Jahrhundertsommer 2018 : Mit den Wäldern leiden die Tiere unter Dürre-Stress

Vertrocknete junge Buche: Vielen neu angepflanzten Bäumen in Itzehoes Wäldern wurde die Dürre zum Verhängnis.
Vertrocknete junge Buche: Vielen neu angepflanzten Bäumen in Itzehoes Wäldern wurde die Dürre zum Verhängnis.

Die Trockenheit zieht sich tief in die Böden. Das Ausmaß der Waldschäden lässt sich erst 2019 vollständig einschätzen.

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16. August 2018, 05:08 Uhr

Itzehoe | Zumindest über die akute Waldbrandgefahr muss sich Stadtförster Torsten Wismar nach den Regenfällen der vergangenen Tagen aktuell etwas weniger Sorgen machen. Die Niederschläge waren aber nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. „Feucht geworden ist nur die Oberfläche“, sagt Wismar. „Der Waldboden ist nach wie vor knochentrocken.“

Seit Monaten gab es keine nennenswerten Niederschläge und die Dürre hat Itzehoes Wälder gehörig durcheinander gebracht. „Die Bäume leiden an Stress. Der Wald sieht aus, als hätten wir schon Herbst“, sagt Wismar. Bis vor einigen Wochen seien die Auswirkungen noch nicht deutlich spürbar gewesen. Normale Trockenperioden stecken Bäume locker weg. Nur ist der Mangel an Regen in diesem Jahr nicht mehr normal, sondern inzwischen „sehr ungewöhnlich“, sagt Wismar.

Eichen weniger betroffen

Es wird Schäden geben, das kann der Förster jetzt schon absehen. Unklar ist noch, in welchem Ausmaß. Bei Neuanpflanzungen gibt es schon jetzt standortabhängig Ausfälle zwischen 20 und 100 Prozent. „Junge Buchen sind stärker betroffen als Eichen“, sagt Wismar. Letztere wurzeln schneller in tiefere Bodenschichten. 1,30 Euro kostet ein junger Baum im Schnitt die öffentliche Hand und in den vergangenen Jahren wurde wegen schwerer Sturmschäden in den gut 500 Hektar Wald, die Wismar und seine Mitarbeiter für Stadt und Kreis verwalten, kräftig aufgeforstet. Zehntausende junge Bäume wurden gepflanzt. „Zum Glück nicht mehr in diesem Frühjahr. Das wäre besonders fatal gewesen“, erklärt Wismar.

Wie hoch der finanzielle Schaden ist, könne er erst im kommenden Jahr exakt beziffern, sagt der Förster. „Welche Pflanzen wirklich tot sind, werden wir erst dann sehen.“ Viel hänge nun davon ab, ob die nächsten Wochen kontinuierlich Regen bringen, oder ob es weiter trocken bleibt.

Das gilt auch für die älteren Bäume. Sie sterben nicht so leicht durch die Trockenheit. Aber sie sind geschwächt. „Und dann wesentlich anfälliger für Schädlinge“, sagt Wismar. Auch das werde zu Ausfällen führen.

Wie der Wald, so die Tiere

Mit den Pflanzen leidet auch die Tierwelt, erklärt der Förster. Rehe finden beispielsweise aktuell nicht genug Nahrung. Doch es gibt auch Profiteure: Die Wildschweine können sich in diesem Jahr deutlich früher als üblich über Eicheln freuen. Die Bäume werfen ihre Früchte wegen der Dürre bereits in großem Maße ab.

Viel mehr tun als abwarten, könne man nicht, sagt Wismar. Für Bewässerungsmaßnahmen sei der Wald viel zu groß. Und punktuelle Nothilfe, etwa mit Hilfe der Feuerwehr, sei eher kontraproduktiv. „Die Bäume fahren ihren Stoffwechsel herunter“, erklärt der Förster. „Wenn sie dann einmal viel Wasser bekommen, kommt alles wieder in Gang.“ Bleibe es dann anschließend trocken, würden die Pflanzen nur um so schneller eingehen.

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