DONAU–TOUR : Mit dem Paddelboot nach Istanbul

Scheut vor keinem Gewässer zurück: Georg Krause von den Itzehoer Wasser-Wanderern startet heute seine nächste Tour.
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Scheut vor keinem Gewässer zurück: Georg Krause von den Itzehoer Wasser-Wanderern startet heute seine nächste Tour.

Extrempaddler Georg Krause startet zu einer 2800 Kilometer langen Donau-Tour – danach will er noch das Schwarze Meer durchqueren.

shz.de von
12. Juni 2014, 12:00 Uhr

Während die ganze Welt heute dem Start der Fußball-WM in Brasilien entgegenfiebert, flüchtet Georg Krause in die Einsamkeit auf dem Wasser. Der Itzehoer Extrempaddler will allein mit der Kraft seiner Armmuskeln bis nach Istanbul durchstarten. Die erste Etappe absolviert der 72-Jährige allerdings noch per Bahn. Heute fährt er in das nur wenige Kilometer von der Donauquelle entfernt gelegene Tuttlingen. Seine Ausrüstung ist schon vor Ort. Die Spedition Sander hat sein Boot nach Baden-Württemberg gebracht.

Dort geht Krause auf die knapp 2800 Kilometer lange Donau. Zuletzt war er 1958 auf Europas zweitlängstem Fluss unterwegs. „Damals aber nur mit einem Tretboot“, schmunzelt Krause. Seitdem ist Wasser sein Lebenselixier. Wochen-, zum Teil monatelang startet Krause alle Jahre wieder zu Langstreckenfahrten. Ost- und Nordsee kennt er wie seine Westentasche, auch auf dem Amazonas war er schon unterwegs. Die Donau allerdings ist auch für ihn ein neues Revier. Wie immer hat Georg Krause sich akribisch auf die Tour vorbereitet. Die Strömungsverhältnisse, so sagt er, ließen sich in etwa mit denen auf der Stör vergleichen. „Nur ohne Ebbe und Flut natürlich.“ Als Tagesetappe peilt er im Durchschnitt 50 Kilometer an. Meist will er am Ufer im Zelt campieren. Nur alle zwei Wochen soll eine kleine Pension angesteuert werden – zum Duschen und zum Wäsche waschen. Starten will er täglich in aller Frühe. Nach zwei bis drei Stunden Mittagspause wird dann bis zum Abend weitergepaddelt.

„Das wird meine bislang längste Tour.“ Krause rechnet damit, dass er nach etwa zwei Monaten das Mündungsdelta der Donau und damit das Schwarze Meer erreichen wird. Der besondere Reiz für ihn: Auf der Donau-Tour kommt er mit insgesamt zehn verschiedenen Nationen in Berührung. Anrainerstaaten sind nach Deutschland und Österreich die Slowakei, Ungarn, Serbien und Rumänien auf beiden Ufern sowie einseitig Kroatien, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine. „Zum Glück haben wir ja die Europäische Gemeinschaft. Da kann man sich überall frei bewegen“, freut sich Krause. Notfalls hilft es ja auch, dass er sich auf der Donau in internationalen Schifffahrtsgewässern bewegt.

„Ich mag einfach keinen Massentourismus“, nennt Georg Krause einen Beweggrund für seine regelmäßigen Paddeltouren. Die Idee zur jetzigen Tour geisterte ihm schon länger durch den Kopf. „Eigentlich wollte ich ja immer von Itzehoe bis zur Donau. Jetzt mache ich aber erst einmal die zweite Etappe.“ Und die soll, wenn alles klappt, durch das Schwarze Meer bis nach Istanbul führen. „Ich muss natürlich erst einmal sehen, wie rau das Wasser dort ist.“ Dabei ist Krause auch immer wieder für Überraschungen gut. „Vielleicht läuft es ja so toll, dass ich gleich bis nach Piräus weiterfahre.“ Genug Zeit jedenfalls, um sich sich Gedanken über die nächste Tour zu machen. Südfrankreich steht auf der Liste. Und im Hinterkopf hat Krause dabei wohl auch immer die Geschichte eines Tischlers, der schon 1929 mit einem Faltboot die Donau eroberte – und elf Jahre später in Australien landete.

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