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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 10:26 Uhr

Drogensüchtig : Mit dem Beil auf Raubzug

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

22-Jähriger vom Landgericht Itzehoe zu Haft verurteilt – aber Drogentherapie steht im Mittelpunkt.

Als ,,Beilräuber“ verbreitete er im August vergangenen Jahres kurzzeitig Angst und Schrecken in der Stadt, jetzt musste sich ein drogensüchtiger Itzehoer (22) vor dem Landgericht verantworten. Es schickte ihn hinter Gitter – doch im Mittelpunkt steht eine Drogentherapie.

Im Alter von neun Jahren kam der Angeklagte ins Heim. Gab es Schwierigkeiten, musste er gehen. 18 Mal wechselte er so quer durchs Land die Einrichtungen und lernte nur eines: ,,Immer, wenn es zu schwierig wurde, wollte ich weg“, sagte der vor Gericht unauffällig wirkende junge Mann. Schon im Alter von zwölf Jahren hatte er begonnen zu kiffen, ab 15 kamen andere Drogen, vor allem Amphetamine und Ecstasy hinzu, außerdem Alkohol. Für zwei Jahre schickte man ihn sogar nach Ungarn, dort schaffte er den Hauptschulabschluss. Als der Itzehoer knapp 18 war, lebte er ein halbes Jahr lang mit einem Sozialpädagogen zufrieden in einem Ferienhaus. Doch mit dem Erwachsenenalter endete die Fürsorge. Nun ging es steil bergab.

Einbruch, Diebstahl, Betrug brachten den Mann schließlich für fast zwei Jahre ins Gefängnis. Er wohnte zunächst bei Kumpels, dann bei einer Freundin. Die bekam einen Sohn von ihm. Dieser ist heute drei Jahre alt und hat keinen Kontakt zu seinem Vater.

,,18 Einrichtungen – das ist ein Wahnsinn“, sagte Psychiaterin Dr. Antje Steinwachs-Mezger. Sie attestierte dem 22-Jährigen für den Zeitraum der jetzt behandelten Taten verminderte Schuldfähigkeit. Zuerst brach er in der Nacht zum 14. August ins Vereinsheim des Itzehoer Ruderclubs ein. Beute: 10 Euro und ein paar Bier. Sachschaden: rund 2000 Euro. In den Morgenstunden kam erstmals das Beil zum Einsatz. Um 5 Uhr überfiel der Itzehoer maskiert eine Kneipe in der Großen Paaschburg. Beute: 26 Euro.

In der Nacht zum 16. August war das Gebäude der Brücke Schleswig-Holstein das Einbruchsziel. 50 Euro nahm der Angeklagte mit, hinterließ aber einen Schaden weit jenseits der 1000 Euro. Morgens gegen 6.30 Uhr überfiel er eine Bäckerei-Filiale im Lerchenfeld und erbeutete 200 Euro. Die damals 41-jährige Verkäuferin leidet noch heute unter Angst, war in Therapie und musste die Arbeitsstelle wechseln.

Am frühen Morgen des 18. August dann die letzte Tat: In einer Bäckerei in der Feldschmiede ließ der Itzehoer sein Beil aus dem Rucksack hervorlugen und erhielt rund 100 Euro. Zwar war er stets maskiert, hatte aber eine auffällige Tätowierung am Handgelenk nicht verdeckt. Noch am selben Tag griff die Polizei den 22-Jährigen in der Feldschmiede auf, Beil und Maske trug er im Rucksack bei sich. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte gestand alles, konnte sich aber wegen des starken Drogenmissbrauchs zur Tatzeit nur bruchstückhaft erinnern. Alle halbe Stunde bis Stunde habe er damals etwas genommen. Drei Entzugstherapien haben nichts gebracht, jetzt wird auf eine Langzeittherapie gesetzt. Die Sachverständige empfahl zwei Jahre, darum soll der Itzehoer in den so genannten Maßregelvollzug. Nach zwei Jahren Therapie kann er – bei einem Erfolg – auf Bewährung entlassen werden.

Staatsanwalt Dr. Joachim Reinhold, Verteidiger Jürgen Osbahr und die von Klaus Emmermann geführte 1. große Strafkammer waren sich in ihrer Einschätzung einig: Der 22-Jährige erhielt drei Jahre und neun Monate Haft, wird aber in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Der Itzehoer begrüßte das: Er wolle weg von den Drogen.

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erstellt am 13.Feb.2014 | 05:00 Uhr

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