zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 00:17 Uhr

Therapie : Mit Delphinen sprechen lernen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Elfjähriger Jannes aus Kollmar leidet unter geistiger Behinderung. Eltern sammeln für 14 000 Euro teure Therapie.

Wenn Jannes von Oma und Opa erzählen will, dann nimmt er ein Foto von ihnen in die Hand. Wenn er andeuten will, dass sein Computer kaputt ist, dann zeigt er darauf. Und wenn er etwas gut findet, dann macht er eine Geste mit Daumen und Zeigefinger. Der Elfjährige mit den blonden Locken, der stets ein Lächeln auf den Lippen hat, kann nicht sprechen. „Und das ist unser größtes Problem“, sagen seine Eltern Anette und Michael Struve, die den Kleinen zwar meistens verstehen können, aber sich dennoch sehnlichst wünschen, dass ihr Sohn mit ihnen reden kann.

Ein leises „Recker“ bringt Jannes immerhin über die Lippen, wenn er von seinem Lieblings-Fahrzeug, dem Trecker, spricht. Und „Mama“ und „Papa“ kann er auch schon sagen. Bei längeren Worten oder gar ganzen Sätzen stößt er jedoch an seine Grenzen. Dann kommen die Hände zum Einsatz. Aber auch die wollen nicht immer so, wie Jannes will, zumindest die rechte Hand nicht. Sie ist ebenso wie sein rechtes Bein spastisch gelähmt. „Deshalb sehen seine Gebärden manchmal etwas anders aus“, wissen seine Eltern.

Nach und nach mussten sich der Architekt und die Sekretärin an die Behinderung ihres Sohnes gewöhnen. Alles begann mit Problemen im Darm, von denen Anette Struve schon während der Schwangerschaft erfuhr. Nur einen Tag nach seiner Geburt im Jahr 2002 wurden Jannes drei Viertel seines Dünndarms entfernt. Das erste halbe Jahr seines Lebens verbrachte der Säugling im Krankenhaus und musste künstlich ernährt werden. Zum Glück wurden bei einer weiteren Operation im Jahr 2004 alle Darmprobleme behoben.

Doch dann rückten Jannes geistige Behinderung und seine Epilepsie in den Vordergrund. Heute bekommt er wöchentlich einen epileptischen Schub mit drei bis vier Anfällen hintereinander. Er kann nicht alleine bleiben, in seiner Schule, dem Förderzentrum Itzehoe, hat er einen Schulbegleiter und zahlreiche Therapien bestimmen sein Leben.

Wie voll Jannes Tage sind, zeigt ein Bildkalender, der zu Hause in der Küche hängt. Jeder Tag ist gespickt mit vielen verschiedenen Kärtchen für Schule, Ergotherapie oder Arztbesuch. Ein Blick darauf und Jannes weiß, ob Oma schon morgen oder doch erst übermorgen zu Besuch kommt, wie oft er noch schlafen muss, bis er wieder zur Sportgruppe nach Glückstadt fährt und wann er endlich mal Zeit zum Spielen hat. Dann beschäftigt er sich am liebsten mit seiner Modell-Eisenbahn, mit einem Puzzle. oder mit seinem Ipad. Der kleine Computer lässt ihn nicht nur Musikvideos anschauen oder Bilder ausmalen, sondern hilft ihm auch ab und zu, seine Grenzen zu überwinden. Eine Sprach-App verwandelt die Bilder, die Jannes anklickt, in Worte. Er lacht, wenn er den Tönen aus dem Gerät zuhört. Und wenn er zur Musik auch noch anfängt zu tanzen, energisch seine Kalender-Karten sortiert oder einen Besucher stürmisch umarmt, dann möchte man gar nicht glauben, wieviel der Elfjährige leiden muss.

Seine Eltern sind sich sicher, dass in dem Kleinen die Fähigkeit zu sprechen schlummert. Sie setzen ihre Hoffnungen auf eine Therapie, bei der ihr Sohn mit Delphinen schwimmen soll. „Wir wissen, dass viele Kinder dabei sprachliche Fortschritte gemacht haben“, sagt Mutter Anette Struve. Zwei Wochen lang, soll Jannes auf der Karibik-Insel Curaçao, in der Nähe der intelligenten Meeressäuger verbringen. Die Schwierigkeit: Die Therapiekosten von rund 14 000 Euro zahlt keine Krankenkasse.

Nach langem Überlegen („Es fällt uns schwer, um Hilfe zu bitten.“) entschlossen sich die Struves, die Unterstützung von Freunden, Bekannten, Nachbarn und anderen hilfsbereiten Menschen zu suchen. Sie richteten die Internetseite www.hilfe-fuer-jannes.de ein, begannen Sachspenden und Selbstgemachtes auf Flohmärkten zu verkaufen und Firmen anzuschreiben. Mit Erfolg: „Die Resonanz war unheimlich groß“, sagt Anette Struve. Allein auf den Weihnachtsmärkten in Morrege und Kollmar kamen über 2600 Euro für Jannes Therapie zusammen.

Insgesamt hat die Familie schon knapp die Hälfte der gesamten Therapiekosten, also fast 7000 Euro, gesammelt. Unterstützung ist weiterhin per Überweisung möglich. Wer gerne im Internet einkauft, kann Jannes zudem eine Spende der Online-Shops widmen. Wenn das Geld zusammenkommt, dann ginge nicht nur für seine Eltern, sondern auch für Jannes selbst ein Traum in Erfüllung. Denn das aufgeweckte Kerlchen liebt es zu schwimmen, er mag Abenteuer und ganz besonders sehnt er sich danach, endlich sprechen zu können.

>Eine Spende kann an „Dolphin aid e.V.“, Konto-Nr.: 2000 24 24, Stadtsparkasse Düsseldorf, BLZ: 300 501 10, Verwendungszweck: Spende für Jannes Struve überwiesen werden. Der Verein verwaltet das Geld für die Familie und stellt sicher, dass es ausschließlich für die Delphin-Therapie verwandt werden kann. Auf Wunsch wird eine Spendenquittung ausgestellt.

>Beim Einkaufen im Internet kann Hilfe leisten, wer sich auf gynny.de für das Projekt „Hilfe für Jannes – Delphintherapie“ registriert. Portale wie Amazon oder Zalando spenden dann einen Anteil ihres Gewinns.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen