Überall Wasser : Mit dem Regen platzte der Traum

Sören Ziemann und Jessica Brodersen vor ihrem Traumhaus, das zum Albtraum wird.
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Sören Ziemann und Jessica Brodersen vor ihrem Traumhaus, das zum Albtraum wird.

Wie eine junge Brokdorfer Familie mit einem Hauskauf in Not gerät und jetzt auf Hilfe hofft.

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12. Januar 2018, 12:00 Uhr

Sie hatten ihren Traum lange vor Augen: Aus dem Fenster ihrer gemeinsamen Mietwohnung in der Brokdorfer Dorfstraße blickten Jessica Brodersen und Sören Ziemann direkt auf das gegenüberliegende kleine Reetdachhaus gleich hinterm Elbdeich. Als sich die Gelegenheit für einen Kauf bot, schlug das junge Paar zu. Die erforderliche Renovierung schien überschaubar. Spätestens seit den vergangenen Regenwochen entpuppt sich der Traum vom Eigenheim allerdings als böse Falle. Im Kinderzimmer hat sich unter dem Laminat eine Seenlandschaft gebildet. Jetzt geht das Paar einen ebenso ungewöhnlichen wie mutigen Weg und startet via Facebook und über unsere Zeitung einen Hilferuf.

Die ersten Wochen und Monate war noch alles nach Plan verlaufen. Sören Ziemann, von Beruf Erzieher in einem Itzehoer Kindergarten, erwarb Haus und Grund. Die Bank schob 91 000 Euro für den Kauf auf das Konto des alten Eigentümers. Hinzu kamen noch die Nebenkosten. Die Finanzierung schien gesichert, die Zinsen immer noch im Rekordtief. „Wir wussten von Anfang an, dass bei einem alten Haus immer etwas anfällt“, rechnet der 28-Jährige ganz realistisch vor. Die Unterhaltung sollte über eine gut laufende Monteurswohnung unter dem Dach bestritten werden. Zuletzt steckte das Paar noch einmal Geld in eine Teilsanierung des Reetdaches, das zumindest auf dieser Seite wieder schmuck aussieht.

Als dann der große Regen kam, wurden Versäumnisse und Bausünden der Vergangenheit offensichtlich. Die Drainage erwies sich als unzureichend oder gar nicht vorhanden. Das Wasser kam von allen Seiten – vom Elbdeich, von oben und vom Reetdach, das traditionell kein Entwässerungssystem für Niederschlagswasser hat. Ziemann spricht von einem „völligen Desaster“.

Schon früher, so hatten die Bauherren zuvor schon festgestellt, muss es Probleme mit Wasser gegeben haben. Hinter Holzpaneelen im Anbau feierten Schimmelpilze fröhliche Urständ und im angrenzenden Kinderzimmer wäre der Laminatboden wohl am Stück weggeschwommen, wenn hier nicht Wände wären. Erste Reaktion: Sören Ziemann schläft seitdem auf der Couch im Wohnzimmer, seine Lebensgefährtin auf einer davor liegenden Matratze. Aus Angst vor Schimmelpilzen wird die ein Jahr alte Mia jeden Abend zum Opa ausquartiert. Nur der sechsjährige Finn kann im eigenen Zimmer gut schlafen. Hier ist es bislang trocken, wobei der Blick unter den Fußbodenbelag noch aussteht.

Freimütig räumt das Paar heute ein, beim Hauskauf vielleicht auch ein bisschen blauäugig gewesen zu sein. „Ich hatte mich einfach in das Haus verliebt“, sagt Jessica Brodersen, die als sozialpädagogische Assistentin arbeitet. Aber, so fügt sie hinzu, wenn man etwas wirklich haben wolle, schaue man wohl nicht so genau hin. „Im nachhinein ist man immer schlauer“, meint Sören Ziemann. Er rät nach seinen Erfahrungen jedem potenziellen Hauskäufer unbedingt das Geld für Gutachter zu investieren.

Hinter den beiden Brokdorfern liegen nun unruhige Tage und mehrere schlaflose Nächte. Lange haben sie mit sich gerungen, ob sie mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit gehen sollten. Parallel haben sie sich auch für TV-Sendungen wie „Zuhause im Glück“ beworben.

Als erste Maßnahme müssen sie nun zumindest das Haus von außen her trocken kriegen und verhindern, dass weiter Wasser eindringt. Nach ersten groben Schätzungen müssen sie dafür mit mindestens 20 000 Euro an Kosten rechnen. Einschließlich Kernsanierung von Innenräumen rechnen sie mit einem Gesamtaufwand von 40 000 bis 50 000 Euro. Geld, das das junge Paar nicht mehr hat. „Vielleicht gibt es ja eine Firma, bei der wir das abstottern können oder die uns finanziell entgegenkommt“, hofft Sören Ziemann. Ihm selbst fehlen einfach die erforderlichen Fachkenntnisse. „Aber natürlich packe ich auch mit an.“ Dankbar wären die beiden auch für eine Unterstellmöglichkeit von Möbeln, damit Innenräume in Angriff genommen werden können. „Jede noch so kleine Hilfe bringt uns weiter“, so Ziemann, der sich wohl auch über hilfreiche Ratschläge oder sogar eine Möglichkeit zur vorübergehenden Unterkunft freuen würde.

Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem Einzug hat sich für die junge Brokdorfer Familie der Traum vom kleinen Eigenheim eher zum Albtraum entwickelt. Sören Ziemann plagen zudem Ängste, dass sie die eigenen vier Wände nun in eine Schuldenfalle treiben könnten. Noch aber geben sie die Hoffnung nicht auf. „Es ist ja ein schönes Haus“, sagt Ziemann. Und seine Partnerin kann da nur beipflichten: „Geschäft und Kindergarten liegen um die Ecke, die Bushaltestelle vor der Tür, die Kinder haben einen Garten zum Spielen und direkt hinter dem Deich liegt die Elbe.“ Wenn da nur nicht die Angst vor dem nächsten großen Regen wäre.


>Kontakt Sören Ziemann: 0176/22638934

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