besser.“ Bis 2020 sei ein deutlicher Rückgang des Ausbaus zu erwarten, „das ist das Gegenteil von dem, was wir brauchen“. Die Unternehmen benötigten einen „belastbaren, investitionssicheren Ausbaupfad“ bis 2030 – denn es gehe darum, die Klimaschutzziele zu erreichen. Gespannt verfolgt Prokon deshalb die Bemühungen um eine Regierungsbildung. Und mischt mit, wenn es in der Politik um die erneuerbaren Energien geht: „Dafür sind wir mit 39 000 Mitgliedern zu groß, als dass wir nur hingucken“, sagt Wuttke. Die Genossenschaft bringt über das Bündnis Bürgerenergie und Windkraftverbände ihre Meinung ein, aber auch über den Genossenschaftsverband.

39 000 Mitglieder. „Allein im letzten Jahr sind über 1000 neue hinzugekommen“, so Wuttke. Der durchschnittliche Genossenschaftler sei Akademiker, die Anteilnahme ist groß: „Wir sind etwas anderes als eine normale Aktiengesellschaft. Unser Mitgliederbetreuung hat in den letzten zweieinhalb Jahren 150 000 Anfragen bearbeitet.“ Richtig so – es sei wichtig, das Thema in der Bevölkerung zu verankern. Dabei hilft auch der direkte Verkauf von Ökostrom: Knapp 30 000 Kunden hat Prokon in diesem Bereich.

Noch bis zum Jahr 2030 muss Prokon die Käufer einer Anleihe in Höhe von 500 Millionen Euro mit Zins und Tilgung bedienen, eine der Regelungen aus dem Insolvenzplan. „Das ist der Insolvenzrucksack, den wir mittragen“, sagt Unternehmenssprecherin Anne Dittrich. Doch gerade bei den Partnern sei die Vergangenheit kein Thema mehr, betont Wuttke. 101 Megawatt in diesem Jahr umgesetzt, das bedeute Investitionen von knapp 200 Millionen Euro – und zeige, dass das Vertrauen zurückgekehrt sei.

Auch die Aktivitäten im Ausland baut Prokon aus. In Polen stehen 45 Windkraftanlagen (90 Megawatt), politische Rahmenbedingungen machten das allerdings zur Herausforderung, so von Stechow. Dennoch: Es wurde erfolgreich gegengesteuert, „wir glauben langfristig daran“, denn die Energiewende sei ein Thema für ganz Europa. In Finnland gebe es eine „gute Pipeline“ mit 500 Megawatt, zudem die interessante Möglichkeit, Windstrom direkt an Privatabnehmer zu verkaufen – in Deutschland sei man noch nicht so weit. Doch auch hierzulande werde die Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien verfolgt, sagt Wuttke. Beispiel: Gemeinsam mit den Stadtwerken Itzehoe bietet Prokon Wandladestationen für Elektroautos an.

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