Freizeit : Mit „Flocke“ dem Horizont entgegen

Kurz vor dem Abflug richtet sich der Ballon auf etwa 35 Meter Höhe auf. Fotos: Ruff (2)
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Kurz vor dem Abflug richtet sich der Ballon auf etwa 35 Meter Höhe auf. Fotos: Ruff (2)

Beim Ballonfahren lässt sich der Blick auf Schleswig-Holstein genießen

shz.de von
04. August 2018, 15:00 Uhr

Riesengroß und blau-weiß ist der Heißluftballon, der über den Himmel am Flugplatz Hungriger Wolf schwebt. Langsam bewegt er sich in etwa 150 Metern Höhe Richtung Südosten. Wo er landen wird, ist noch unklar.

Sieben Gäste stehen im Korb des Ballons, außerdem der Pilot Jörg Freese und ich. Im Korb ist es fast windstill und angenehm kühl bei den sommerlichen Temperaturen am Boden. Seit etwa einer Viertelstunde schwebt der Ballon nun durch die Luft, die Vorbereitung dafür hat etwa eine Dreiviertelstunde gedauert. Eine Stunde vor dem Start liegt der Ballon noch am Boden – ausgebreitet von den Mitfahrern. „Ohne die Ballon-Gäste“, so nennt Freese sie, „wird das hier nichts, und ohne unsere Verfolger sowieso nicht“, erklärt er. Es sei eine Teamaktion, und das gefalle den Gästen.

Langsam füllt sich die Ballonhülle mit Luft. Etwa 6000 Kubikmeter fasst sie. Freese lässt mich hineinsteigen – wie ein großes Zirkuszelt ist es hier drinnen. Die Luft, die in dieser Hülle erwärmt wird, wird den Ballon etwa eine Stunde lang durch die Luft tragen. Den Landeort bestimmt der Wind. Freese orientiert sich dafür an einem Wettermodell der Universität Basel. Als der Korb erst langsam und dann immer schneller vom Boden abhebt, bewegt er sich Richtung Südosten – es herrscht Wind aus Nordwest. Im Korb ist es ganz still, alle lehnen sich über den Rand und staunen.

„Ich habe gelesen, beim Ballonfahren gibt es keine Höhenangst“, sagt Monika Becker aus Glückstadt. Und wirklich: Die ganze Fahrt über ist sie entspannt und genießt den Ausblick. Sie ist gemeinsam mit Tochter Sandra und Ehemann Roland gekommen. Sandra Becker hat das Fernglas vor den Augen und beobachtet die vorbeiziehende Landschaft. „Da hüpft ein Reh“, ruft sie, sofort dreht sich ihre Mutter in ihre Richtung. Der Korb wackelt.

„Wer Schleswig-Holstein mag oder auch hier zuhause ist, wird diesen weiten Blick über die Felder lieben“, verspricht Freese. Zurecht: Unter dem Ballonkorb ziehen Wälder, Wiesen, Felder und Häuser vorbei. Einige Leute winken aus ihren Gärten nach oben, ihre Rufe sind bis in den Ballon zu hören.

Die Gäste von Jörg Freese kommen meist aus Schleswig-Holstein und dem Hamburger Randgebiet. „Mit uns gibt es hier in der Gegend nur sieben Anbieter“, sagt Freese. Und sein Ballon sei besonders beliebt. „Flocke“ heißt er. Denn die Firma Kölln aus Elmshorn ist Sponsor und ihr bekanntestes Produkt somit Namensgeber. Der Ballon habe großen Wiedererkennungswert „und es gibt Leute, die suchen im Internet und finden uns dann anhand der Bilder.“

Etwa ein Drittel seiner Gäste ist schon einmal mitgefahren. „Alle paar Jahre sieht man sich wieder, das ist total nett.“ Und auch vorher werde ein enger Kontakt gepflegt. Durch das wechselhafte Wetter gebe es immer wieder neue Terminabsprachen für mögliche Fahrten. Bei Sonja Wischmann und ihrem Bruder Sören Hansen hat es fast zwei Jahre gedauert, bis beide an diesem Tag Zeit hatten, an dem auch der Ballon abheben konnte. Dafür sind sie ganz aus Husum gekommen. „Es hat sich gelohnt“, sagt Sonja Wischmann.

Während die Landschaft unten vorbeizieht, könnte man bei einem Blick in den Himmel denken, man schwebe an einer Stelle, so sanft fährt der Ballon. Am Horizont geht die Sonne unter – es ist eine einzigartige Szene. „Es ist so schön“, sagt Monika Becker.

„Jetzt im Sommer ist es am schönsten“, findet Freese, denn es ist warm, und die Sicht ist gut. Zu warm darf es allerdings auch nicht werden. „Dann haben wir die Thermik, die sich auf die Fahrt auswirkt, und es wird wegen der Hitze zu anstrengend.“

Immer wieder lässt Freese die Flamme des Brenners fauchen. Jedes Mal, wenn der Ballon zu sinken beginnt, muss er feuern. Damit niemandem zu warm wird, hat der Ballon einen extragroßen Hitzeschutz. Ein weiterer Luxus ist die Tür im Ballonkorb. „Dann müssen nicht alle Gäste klettern.“

Nach etwa einer Stunde Fahrt hält Freese Ausschau nach einem Landeplatz. Es wird schließlich eine Wiese am Rand Kellinghusens. Die Landung ist sanft und der Korb steht sicher am Boden.

Über eine App hatten Freeses Kollegen, „die Verfolger“, den Ballon die ganze Zeit auf dem Radar. Nur wenig später kommt der Jeep auch schon auf das Feld gefahren. Wieder packen alle an um den Ballon wieder im Anhänger zu verstauen. „Es war wirklich eine Gemeinschaftsaktion“, freut sich Sandra Becker. Und Monika Becker ist fast sprachlos. Sie könne „es jedem nur empfehlen, die Ballonfahrt ist traumhaft schön.“

Für Sonja Wischmann hat sich wahrhaft ein Traum erfüllt. „Es war total entspannt, das Wetter hat mit gespielt und diese Ruhe.“ Als krönenden Abschluss werden die erfolgreichen Ballöner von Jörg Freese getauft – in Anlehnung daran, dass die Gebrüder Montgolfier nach ihrem erfolgreichen Flugversuch vom französischen König in den Adelsstand erhoben wurden. Dazu gibt es Taufnamen und aus Roland Becker wird „Roland, der unerschrockene Brennerfürst vom Hungrigen Wolf.“

Eines gibt Freese seinen Gästen noch mit auf den Weg. „Wenn ihr noch einmal vom Ballonfliegen sprecht, müsst ihr einen ausgeben, ein Ballon fährt.

>Kontakt: www.balloon-adventure.de

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