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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 00:15 Uhr

Seefahrt : Mit der Prinz Carl auf Walfangreise

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Einige kehrten als reiche Männer heim - andere nie: Im 19. Jahrhundert suchten zahlreiche Kollmaraner ihr Glück auf Seefahrten Richtung Nordmeer

Der Kollmaraner Walfang und Robbenschlag im 18./19.Jahrhundert. Teil 2: Kollmarer Reeder, Kommandeure und Mannschaften.

Im ersten Teil der Serie wurde über die Kollmarer Grönlandfahrten mit dem Schiff Kleen Collmar berichtet. Der zweite Teil erzählt von Kollmarer Bürgern, die als Reeder, Partenreeder, Kommandeure oder Mannschaften an diesen Unternehmungen oder dem Glückstädter Walfang und Robbenschlag beteiligt waren.

Als Partenreeder für die Fregatte Kleen Collmar nennt die Heimathistorikerin Wandau Oesau für 1785 auch C. Bahrs Kinder, H. Magens, C. Schmidt, H. Tiedemann, 1787 H. Magens, C. Schmidt, H. Tiedemann und 1789 nochmals C.Schmidt.

Der geschäftsführende Reeder Johann Köster war Kornhändler und Gastwirt in Kollmar (Gravert-Buch Nummer 528 – das heutige Fährhaus). Von 1773 bis 1779 besaß er auch den Hof in der heutigen Große Kirchreihe 17 (Gravert 511). Er war verheiratet mit Metta Tiedeman. Aus der Ehe gingen viele Kinder hervor. Zwischen 1767 und 1777 wurden in Kollmar sechs Söhne und zwei Töchter geboren. Einen weiteren Sohn und eine Tochter brachte Metta Köster in Glückstadt zur Welt.


Johann Köster wurde Glückstädter Bürger


 

Am 7. August 1782 wurde laut Glückstädter Bürgerbuch „Johann Köster, aus dem Alten Land gebürtig, Kornhändler“ Bürger der Elbestadt. Das vereinfachte wohl seine Geschäfte und vermied weiteren Streit wegen der Reederei der Kleen Collmar.

Im Bericht des Glückstädter Zollinspekteurs Lowtzow, der 1845 über die Grönlandfahrten von Glückstadt und Kollmar schrieb, wird Köster für das Jahr 1801 als hiesigen also Glückstädter „rechnungsführenden Reeder von einem Grönlandfahrer“ geführt, während er C.Schmidt in Colmar als „Mitreeder von einem Grönlandfahrer“ bezeichnet.

Köster starb laut Glückstädter Sterberegister am 7. August 1809. Dort wurde notiert: Johann Köster, Bürger und Kaufmann hinterlässt als Witwe seine zweite Gattin Metta Tiedemann. Er wurde 76 Jahre alt.

Daraus ergibt sich, dass Köster von 1733 bis 1809 lebte. In der Eintragung wird auch erwähnt, dass dessen Tochter Anna mit C.Schmidt aus Colmar verheiratet sei. Metta Köster starb am 16. April 1814 in Glückstadt. Sie wurde 78 Jahre alt.

Der oben erwähnte Partenreeder der Kleen Collmar C. Schmidt ist vermutlich identisch mit Claus Schmidt (1755 bis 1845), damals Besitzer der Höfe heute Strohdeich 7 und Großer Strohdeich 4, der seit 1779 mit Anna Köster, der 1763 geborenen Tochter von Johann Köster verheiratet war.

H. Magens könnte identisch sein mit Hinrich Magens (1749 bis 1821), 1776 bis 1801 Besitzer des Hofes heute Strohdeich 1 und seit 1774 verheiratet mit Metta Köster (1756 bis 1810), der ältesten Tochter von Reeder Köster. 1779 hatte er auch den Hof seines Schwiegervaters übernommen, den er bis 1808 besaß. Seitdem ist der Hof im Besitz der Familie Magens.

Der Partenreeder H. Tiedemann könnte entweder Hans Tiedemann oder Harm Tiedemann, einer der Brüder von Metta Köster, geborene Tiedemann, gewesen sein. 1772 bis 1780 war Harm Besitzer der Höfe Kleine Kirchreihe 5 und Kleine Kirchreihe 6 – ein Hof mit Gastwirtschaft. 1782 wurde das Land verkauft.

Die Parten „C. Bahrs Kinder“ standen möglicherweise auch in Verbindung zu Metta Köster. Mettas Schwester Silke Tiedemann war nach dem Gravert-Buch mit einem Bahr verheiratet.

Auch die Mannschaften der Kleen Collmar sind für 1785, 1787 und 1789 bekannt. Darunter finden sich ebenfalls Namen, die sich Kollmarer Seeleuten zuordnen lassen. Unter anderem J. Löbbe, der identisch sein könnte mit Johann Lübbe (1746 bis 1799), Lotse, 1785 39 Jahre alt oder mit Jacob Lübbe (1756 bis 1836), dem späteren königliche Elblotsen und Sohn von Peter Lübbe und Margaretha Wulff, 1785 29 Jahre alt. Er hatte noch einen etwas älteren Namensvetter in Glückstadt, der auch Lotse war. Auch der könnte gemeint sein oder Johann Hinrich Lübbe (1764 bis 1832), 1785 21 Jahre alt und späterer Kommandeur.

Als „Rechnung führende Reeder“ für den Glückstädter Grönlandfahrer Jungfrau Christina (43 Commerzlasten – 1 Commerzlast= 2,6 Tonnen) nennt Wanda Oesau ab 1772 Haesebeck und Schmidt, für 1777 H. Haesebeck und A. Schmidt sowie J. C. Meyn und J. C. Siemen.

In den Kollmarer Kirchenbüchern findet sich für diese Zeit ein am 5. Mai 1723 geborener Hinrich Hesebeck, Sohn von Hinrich und Gretje Hesebeck. Wenn er als Reeder infrage kommen sollte, müsste er zu den „Eingesessenen“ von Kollmar gehört haben. Der Hofbesitzer Jochim Hesebeck hatte laut Gravert-Buch einen Sohn Heinrich, der zwischen 1674 und 1679 geboren wurde. Ob dieser mit einer Gretje verheiratet war und sie einen Sohn Hinrich hatten, berichtet der Gravert nicht. Von der zeitlichen Zuordnung könnte auch Hinrich (geboren zwischen 1700 und 1712), der Sohn von Rheder Hesebeck (ebenfalls Gravert 586) zu dem oben erwähnten Reeder passen.

Laut Wanda Oesau war Jacob Häsebeck aus Collmar an Walfangunternehmen beteiligt. Er hatte Anteile im Cronprinz Friedrich (84 Commerzlasten, 39 bis 40 Mann Besatzung) und im Prinz Carl (Brigg, 1760 in Flensburg gebaut, 93 Commerzlasten, 40 bis 45 Mann Besatzung). Beides Glückstädter Schiffe. Nach Lowtzow war J. Häsebeck 1801 sogar Mitreeder von drei Grönlandfahrern. Er berichtet auch, dass die Prinz Carl am 9. Februar 1790 ausgelaufen war und nach der Reise mit 164 Quardeelen Speck (circa 16,4 Tonnen) und 4000 Robbenfellen einklarierte (das heißt bei der Rückkehr in den Hafen beim Zoll anmeldete) und dass die Cronprinz Friedrich 1790 einen Fang von 120 Quardeelen Speck und 2612 Robbenfellen einbrachte. Im Jahr 1800 war der Ertrag der Prinz Carl mit 30 Quardeelen und 619 Fellen eher mager, während die Cronprinz Friedrich immerhin 170 Quardeelen und 3600 Felle anlandete.

In den Listen der Reeder und der Mannschaft der Cronprinz Friedrich von 1790 unter Kommandeur Johann Hinrich Meyer Dierks von Seestermühe finden sich neben Jacob Häsebeck noch weitere Namen, die Kollmarer Seeleuten zugeordnet werden können: der Partfahrer Joh. Kruse, der Partfahrer C. Freese und die Monatsfahrer C. Bahrs, P. Mohr und J. Bahrs.

Jacob Häsebeck muss mit Jacob Hesebeck (1736 bis 1808) identisch sein, der 1759 bis 1785 den Hof Kleine Kirchreihe 10(Gravert 520) besaß. Er ist der einzige Kollmarer Eingesessene dieses Namens während jener Zeit, der sich in den Kirchenbüchern feststellen lässt.


Brüder bei Grönlandfahrt verschollen


 

Über ihn wird auch im Zusammenhang mit den Neuendorfer Brüdern Peter und Johann Timm berichtet, die auf Grönlandfahrt verschollen gingen. Im Neuendorffer Contracten-Protocoll heißt es: „Nachdem im Jahre 1777 die beiden Gebrüder Peter und Johann Timm zur See nach Grönland gegangen und verschiedene eingezogene Nachrichten deren Verunglückung wahrscheinlich gemacht hatten, wurde ratione ihrer hierselbst in Verwahrung gelassenen Effecten von Obrigkeitswegen Vorsorge genommen, und der Collmarsche Hufner Jacob Hesebeck zum Curatore Massae der abwesenden Brüder bestellt, und verordnet, daß derselben hieselbst vorhandenen Mobilien zu Gelde gemacht werden sollen. Diesem zufolge wurde eine Auction gehalten, deren Betrag das Bohlregister ergiebet mit 143 Mark fünf Schilling.“

Der Partfahrer Johann Kruse könnte der 1765 in Kollmar geborene Johann Kruse sein, Sohn von Jürgen Kruse und Elsabe, geborene Everts. Auch zum einhalb-Partfahrer C. Freese gibt es ein Pendant, den 1752 hier geborenen Claus Freese, Sohn von Jacob und Trina Freese. In den Kollmarer Kirchenbüchern findet sich ebenfalls ein Christian Bahr (Baar, um 1740 geboren), der 1771 als Schiffer bezeichnet wurde. Er wohnte 1761 bei der heutigen Adresse Am Deich 15. 1825 wurde ein Johann Baars als Grönlandfahrer im Heiratsregister eingetragen.

P. Mohr lässt sich möglicherweise Paul Mohr zuordnen, Schiffer und Krugwirt auf Bielenberg. Allerdings taucht P. Mohr auch in der Reeder- und Mannschaftsliste der Prinz Carl von 1790 auf. Als Partenreeder dieses Schiffes wird Jacob Häsebeck in Collmar genannt. Bei der Mannschaft finden sich die Namen P. Mohr, S. Koopmann, Hinr. Bremer, C. Scheelck und M. Wulff.

S. Koopmann könnte Sim Koopmann (1764 bis 1845) gewesen sein, der 1795 „Schiffer und Käthner bey der Colmar Schleuse“ war. Bei der Volkszählung von 1803 wurde er als Siemen Kopmann (39), Seefahrer, Besitzer der Kate mit der heutigen Adresse Schulstraße 8 verzeichnet. Er wohnte dort mit seiner Frau Margaretha Magdalena, geborene Karstens, die er 1795 geheiratet hatte und seinen drei Kindern.

Auch Hinr. Bremer lässt sich möglicherweise einem Seemann aus Kollmar zuordnen. Ein Hinrich Bremer war 1791 „Schiffer auf Schleuer“. Und C.Scheelck könnte mit dem 1753 oder dem 1768 geborenen Claus Schelcke identisch sein. Eine Namensähnlichkeit zu M. Wulff findet man in dem 1730 in Kollmar geborenen Marx Wulff.

1792 betrieb der Reeder Matthias Meyn in Glückstadt den Walfänger Catharina Dorothea. Sein Kommandeur war Jürgen Thormählen. Dies könnte der 1735 geborene Jürgen Thormählen aus Bielenberg gewesen sein, der bei der Volkszählung von 1803 als Königlicher Elblotse und Bürger von Glückstadt bezeichnet wurde. Letzteres ist belegt durch den Eintrag „Jürgen Thormoehlen, aus Bielenberg gebürtig, Lootse“ vom 2. Juli 1785 im Glückstädter Bürgerbuch. Er war mit Margaretha Lübbe, geborene Wulff verheiratet. Aber auch deren gemeinsamer Sohn Jürgen (geboren um 1766), laut Kirchenbüchern „Steuermann und Lootse“, käme als Kommandeur infrage, obwohl er mit 26 Jahren noch sehr jung dafür gewesen wäre.

Im dritten Teil der Serie wird über weitere Kollmarer Reeder, Kommandeure und Mannschaften berichtet werden, die an der Glückstädter Grönlandfahrt beteiligt waren.

 


>Einträge sind nachzulesen in Johann Gravert: Die Bauernhöfe der Kremper- und Kollmar-Marsch, Neuauflage 1976, Verlag J.J.Augustin, Glückstadt

 

 

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